Deutsche Tageszeitung - Erste EU-Zulassung von Insekten als Nahrungsmittel rückt näher

Erste EU-Zulassung von Insekten als Nahrungsmittel rückt näher


Erste EU-Zulassung von Insekten als Nahrungsmittel rückt näher
Erste EU-Zulassung von Insekten als Nahrungsmittel rückt näher / Foto: ©

Der gelbe Mehlwurm könnte das erste offiziell für den Verzehr in der EU zugelassene Insekt werden. Die EU-Lebensmittelbehörde Efsa gab am Mittwoch eine positive Bewertung für die Nutzung des Insekts in der Nahrungsmittelindustrie ab. Demnach ist die Larvenform des Mehlwurmkäfers "sowohl als ganzes getrocknetes Insekt als auch in Pulverform" für den menschlichen Verzehr unbedenklich.

Textgröße ändern:

Die im italienischen Parma ansässigen EU-Experten prüften einen Antrag auf Einstufung des gelben Mehlwurms als "neuartiges Lebensmittel". Die Larve enthält demnach in erster Linie Protein, Fett und Ballaststoffe. Der Verzehr sei daher "ernährungsphysiologisch nicht nachteilig". Toxizitätsstudien hätten zudem keine Sicherheitsbedenken ergeben. Kontaminierungen lägen lediglich vor, wenn das Futter der Insekten Giftstoffe enthalten habe, erklärte Efsa.

"Diese erste Risikobewertung der Efsa für ein Insekt als neuartiges Lebensmittel kann den Weg für die erste EU-weite Zulassung ebnen", erklärte der Efsa-Experte Ermolaos Ververis. Die EU und ihre Mitgliedstaaten könnten später auf Basis der Bewertung entscheiden, den gelben Mehlwurm als Zutat für Proteinriegel, Gebäck oder andere Lebensmittel zuzulassen.

Die EU hatte 2015 eine Verordnung erlassen, um die Bewertung und Zulassung innovativer Lebensmittel zu vereinfachen und europaweit zu zentralisieren. Seit Inkrafttreten dieser Verordnung 2018 ist Efsa maßgeblich an den Zulassungsverfahren beteiligt. Nach Angaben der Behörde stehen derzeit die Risikobewertungen von 14 weiteren Insekten-Produkten aus.

Insekten gelten dank ihrer geringeren Umweltbelastung und ihres hohen Nährwerts als nachhaltige Proteinquelle. In vielen Teilen der Erde sind Grillen, Heuschrecken oder Mehlwürmer bereits Alltagskost. In Europa ist der Verkauf von Lebensmittel mit Insekten nicht grundsätzlich verboten, fristet bislang aber ein Nischendasein.

(N.Loginovsky--DTZ)

Empfohlen

USA billigen Verkauf von Tomahawk-Marschflugkörpern an Deutschland

Die US-Regierung hat dem Verkauf von weitreichenden Tomahawk-Marschflugkörpern an Deutschland zugestimmt. Die Bundesregierung habe am Rande des Nato-Gipfels mit den USA vereinbart, "dass amerikanische Tomahawk-Raketen von uns erworben und in Deutschland stationiert werden", sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Donnerstag im Bundestag. Nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen wollen die USA im August die Genehmigung offiziell erteilen. Dabei geht es demnach neben den Tomahawk-Raketen auch um bodengestützte Typhon-Startgeräte.

Betriebsrat und IG Metall machen mobil gegen drastische Sparpläne bei Volkswagen

Betriebsrat und Gewerkschaft bei Volkswagen machen mobil gegen "Brutalo-Pläne" des Vorstands: An allen VW-Standorten in Deutschland protestierten am Donnerstag Arbeitnehmervertreter gegen die mutmaßlich drastischen Sparpläne des Autobauers. Am Nachmittag kam der Aufsichtsrat zusammen, um über die Pläne zu beraten. Offenbar will VW bis zu 100.000 Stellen streichen und bis 2034 vier Werke in Deutschland schließen. Der Betriebsrat forderte "endlich Klarheit".

Bundestags-Gutachten sieht hohe Kostenrisiken für Verbraucher durch Grüngasquote

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages sieht hohe Kostenrisiken für Verbraucher durch die Grüngasquote im neuen Heizungsgesetz. Die Verfügbarkeit grüner Gase und Öle sei und bleibe voraussichtlich begrenzt, zugleich sei der Bedarf auch in anderen Bereichen groß, heißt es in einem Gutachten, das die Grünen-Fraktion in Auftrag gegeben hatte und das AFP am Donnerstag vorlag. "Aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit und der Nutzungskonkurrenzen sind die Preise hoch."

VW-Betriebsrat fordert vom Vorstand "ganzheitlichen Zukunftsplan"

Vor der Aufsichtsratssitzung des Volkswagenkonzerns in Wolfsburg zu den Sparplänen des Autobauers hat die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo einen "ganzheitlichen Zukunftsplan" statt Stellenabbau und Werksschließungen gefordert. Der Vorstand müsse einen "umfassenden ganzheitlichen Plan", entwickeln, der auch Themen wie Technologieführerschaft und Produkte für unterschiedliche Märkte angehe, sagte Cavallo. Sie forderte außerdem Unterstützung durch die Politik, um den "starken europäischen Markt gegen den Wettbewerb zu schützen".

Textgröße ändern: