Deutsche Tageszeitung - Deutschlands Wirtschaft 2020 um fünf Prozent geschrumpft

Deutschlands Wirtschaft 2020 um fünf Prozent geschrumpft


Deutschlands Wirtschaft 2020 um fünf Prozent geschrumpft
Deutschlands Wirtschaft 2020 um fünf Prozent geschrumpft / Foto: ©

Deutschlands Wirtschaft ist im Corona-Jahr 2020 massiv eingebrochen - zugleich hat die Pandemie den Staatshaushalt tief in die roten Zahlen gedrückt. Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte, schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorjahr um 5,0 Prozent. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bezeichnete den Rückgang als "dramatisch hohe Zahl", rechnet für 2021 aber weiterhin mit einem "deutlichen und spürbaren" Wachstum.

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In der Corona-Krise rutschte die deutsche Wirtschaft nach einer zehnjährigen Wachstumsphase in eine "tiefe Rezession", wie das Statistische Bundesamt erklärte. Allerdings fiel der konjunkturelle Einbruch den vorläufigen Berechnungen zufolge geringer aus als im Finanzkrisenjahr 2009. Damals war das BIP um 5,7 Prozent geschrumpft.

Auch im internationalen Vergleich kam die deutsche Wirtschaft relativ gut durch das Krisenjahr. So wird in der Herbstprognose der EU-Kommission für die 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union ein durchschnittlicher BIP-Rückgang um 7,4 Prozent im Jahr 2020 angenommen und für die 19 Staaten der Eurozone ein Rückgang von 7,8 Prozent.

Dennoch habe die Pandemie in der Bundesrepublik deutliche Spuren in nahezu allen Wirtschaftsbereichen hinterlassen, erklärten die Statistiker. Einen noch stärkeren Einbruch verhinderten demnach lediglich die staatlichen Konsumausgaben und das Baugewerbe. Zurück gingen hingegen nicht nur die Exporte (minus 9,9 Prozent) und Importe (minus 8,6 Prozent), sondern - anders als in der Finanzkrise - auch die privaten Konsumausgaben. Sie sanken im Vorjahresvergleich um 6,0 Prozent und damit so stark wie noch nie. Zugleich stieg die Sparquote der privaten Haushalte auf ein historisches Hoch.

Das wiederum birgt nach Einschätzung des Bundesamtes auch Potenziale für künftiges Wachstum bei den Konsumausgaben: "Wer würde nicht mal gerne wieder zum Friseur gehen, wer würde nicht mal wieder gerne eine Veranstaltung besuchen", sagte Albert Braakmann, Leiter der Abteilung Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen und Preise des Bundesamtes.

Wirtschaftsminister Altmaier äußerte sich überzeugt, dass das Wachstum 2021 "deutlich und spürbar" sein werde und verwies darauf, dass der Lockdown zum Jahresende weitaus geringere Auswirkungen auf die Realwirtschaft gehabt habe als der Lockdown im Frühjahr 2020.

Das sieht auch das Statistische Bundesamt so und geht aktuell für das vierte Quartal von einer Stagnation gegenüber dem Vorquartal aus. Im zweiten Quartal 2020 hatte es hingegen noch einen "historischen Einbruch" des BIP um 9,8 Prozent gegeben.

Der deutsche Staat verzeichnete nach acht Jahren mit Finanzierungsüberschüssen 2020 erstmals wieder ein Finanzierungsdefizit. Es beträgt nach ersten Berechnungen 158,2 Milliarden Euro - das ist das zweithöchste Defizit seit der deutschen Vereinigung, nur übertroffen vom Rekorddefizit des Jahres 1995, in dem die Treuhandschulden in den Staatshaushalt übernommen worden waren.

Gemessen am BIP errechnet sich so eine Defizitquote von 4,8 Prozent - deutlich mehr als der europäische Referenzwert des Stabilitäts- und Wachstumspakts von drei Prozent, gleichzeitig die Zielgröße für die deutsche Schuldenbremse. Beide Zielgrößen wurden aufgrund der Corona-Pandemie für 2020 und 2021 ausgesetzt.

Ökonomen werteten den BIP-Rückgang unterschiedlich: Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) sprach von der schlimmsten Krise seit Bestehen der Bundesrepublik; anders als in der Finanzkrise seien in der Corona-Krise auch solche Wirtschaftsbereiche betroffen, die sonst weniger schwankungsanfällig seien und gesamtwirtschaftlich stabilisierend wirkten.

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erklärte hingegen, minus fünf Prozent seien als Erfolg zu werten, andere EU-Volkswirtschaften seien zweistellig abgestürzt. Die gute finanzielle Situation des Staates, aber vor allem auch die Widerstandskraft der Unternehmen und deren umsichtiges Pandemie-Management hätten "das Land vor Schlimmerem bewahrt".

Auch das Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler Stiftung erklärte, die deutsche Wirtschaft habe das Corona-Jahr deutlich besser überstanden als viele Beobachter noch im Sommer befürchtet hätten. Das IMK verwies auf den großzügigen Zugang zu Kurzarbeit und Konjunkturprogramme.

(L.Møller--DTZ)

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