Deutsche Tageszeitung - Datenschützer kritisieren Talk-App Clubhouse

Datenschützer kritisieren Talk-App Clubhouse


Datenschützer kritisieren Talk-App Clubhouse
Datenschützer kritisieren Talk-App Clubhouse / Foto: ©

Die Vorsitzende der Datenschutzkonferenz von Bund und Ländern, Monika Grethel, hat die Social-Media-App Clubhouse kritisiert. Dabei geht es insbesondere um den Zugriff von Clubhouse auch auf Daten von Kontaktpersonen der Nutzerinnen und Nutzer ohne deren Einwilligung. "Was mit den Kontakt- und Accountinformationen geschieht, bleibt weitgehend intransparent", kritisierte Grethel zudem in de Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND).

Textgröße ändern:

Die Möglichkeit der Nutzerinnen und Nutzer, Clubhouse Zugriff auf ihre Kontakte zu gewähren und der App somit Kontaktinformationen von Personen, die selbst nicht Teilnehmende sind, zur Verfügung zu stellen, sei "grundsätzlich kritisch zu sehen", betonte Grethel. "Gleiches gilt für eine Anmeldung/Authentifizierung bei Clubhouse über einen weiteren Social-Media-Account eines eingeladenen Teilnehmenden."

Grethel hob hervor, es gehe nicht darum, Nutzerinnen und Nutzern Vorgaben für die private Verwendung einer App oder eines Dienstes zu machen. Wenn es sich aber - wie im Fall von Clubhouse - nicht nur um die eigenen Daten, sondern auch um Daten anderer unbeteiligter Menschen handele, "begegnet ein Upload von Kontaktinformationen Dritter datenschutzrechtlichen Bedenken". Soweit die Nutzung des Dienstes auch ohne Zurverfügungstellung von Daten anderer Menschen möglich sei, sollten Nutzer auf einen Upload verzichten oder diesen durch spezifische Maßnahmen ausschließen.

Kritik an der Weitergabe von Kontaktdaten übte auch die Verbraucherzentrale Bremen. "So besteht die Gefahr, dass Schattenprofile erstellt und zu Werbezwecken genutzt werden", erklärte deren Vorstand Annabel Oelmann. Dies widerspreche der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), "da die betroffenen Kontakte nicht vorab über die Nutzung ihrer persönlichen Daten informiert werden".

Oelmann verwies zudem auf die Möglichkeit einer zumindest temporären Aufzeichnung von über Clubhouse geführten Gesprächen. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten sich darüber im Klaren sein, dass sie die Nutzung von Clubhouse nicht nur mit der Preisgabe der eigenen persönlichen Daten, sondern auch mit den persönlichen Daten von Familie, Freunden und Bekannten bezahlen.

Die bislang nur auf Apple-Geräten verfügbare App ermöglicht Gespräche mit anderen Nutzerinnen und Nutzern in virtuellen Räumen. Sie war in Deutschland zuletzt durch umstrittene Äußerungen von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) in die Schlagzeilen geraten.

(N.Loginovsky--DTZ)

Empfohlen

"Wunderschöner Anblick": Artemis-Crew hat Hälfte der Strecke zum Mond zurückgelegt

Die Astronauten der Artemis-2-Mission haben mehr als die halbe Strecke zum Mond zurückgelegt und einen fantastischen Blick auf den Erdtrabanten wie auch die Erde. "Wir können den Mond gerade aus der Luke sehen, es ist ein wunderschöner Anblick", sagte die US-Astronautin Christina Koch am Samstagmorgen (MESZ) während einer Live-Übertragung der Nasa. Die US-Raumfahrtbehörde veröffentlichte derweil faszinierende Aufnahmen von der Erde, die von der Orion-Raumkapsel aus aufgenommen wurden.

Deutschland und weitere Länder fordern EU zu Prüfung von Übergewinnsteuer auf

Deutschland und vier andere europäische Staaten haben die EU aufgefordert, Maßnahmen für eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne zu prüfen. Eine solche sei bereits 2022 als Notfallreaktion auf hohe Energiepreise genutzt worden, heißt es in einem Brief an EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra, welcher der Nachrichtenagentur AFP am Samstag vorlag. "Angesichts der derzeitigen Marktverzerrungen und finanzpolitischen Zwänge" sollte die Europäische Kommission nun "zügig" ein ähnliches EU-weites Instrument ausarbeiten.

ADAC: Neue Preisregel für Tankstellen hat Preisniveau nicht reduziert

Der ADAC hat nach knapp drei Tagen ein vorläufiges negatives Fazit zu der von der Bundesregierung eingeführten Preisregel für Tankstellen gezogen. "Aus Sicht des ADAC hat die Umstellung auf das sogenannte Österreich-Modell das hohe Preisniveau nicht reduziert", erklärte der Club am Freitag. "Stattessen hat es die Entwicklung nach oben eher befördert."

DIHK: Jeder sechste Industriebetrieb verdient durch Verteidigungsindustrie

Jeder sechste Industriebetrieb in Deutschland ist nach Angaben der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) bereits in die Wertschöpfungskette der Verteidigungsindustrie eingebunden. Besonders hoch sei der Anteil mit 36 Prozent im Fahrzeugbau, zitierte die "Wirtschaftswoche" am Freitag aus einer Sonderauswertung der aktuellen DIHK-Konjunkturumfrage. Demnach sehen fast ein Drittel der befragten Industrieunternehmen Chancen für das eigene Geschäftsmodell in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.

Textgröße ändern: