Deutsche Tageszeitung - Bafin will Bankkunden im Streit um unzulässige Zinssenkungen stärken

Bafin will Bankkunden im Streit um unzulässige Zinssenkungen stärken


Bafin will Bankkunden im Streit um unzulässige Zinssenkungen stärken
Bafin will Bankkunden im Streit um unzulässige Zinssenkungen stärken / Foto: ©

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) geht gegen Banken vor, die unzulässige Zinsanpassungsklauseln verwenden. Nach einer am Freitag veröffentlichten Allgemeinverfügung müssen Banken künftig ihre Kunden nicht nur über unwirksame Klauseln in Prämiensparverträgen informieren, sondern ihnen auch ein Angebot zur Neuberechnung der Zinsen machen. Zu der Verfügung kann bis zum 26. Februar Stellung genommen werden.

Textgröße ändern:

"Wir wollen erreichen, dass alle betroffenen Sparer informiert werden und ein Lösungsangebot erhalten", erklärte die Behörde. Prämiensparverträge sind langfristige und variabel verzinste Banksparverträge. Nach Angaben der Finanzaufseher enthalten viele ältere Verträge - besonders von Sparkassen - allerdings Klauseln zur einseitigen Absenkung der Verzinsung, die der Bundesgerichtshof (BGH) bereits 2004 für unwirksam erklärt hatte. Es geht um Verträge, die Banken zwischen 1990 und 2010 anboten.

Im Dezember vergangenen Jahres hatte die Bafin zunächst Verbraucher aufgerufen, ihre Verträge genau auf solche illegalen Zinsklauseln zu prüfen. Zuvor hatte ein Runder Tisch mit Verbänden der Kreditwirtschaft und Verbraucherschützern "keine kundengerechten Lösungen gebracht".

Nun fordert die Bafin, dass die Banken ihren Kunden mitteilen müssen, welche Zinsanpassungsklausel in ihrem Fall verwendet wurde und ob das mit geringeren Zinsen verbunden war. Zudem müssten sie den Sparern ein Angebot machen, um die entstandene Vertragslücke zu schließen - entweder über eine Nachberechnung oder einen Änderungsvertrag mit einer wirksamen Zinsanpassungsklausel.

Zu dem Thema laufen auch mehrere Musterfeststellungsklagen. Erst in der vergangenen Woche ging der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) wegen der Kündigung zahlreicher Prämiensparverträge gegen die Stadtsparkasse München vor. Die Bank wies die Vorwürfe zurück, diese Kündigungen seien unrechtmäßig erfolgt.

In einer Reaktion auf die nun veröffentlichte Allgemeinverfügung der Bafin verteidigte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) die Prämiensparverträge am Freitag als "hoch attraktiv". Die gezahlten Zinsen und Prämien überstiegen "bei weitem die damals und heute am Markt erzielbaren Verzinsungen der meisten anderen Anlageformen". Das BGH-Urteil von 2004 sei zudem in den betroffenen und späteren Prämiensparverträgen angemessen umgesetzt worden.

Der vzbv hingegen sprach von einer "guten Nachricht" für Verbraucher und ein "deutliches Signal" an die Banken. Für viele betroffene Sparer könnten sich Nachzahlungen von "einigen tausend Euro" ergeben.

(O.Tatarinov--DTZ)

Empfohlen

Zwei Nächte in Folge keine US-Angriffe im Iran: Teheran stoppt seine Attacken

Im Krieg mit dem Iran hat das US-Militär zwei Nächte in Folge keine Ziele mehr in dem Land angegriffen. Die iranische Armee kündigte daraufhin am Sonntag an, ihre Attacken in der Region ebenfalls einzustellen. Die für den weltweiten Öl- und Flüssiggastransport wichtige Straße von Hormus ist dagegen weiter umkämpft. Auseinandersetzungen gab es auch zwischen der jemenitischen Huthi-Miliz und Saudi-Arabien.

Waldsiedlung Zehlendorf in Berlin in Unesco-Welterbeliste aufgenommen

Die Waldsiedlung Zehlendorf im Südwesten Berlins ist in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen worden. Das beschloss das Welterbekomitee der Organisation bei seiner aktuellen Sitzung im südkoreanischen Busan, wie die deutsche Unesco-Kommission am Sonntag in Bonn mitteilte. Die Aufnahme in die globale Liste der Kultur- und Naturerbes erfolgte demnach als Teil der so genannten Siedlungen der Berliner Moderne. Diese gehören schon seit 2008 als Beispiele für modernen Wohnungsbau zu der Welterbeliste.

Motto "Haltung ist hot": Hunderttausende ziehen bei CSD-Kundgebung durch Berlin

Hunderttausende Menschen haben am Samstag in Berlin an der diesjährigen Großkundgebung zum Christopher Street Day (CSD) teilgenommen. Unter dem Motto "Haltung ist hot" zogen die Teilnehmenden bei hochsommerlichem Wetter durch das Zentrum der Bundeshauptstadt. Eine Polizeisprecherin berichtete am Nachmittag von einem friedlichen Verlauf. Später erklärte die Polizei allerdings, Teilnehmende und zwei Einsatzkräfte seien aus einer Wohnung heraus mit einer Softairwaffe beschossen worden.

Tödlicher Unfall: Kleinflugzeug stürzt auf Wohnhaus in Niedersachsen

Der Flug eines Kleinflugzeugs in Niedersachsen hat am Samstag ein tödliches Ende genommen: Die Maschine stürzte am Vormittag auf das Dach eines Wohnhauses in der Ortschaft Ganderkesee im Landkreis Oldenburg, wie die Polizei bekannt gab. Eine erste Erkundung habe ergeben, dass ein Mensch gestorben und ein weiterer vermisst sei. Das Kleinflugzeug habe "aus bislang ungeklärter Ursache" an Höhe verloren und sei auf die Wohnsiedlung gestürzt.

Textgröße ändern: