Deutsche Tageszeitung - Debatte über Verkauf von Staatsbeteiligungen zu Corona-Finanzierungen

Debatte über Verkauf von Staatsbeteiligungen zu Corona-Finanzierungen


Debatte über Verkauf von Staatsbeteiligungen zu Corona-Finanzierungen
Debatte über Verkauf von Staatsbeteiligungen zu Corona-Finanzierungen / Foto: ©

Der von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ins Spiel gebrachte Verkauf staatlicher Unternehmensanteile in der Corona-Krise hat gemischte Reaktionen hervorgerufen. Altmaier warte "mit dem ältesten Hut der Konservativen auf", sagte SPD-Chef Norbert Walter-Borjans am Montag den Zeitungen der Funke Mediengruppe und kritisierte die Union für ihre "Privatisierungsideologie". Von Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) erhielt Altmaier dagegen Zustimmung für seinen Plan.

Textgröße ändern:

Der Wirtschaftsminister hatte am Wochenende vorgeschlagen, den Verkauf von Staatsbeteiligungen zu prüfen, um die hohen Kosten der Corona-Krise zu finanzieren. Der Bund hält Staatsbeteiligungen im Milliardenwert. Verkäufe brächten Geld in die Staatskasse, das gut für Zukunftsinvestitionen genutzt werden könne, sagte Altmaier der "Welt am Sonntag".

"CDU und CSU haben einfach keinen Plan für die Zeit nach Corona, weil ihnen ihre Privatisierungsideologie den Blick für langfristige Investitionspolitik des Staates verstellt", kritisierte Walter-Borjans. "Wenn das Geld knapp zu werden droht, fällt ihnen nichts anderes ein, als Tafelsilber zu verkaufen." Stattdessen müsse der Staat für nachhaltiges Wachstum sorgen und beispielsweise "die Krisengewinnler angemessen an der Finanzierung unseres Gemeinwesens beteiligen", sagte der SPD-Chef.

IfW-Präsident Gabriel Felbermayr hält den Verkauf von Staatsbeteiligungen dagegen grundsätzlich für "eine gute Idee", wie er den Funke-Zeitungen sagte. Viele Beteiligungen könne der Bund "problemlos sehr schnell verkaufen", so zum Beispiel die an der Deutschen Telekom, an der Deutschen Post oder an 50Hertz.

"Für andere Beteiligungen sollte man einen ambitionierten Ausstiegsplan festlegen", sagte Felbermayr und verwies neben Staatsbeteiligungen an der Commerzbank sowie "diversen" Flughäfen auch auf die Lufthansa und TUI, bei denen der Bund in der Corona-Krise eingestiegen war. Die Bundesregierung sei in den vergangenen Jahren "oft ohne wirkliche Not" zunehmend als Gesellschafter bei Unternehmen eingestiegen, kritisierte der IfW-Präsident - "gerade in der Amtszeit von Peter Altmaier".

(L.Møller--DTZ)

Empfohlen

"Wunderschöner Anblick": Artemis-Crew hat Hälfte der Strecke zum Mond zurückgelegt

Die Astronauten der Artemis-2-Mission haben mehr als die halbe Strecke zum Mond zurückgelegt und einen fantastischen Blick auf den Erdtrabanten wie auch die Erde. "Wir können den Mond gerade aus der Luke sehen, es ist ein wunderschöner Anblick", sagte die US-Astronautin Christina Koch am Samstagmorgen (MESZ) während einer Live-Übertragung der Nasa. Die US-Raumfahrtbehörde veröffentlichte derweil faszinierende Aufnahmen von der Erde, die von der Orion-Raumkapsel aus aufgenommen wurden.

Deutschland und weitere Länder fordern EU zu Prüfung von Übergewinnsteuer auf

Deutschland und vier andere europäische Staaten haben die EU aufgefordert, Maßnahmen für eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne zu prüfen. Eine solche sei bereits 2022 als Notfallreaktion auf hohe Energiepreise genutzt worden, heißt es in einem Brief an EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra, welcher der Nachrichtenagentur AFP am Samstag vorlag. "Angesichts der derzeitigen Marktverzerrungen und finanzpolitischen Zwänge" sollte die Europäische Kommission nun "zügig" ein ähnliches EU-weites Instrument ausarbeiten.

ADAC: Neue Preisregel für Tankstellen hat Preisniveau nicht reduziert

Der ADAC hat nach knapp drei Tagen ein vorläufiges negatives Fazit zu der von der Bundesregierung eingeführten Preisregel für Tankstellen gezogen. "Aus Sicht des ADAC hat die Umstellung auf das sogenannte Österreich-Modell das hohe Preisniveau nicht reduziert", erklärte der Club am Freitag. "Stattessen hat es die Entwicklung nach oben eher befördert."

DIHK: Jeder sechste Industriebetrieb verdient durch Verteidigungsindustrie

Jeder sechste Industriebetrieb in Deutschland ist nach Angaben der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) bereits in die Wertschöpfungskette der Verteidigungsindustrie eingebunden. Besonders hoch sei der Anteil mit 36 Prozent im Fahrzeugbau, zitierte die "Wirtschaftswoche" am Freitag aus einer Sonderauswertung der aktuellen DIHK-Konjunkturumfrage. Demnach sehen fast ein Drittel der befragten Industrieunternehmen Chancen für das eigene Geschäftsmodell in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.

Textgröße ändern: