Deutsche Tageszeitung - Bauernverband: Bei EU-Agrarreform Umwelt und Wettbewerbsfähigkeit verbinden

Bauernverband: Bei EU-Agrarreform Umwelt und Wettbewerbsfähigkeit verbinden


Bauernverband: Bei EU-Agrarreform Umwelt und Wettbewerbsfähigkeit verbinden
Bauernverband: Bei EU-Agrarreform Umwelt und Wettbewerbsfähigkeit verbinden / Foto: ©

In der Debatte über die künftige Verteilung der EU-Agrargelder hat sich der Deutsche Bauernverband (DBV) dafür ausgesprochen, zusätzlich zu Umweltaspekten auch die "Wettbewerbsfähigkeit" der deutschen Landwirte im Blick zu behalten. Neben Umwelt- und Klimaschutz müsse auch die "Einkommenswirkung" für die Betriebe durch die Förderung erhalten bleiben, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied am Montag. Für die künftige Ausgestaltung der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) legte der Bauernverband einen eigenen Vorschlag vor.

Textgröße ändern:

"Wir wollen eine weitere Umweltorientierung der EU-Agrarförderung mit der notwendigen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirte im EU-Binnenmarkt verbinden", betonte Rukwied. Konkret sieht der Vorschlag des DBV unter anderem vor, dass 22 bis 24 Prozent der Direktzahlungen aus der sogenannten ersten Säule an Umweltvorgaben - sogenannte Eco-Schemes - geknüpft werden. Das ist mehr als die "mindestens 20 Prozent", auf die sich die EU-Landwirtschaftsminister im Oktober in ihrem Kompromiss verständigt hatten. Das EU-Parlament und Umweltverbände dringen hier allerdings auf einen Mindestanteil von 30 Prozent.

Zugleich soll es laut DBV keine Kappung bei den Direktzahlungen in der ersten Säule geben, bei denen Bauern Geld je Fläche aus Brüssel erhalten - sondern stattdessen einen "maßvollen Zuschlag für die ersten Hektare" bis zur durchschnittlichen Betriebsgröße, die laut Bauernpräsident Rukwied bei 63 Hektar je Betrieb liegt. Mit dem Vorschlag des Bauernverbandes werde "ein erheblicher zusätzlicher Spielraum für freiwillige Umweltleistungen der Landwirte" gegeben, erklärte der Bauernverband.

Grundsätzlich soll die geplante EU-Reform die gemeinsame Agrarpolitik grüner, einfacher und gerechter machen und dafür die Hilfen für Landwirte künftig stärker an Umweltauflagen koppeln. Derzeit ringen Mitgliedsländer, Parlament und Kommission noch um eine Schlussfassung der Reform. Auf deutscher Seite hatte Anfang März das Bundeslandwirtschaftsministerium von Julia Klöckner (CDU) einen Entwurf für die nationale Umsetzung vorgelegt; am Mittwoch beraten erneut die Agrarministerinnen und Agrarminister der Länder in einer Sonder-Agrarministerkonferenz über die Umsetzung in Deutschland.

Nach Angaben des Bauernverbandes drängt dabei die Zeit: Die Landwirte bräuchten schnell Klarheit über die neuen Förderbedingungen ab 2023. Bund und Länder müssten dazu noch vor der Bundestagswahl die politischen Entscheidungen treffen. Denn die erforderlichen nationalen Regelungen müssten spätestens Ende Dezember 2021 der EU-Kommission zur Genehmigung vorgelegt werden. Für die europäische Ebene geht Rukwied davon aus, dass bis Ende Juni eine Einigung gefunden werden kann.

(M.Dorokhin--DTZ)

Empfohlen

Wohnungsnot in Portugal: Protestcamp in Lissabon errichtet

In der portugiesischen Hauptstadt Lissabon ist - wie bereits in der spanischen Hauptstadt Madrid - ein Protestcamp gegen die Wohnungskrise errichtet worden. Nach einer Demonstration versammelten sich am Samstagabend hunderte Protestierer auf dem Rossio-Platz in Herzen von Lissabon und bauten dutzende Zelte auf, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

Hunderttausende Teilnehmer und heftige Zusammenstöße bei Protesttag in Frankreich

Hunderttausende Teilnehmer, Gebäude in Flammen, Tränengasschwaden und dutzende Festnahmen: Am landesweiten Protesttag gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem ist es zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Nach Angaben der Organisatoren gingen am Samstag rund 800.000 Menschen im ganzen Land auf die Straße. Von Marseille bis Lille kam es dabei zu Ausschreitungen, mehr als 272 Menschen wurden festgenommen. In Saint-Etienne verlor erneut ein Demonstrant durch eine Polizeigranate seine Hand.

Protesttag in Frankreich: Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizei

Bei einer Großdemonstration in Paris im Rahmen eines landesweiten Protesttags gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem ist es am Samstagmittag zu heftigen Zusammenstößen zwischen der Polizei und den Protestierenden gekommen. Am Platz der Republik setzten die Beamten mehrfach Tränengas ein, während die Demonstranten Feuerwerkskörper zündeten, wie eine Reporterin der Nachrichtenagentur AFP beobachtete.

Fast zwei Billionen: US-Neuverschuldung steigt unter Trump auf Fünf-Jahres-Hoch

Die Neuverschuldung der USA ist trotz der von Präsident Donald Trump angekündigten Ausgabenkürzungen auf den höchsten Stand seit 2021 gestiegen. Im Haushaltsjahr 2026, das Ende September endete, betrug das Defizit 1,99 Billionen Dollar und damit zwölf Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Finanzministerium am Freitag in Washington mitteilte.

Textgröße ändern: