Deutsche Tageszeitung - Finanzmärkte reagieren turbulent auf Entlassung des türkischen Zentralbankchefs

Finanzmärkte reagieren turbulent auf Entlassung des türkischen Zentralbankchefs


Finanzmärkte reagieren turbulent auf Entlassung des türkischen Zentralbankchefs
Finanzmärkte reagieren turbulent auf Entlassung des türkischen Zentralbankchefs / Foto: ©

In der Türkei haben die Finanzmärkte am Montag geschockt auf die überraschende Entlassung des Zentralbankchefs reagiert: Die Lira stürzte um fast 15 Prozent gegenüber dem Dollar ab, die Kurse an der Börse in Istanbul brachen so stark ein, dass der Handel automatisch zwei Mal ausgesetzt wurde. Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte Zentralbankchef Naci Agbal, einen in der Finanzwelt geachteten früheren Finanzminister, am Freitagabend per Dekret entlassen.

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Der Kurs der türkischen Währung fiel am Montagmorgen stark: Für einen Dollar waren kurzzeitig 8,47 Lira nötig - Ende vergangener Woche lag der Kurs bei 7,22 Lira. Nach dem ersten Absturz kletterte der Kurs gegen Mittag wieder auf 7,90 Lira. Finanzminister Lütfi Elvan versicherte, die Türkei wolle den Devisenhandel nicht aussetzen. "Wir halten an unserer Wirtschaftspolitik fest, bis wir eine dauerhafte Senkung der Inflation erreicht haben", erklärte er.

An der Börse in Istanbul stürzte der Leitindex bei Öffnung um 6,65 Prozent ab. Daher wurde der Handel gemäß der Vorschriften bei solch starken Kursbewegungen ausgesetzt, im Laufe des Vormittags dann erneut.

Präsident Erdogan hatte am Freitag keinen Grund für die Entlassung von Zentralbankchef Agbal nach nur fünf Monaten im Amt genannt. Der Schritt folgte allerdings nur kurz nach einer erneuten Anhebung des Leitzinses. Erdogan hält hohe Zinsen für "Vater und Mutter aller Übel", seiner Ansicht nach - und entgegen herrschender Meinung in den Wirtschaftswissenschaften - begünstigen sie die Inflation.

Agbal wurde ersetzt durch den Wissenschaftler Sahap Kavcioglu, Mitglied von Erdogans Partei. Er hatte am Sonntag versichert, er wolle die "notwendigen Maßnahmen" im Kampf gegen die Inflation ergreifen.

Die starke Reaktion der Märkte zeigt das vor allem bei Investoren große Vertrauen in die Arbeit des entlassenen Agbals. Die türkische Wirtschaft war zwar angesichts der bis dato niedrigen Leitzinsen trotz der Belastungen durch die Corona-Krise 2020 um 1,8 Prozent gewachsen. Zugleich kletterte jedoch die jährliche Inflation bis Februar auf 15,6 Prozent und die türkische Lira verlor seit Anfang 2020 bis zu Agbals Amtsantritt im November ein Drittel ihres Werts zum Dollar.

Agbal nutzte seine Zeit zur kontinuierlichen Anhebung des Leitzinses und versprach, ihn so lange wie nötig auf einem hohen Niveau zu belassen. Nach Überzeugung von Experten kühlt sich durch eine Erhöhung der Zinsen die Wirtschaft ab und Verbraucher sparen dann eher, als Konsumgüter zu erwerben. Firmen investieren seltener und die Ladenpreise sinken tendenziell. Als Resultat sinkt auch die Inflationsrate.

Die Anhebung des Leitzinses auf 19 Prozent in der vergangenen Woche scheint für Erdogan nun zu viel gewesen zu sein. Agbals Nachfolger sei nun "enger mit Erdogans unkonventionellen Wirtschaftsideen verknüpft", erklärte etwa das britische Analyseunternehmen Moneycorp. Erdogan wechselte den Zentralbankchef zum dritten Mal binnen zwei Jahren aus.

(M.Dorokhin--DTZ)

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