Deutsche Tageszeitung - Containerschiff "Ever Given" teilweise aus Blockade befreit

Containerschiff "Ever Given" teilweise aus Blockade befreit


Containerschiff "Ever Given" teilweise aus Blockade befreit
Containerschiff "Ever Given" teilweise aus Blockade befreit / Foto: ©

Das vor knapp einer Woche im Suez-Kanal havarierte Containerschiff "Ever Given" bewegt sich wieder. Das Heck des Frachters wurde am Montagmorgen freigelegt. Da der Bug aber nach wie vor auf Grund liegt, dämpfte das mit den Rettungsarbeiten beauftragte Unternehmen die Hoffnung auf ein schnelles Ende der Blockade der wichtigen maritimen Handelsroute. Nach ägyptischen Angaben könnte es nach einer erfolgreichen Bergung noch mehrere Tage bis zu einer Normalisierung des Schiffsverkehrs im Suez-Kanal dauern.

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Der schwierigste Teil der Rettungsaktion stehe noch bevor, sagte der Chef des Bergungsunternehmens Boskalis, Peter Berdowski, im niederländischen Radio. Boskalis ist der Mutterkonzern der niederländischen Spezialfirma Smit Salvage, die mit der Bergung der "Ever Given" beauftragt wurde.

"Die gute Nachricht ist, dass das Heck freigelegt wurde, aber das war unserer Ansicht nach der einfache Teil", sagte Berdowski. Der Bug des Schiffes sei noch "vollständig blockiert". Die eigentliche Herausforderung stehe somit noch bevor.

Das Schiff wieder vollständig in Bewegung zu setzen sei angesichts des enormen Gewichts des Frachters "kein Kinderspiel", betonte der Boskalis-Chef. Es sei noch zu früh, um Entwarnung zu geben. Mehrere Schlepper waren am Montag weiter im Einsatz. Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi hatte zuvor die erfolgreichen Bergungsarbeiten gelobt und die Krise im Suez-Kanal bereits für beendet erklärt.

Die "Ever Given" war am vergangenen Dienstag während eines Sandsturms auf Grund gelaufen. Das 400 Meter lange und mehr als 220.000 Tonnen schwere Schiff steckte danach quer in dem engen Kanal fest und blockierte seitdem den Wasserweg zwischen Rotem Meer und Mittelmeer. Davor und dahinter stauten sich mehr als 400 Schiffe.

Die ägyptische Kanalbehörde (SCA) teilte am Montagmorgen mit, dass die "Ever Given" in die "richtige Richtung" gelenkt worden sei. Das Heck des Frachters habe sich inzwischen um 102 Meter vom Ufer entfernt, erklärte SCA-Chef Osama Rabie. Das Containerschiff sei zu "80 Prozent in die richtige Richtung" gewendet worden.

Nach Angaben eines weiteren Vertreters der Kanalbehörde wurden außerdem technische Prüfungen an dem Schiff vorgenommen. Der Motor sei nicht beschädigt worden. Die Kanalbehörde hatte menschliche Fehler oder einen technischen Defekt als Ursache der Havarie nicht ausgeschlossen.

Nach der vollständigen Bergung des Schiffs werde der Kanal sofort "24 Stunden am Tag funktionieren", sagte SCA-Chef Rabie. Gleichwohl werde es noch "rund dreieinhalb Tage" dauern, bis sich der Schiffs-Stau am Kanal auflöse.

Nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) verschärft die Blockade des Suez-Kanals die Folgen der Corona-Krise erheblich. Zur Pandemie komme nun die Havarie als "zusätzliche Belastung" für den maritimen Handel hinzu, erklärte das Institut. Das treibe tendenziell die Preise für den Seehandel nach oben, "was sich früher oder später auch in den Produktpreisen niederschlagen dürfte".

Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums erklärte in Berlin, das Ministerium beobachte die Lage. Aktuell seien ihr keine nachteiligen Auswirkungen der Blockade auf Lieferketten bekannt.

(Y.Ignatiev--DTZ)

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