Deutsche Tageszeitung - Schulze rechnet mit Kohleausstieg bis 2030

Schulze rechnet mit Kohleausstieg bis 2030


Schulze rechnet mit Kohleausstieg bis 2030
Schulze rechnet mit Kohleausstieg bis 2030 / Foto: ©

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) geht davon aus, dass der Kohleausstieg in Deutschland auf einen Zeitpunkt bis voraussichtlich spätestens 2030 vorgezogen wird. "Der Kohleausstieg wird schneller kommen als bisher vorgesehen", sagte Schulze am Dienstag in Berlin auf der "Tagesspiegel"-Konferenz debate.energy. Zur Begründung verwies sie vor allem auf die erwartete Verschärfung des EU-Klimaziels für 2030 auf mindestens minus 55 statt minus 40 Prozent Emissionen im Vergleich zu 1990.

Textgröße ändern:

Die Entscheidung auf EU-Ebene, über deren konkrete Umsetzung und Ausgestaltung noch beraten wird, wertete Schulze als "einen wichtigen Erfolg der deutschen EU-Ratspräsidentschaft Ende vergangenen Jahres. Sie gehe davon aus, dass deswegen nun auch der europäische Emissionshandel (ETS) entsprechend angepasst werde. "Das wird dazu führen, dass aufgrund absehbar weiter steigender Zertifikate-Preise Kohlestrom aus dem Markt gedrängt wird", sagte die Umweltministerin weiter.

Sie rief dazu auf, deswegen auch Strukturhilfen für Kohleregionen in Deutschland "konsequent und effizient umzusetzen". Dies sei wichtig, um "vor Ort neue gute Arbeitsplätze" zu schaffen, "bevor alte wegfallen", sagte Schulze. Bislang ist der Kohleausstieg bis spätestens 2038 vorgesehen.

Vor allem aber müsse man jetzt "den Ausbau erneuerbarer Energien sehr viel konsequenter als bisher vorantreiben", betonte die Ministerin. Die bisherigen Ausbauziele reichten hier nicht aus. Konkret forderte Schulze, das Ausbauziel für Photovoltaik bis 2030 von bisher 100 Gigawatt auf 150 Gigawatt anzuheben. Bei Windkraft an Land müsse es bis dahin statt 71 Gigawatt 95 Gigawatt installierte Leistung geben.

Dies bedeute, die Anstrengungen für mehr Ökostrom zu verdoppeln, zumal durch E-Mobilität und Wärmepumpen auch der Stromverbrauch ansteigen dürfte. Nachdrücklich mahnte Schulze deswegen eine Einigung in der Koalition über neue Ausbauziele im Erneuerbare-Energien-Gesetz an. Dies sei "nicht nur eine ökologische, sondern auch eine ökonomische Notwendigkeit".

Ein Nachsteuern beim EU-Emissionshandel wegen der schärferen Klimaziele mahnte der Umweltverband WWF an. "Der Emissionshandel ist das Zugpferd europäischen Klimaschutzes in den Sektoren Strom, Industrie und Flugverkehr", betonte WWF-Klimaexpertin Viviane Raddatz bei der Vorstellung einer Studie für eine Reform des ETS-Systems. Dafür müsse das Angebot an Zertifikaten verknappt und eine lineare Reduktion festgelegt werden.

Raddatz wies darauf hin, dass das ETS-System wegen Überangeboten an Zertifikaten in der Vergangenheit häufig nicht effizient gewesen sei. Zuletzt war der Zertifikatepreis allerdings stark angestiegen. Als Zielgröße für den ETS-Bereich, zu dem vor allem die Bereiche Energie und Industrie gehören, nannte Raddatz bis 2030 eine Verringerung der CO2-Emissionen um 65 bis 70 Prozent. Dafür solle ein jährlicher Reduktionsfaktor von 3,57 Prozent und eine Verringerung des Angebots für 2023 auf 350 Millionen Zertifikate festgelegt werden.

(P.Vasilyevsky--DTZ)

Empfohlen

Hunderttausende Teilnehmer und heftige Zusammenstöße bei Protesttag in Frankreich

Hunderttausende Teilnehmer, Gebäude in Flammen, Tränengasschwaden und dutzende Festnahmen: Am landesweiten Protesttag gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem ist es zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Nach Angaben der Organisatoren gingen am Samstag rund 800.000 Menschen im ganzen Land auf die Straße. Von Marseille bis Lille kam es dabei zu Ausschreitungen, mehr als 272 Menschen wurden festgenommen. In Saint-Etienne verlor erneut ein Demonstrant durch eine Polizeigranate seine Hand.

Protesttag in Frankreich: Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizei

Bei einer Großdemonstration in Paris im Rahmen eines landesweiten Protesttags gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem ist es am Samstagmittag zu heftigen Zusammenstößen zwischen der Polizei und den Protestierenden gekommen. Am Platz der Republik setzten die Beamten mehrfach Tränengas ein, während die Demonstranten Feuerwerkskörper zündeten, wie eine Reporterin der Nachrichtenagentur AFP beobachtete.

Fast zwei Billionen: US-Neuverschuldung steigt unter Trump auf Fünf-Jahres-Hoch

Die Neuverschuldung der USA ist trotz der von Präsident Donald Trump angekündigten Ausgabenkürzungen auf den höchsten Stand seit 2021 gestiegen. Im Haushaltsjahr 2026, das Ende September endete, betrug das Defizit 1,99 Billionen Dollar und damit zwölf Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Finanzministerium am Freitag in Washington mitteilte.

Selenskyj setzt nach Streit mit Trump verstärkt auf die Europäer

Wenn es mit den USA knirscht, kann die Ukraine immer noch auf Europa zählen: Das versicherten sich EU-Staats- und Regierungschefs und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am zweiten Tag des EU-Gipfels gegenseitig. "Unterstützung und nur Unterstützung" habe er von seinen EU-Kollegen erhalten, sagte Selenskyj am Freitag vor Journalisten in Brüssel. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) äußerte unterdessen Verständnis dafür, dass die Ukraine ihre Angriffe auf Russland fortsetzt.

Textgröße ändern: