Deutsche Tageszeitung - SPD: Bericht zu EY im Fall Wirecard ist "schallende Ohrfeige" für Wirtschaftsprüfer

SPD: Bericht zu EY im Fall Wirecard ist "schallende Ohrfeige" für Wirtschaftsprüfer


SPD: Bericht zu EY im Fall Wirecard ist "schallende Ohrfeige" für Wirtschaftsprüfer
SPD: Bericht zu EY im Fall Wirecard ist "schallende Ohrfeige" für Wirtschaftsprüfer / Foto: ©

Im Untersuchungsausschuss zum Wirecard-Finanzskandal sind am Dienstag die Wirtschaftsprüfer von EY in den Fokus gerückt. Der Sonderbericht zu den EY-Unterlagen sei eine "schallende Ohrfeige für die Wirtschaftsprüfer", sagte der SPD-Abgeordnete Jens Zimmermann. EY hatte dem inzwischen insolventen Wirecard-Konzern jahrelang eine korrekte Bilanz bescheinigt. Als Zeuge im Ausschuss war am Nachmittag auch Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) geladen - die Aufsichtsstelle für Wirtschaftsprüfer (Apas) fällt in den Zuständigkeitsbereich seines Ministeriums.

Textgröße ändern:

EY habe bei Wirecard "über viele Jahre nicht ordnungsgemäß geprüft", erklärte Zimmermann zu dem Bericht des vom Untersuchungsausschuss eingesetzten Sonderermittlers Martin Wambach, über den am Dienstag beraten wurde. Nicht nur hätten die Abschlussprüfungen von EY "erhebliche Mängel" gehabt, auch sei eine "grundsätzlich fehlende kritische Grundhaltung" der Prüfer gegenüber Wirecard zu beanstanden.

Der Finanzdienstleister Wirecard hatte Ende Juni 2020 Insolvenz angemeldet. Der einstige Dax-Konzern soll jahrelang seine Bilanzen gefälscht haben, insbesondere waren Bankguthaben über 1,9 Milliarden Euro auf Treuhandkonten in Asien unauffindbar. Der auf Antrag der Oppositionsfraktionen der Linken, Grünen und FDP eingesetzte Ausschuss arbeitet seit Oktober die Vorkommnisse rund um die Insolvenz auf nimmt insbesondere das Vorgehen der Bundesregierung und der ihr unterstehenden Behörden unter die Lupe.

Hauptaufgabe sei es nun, die politische Verantwortung zu klären, erklärte Zimmermann. Daher werde auch Altmaier befragt, der "trotz seiner politischen Verantwortung für die Fehler bei der Wirtschaftsprüfung strengere Regelungen blockiert hat". Seine Parteikollegin Cansel Kiziltepe fügte hinzu, der Minister sei "als großer Bremser aufgetreten" und habe Reformen bei der Apas "blockiert". "Wir wollen eine unbeschränkte Haftung für die Wirtschaftsprüferinnen und Wirtschaftsprüfer", sagte sie.

Der FDP-Finanzexperte Florian Toncar, wie Zimmermann und Kiziltepe Mitglied im Untersuchungsausschuss, sagte zu Altmaiers Rolle, es seien "sehr frühzeitig Warnungen" in dessen Ministerium eingegangen, dass bei der Apas "das ein oder andere schiefläuft". Altmaier habe also gewusst, dass die Behörde "nicht perfekt arbeitet". Die Befragung der politischen Vertreter in dieser Woche bezeichnete Toncar als "Herzstück" des Untersuchungsausschusses.

Am Mittwoch sind Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) und Finanzstaatssekretär Jörg Kukies im Untersuchungsausschuss geladen. Am Donnerstag muss dann Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) Rede und Antwort stehen - und am Freitag befragen die Ausschussmitglieder schließlich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als Zeugin.

Der Linken-Politiker Fabio De Masi sagte zu den anstehenden Befragungen, Merkel müsse beantworten, weshalb sie sich trotz der damals schon bekannten Unregelmäßigkeiten bei einer China-Reise für Wirecard eingesetzt habe. Toncar sagte dazu, womöglich habe Merkel "sicherlich unfreiwillig, aber im Ergebnis auch dazu beigetragen", dass mit neuen Erfolgsmeldungen zu Wirecard der Markt habe beruhigt werden können.

Im Zuge des Skandals war auch die Finanzaufsicht Bafin in die Kritik geraten, die dem Finanzministerium von Scholz untersteht. Weitere Facetten im Wirecard-Skandal sind die Ermittlungen gegen Ex-Wirecard-Chef Markus Braun, dem die Staatsanwaltschaft "gewerbsmäßigen Bandenbetrug" vorwirft. Auch die mutmaßlichen Geheimdienstverstrickungen des untergetauchten früheren Wirecard-Managers Jan Marsalek spielen eine Rolle bei der Aufarbeitung des Skandals.

(P.Vasilyevsky--DTZ)

Empfohlen

Hunderttausende Teilnehmer und heftige Zusammenstöße bei Protesttag in Frankreich

Hunderttausende Teilnehmer, Gebäude in Flammen, Tränengasschwaden und dutzende Festnahmen: Am landesweiten Protesttag gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem ist es zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Nach Angaben der Organisatoren gingen am Samstag rund 800.000 Menschen im ganzen Land auf die Straße. Von Marseille bis Lille kam es dabei zu Ausschreitungen, mehr als 272 Menschen wurden festgenommen. In Saint-Etienne verlor erneut ein Demonstrant durch eine Polizeigranate seine Hand.

Protesttag in Frankreich: Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizei

Bei einer Großdemonstration in Paris im Rahmen eines landesweiten Protesttags gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem ist es am Samstagmittag zu heftigen Zusammenstößen zwischen der Polizei und den Protestierenden gekommen. Am Platz der Republik setzten die Beamten mehrfach Tränengas ein, während die Demonstranten Feuerwerkskörper zündeten, wie eine Reporterin der Nachrichtenagentur AFP beobachtete.

Fast zwei Billionen: US-Neuverschuldung steigt unter Trump auf Fünf-Jahres-Hoch

Die Neuverschuldung der USA ist trotz der von Präsident Donald Trump angekündigten Ausgabenkürzungen auf den höchsten Stand seit 2021 gestiegen. Im Haushaltsjahr 2026, das Ende September endete, betrug das Defizit 1,99 Billionen Dollar und damit zwölf Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Finanzministerium am Freitag in Washington mitteilte.

Selenskyj setzt nach Streit mit Trump verstärkt auf die Europäer

Wenn es mit den USA knirscht, kann die Ukraine immer noch auf Europa zählen: Das versicherten sich EU-Staats- und Regierungschefs und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am zweiten Tag des EU-Gipfels gegenseitig. "Unterstützung und nur Unterstützung" habe er von seinen EU-Kollegen erhalten, sagte Selenskyj am Freitag vor Journalisten in Brüssel. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) äußerte unterdessen Verständnis dafür, dass die Ukraine ihre Angriffe auf Russland fortsetzt.

Textgröße ändern: