Deutsche Tageszeitung - DGB-Chef warnt zum Tag der Arbeit vor "digitalem Proletariat"

DGB-Chef warnt zum Tag der Arbeit vor "digitalem Proletariat"


DGB-Chef warnt zum Tag der Arbeit vor "digitalem Proletariat"
DGB-Chef warnt zum Tag der Arbeit vor "digitalem Proletariat" / Foto: ©

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Reiner Hoffmann, hat anlässlich des Tags der Arbeit am Samstag vor Risiken für Arbeitnehmer durch die Digitalisierung und den florierenden Internethandel gewarnt. Es drohe ein "digitales Proletariat", sagte Hoffmann am Freitag im Deutschlandfunk mit Blick etwa auf zum Teil im Onlinehandel bestehende Arbeitsverhältnisse. Er forderte deshalb sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen, Tarifverträge und ordentliche Arbeitszeiten in diesem Bereich.

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Das in der Corona-Pandemie häufig genutzte Homeoffice bietet nach Ansicht Hoffmanns Chancen etwa bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, birgt aber auch Risiken. Es könne beispielsweise zur Entgrenzung der Arbeit führen, sagte der DGB-Chef. Die Arbeitsbedingungen müssten auch im Homeoffice stimmen. Es müsse klare Spielregeln geben. So dürften Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht "verdonnert" werden, zu Hause zu arbeiten.

Die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock rief dazu auf, die Arbeitsbedingungen von prekär Beschäftigten zu verbessern. "Prekäre Bedingungen sind im Corona-Jahr deutlich zu Tage getreten", sagte Baerbock den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Es habe sich gezeigt, dass die Schlechterstellung von Frauen strukturell verankert sei und die Arbeitsbedingungen bei Lieferdiensten oft eine Zumutung seien. Scheinselbstständige verdienten wenig und seien kaum geschützt.

"Insofern ist der Tag der Arbeit in diesem Jahr noch mal besonders wichtig, weil er das Augenmerk darauf richtet, dass sich gerade in diesen Bereichen grundlegend was ändern muss", forderte die Grünen-Chefin.

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz bezeichnete den 1. Mai als einen "wichtigen Feiertag". Der Tag erinnere an "die Würde der Arbeit", sagte Scholz der Zeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft. Er forderte unter anderem bessere Bezahlungen von Pflegekräften und Verkäuferinnen.

"Wenn wir eine bessere Bezahlung für die Pflegekräfte wollen, dann hat das Konsequenzen für die Pflegeversicherung", sagte Scholz. Wenn die Verkäuferinnen anständig entlohnt würden, werde sich das auf die Preise auswirken. "Das müssen uns der Respekt und die Würde schon wert sein", sagte Scholz.

Den Tag der Arbeit am Samstag stellte der DGB in diesem Jahr unter das Motto "Solidarität ist Zukunft". Neben einzelnen Aktionen vor Ort planen die Gewerkschaften aufgrund der Corona-Pandemie auch in diesem Jahr einen Livestream.

(N.Loginovsky--DTZ)

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