Deutsche Tageszeitung - EZB beschließt nächsten Schritt auf Weg zu digitalem Euro

EZB beschließt nächsten Schritt auf Weg zu digitalem Euro


EZB beschließt nächsten Schritt auf Weg zu digitalem Euro
EZB beschließt nächsten Schritt auf Weg zu digitalem Euro / Foto: ©

Die Einführung eines digitalen Euro ist einen Schritt näher gerückt - bis es tatsächlich so weit seien könnte, dürften aber noch einige Jahre vergehen. Wie die Europäische Zentralbank (EZB) mitteilte, beschloss der EZB-Rat am Mittwoch den offiziellen Start eines Pilotprojekts, mit dem die mögliche Einführung eines digitalen Euro vorbereitet wird.

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"Konkret bedeutet das, dass wir die erforderlichen Ressourcen bereitstellen, um ein marktfähiges Produkt zu entwerfen", erklärte die Zentralbank. "Wir werden jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden, ob ein digitaler Euro eingeführt wird oder nicht", führte die EZB weiter aus. "In jedem Fall würde ein digitaler Euro das Bargeld nur ergänzen und nicht ersetzen", betonten die Währungshüter.

Zugleich hob EZB-Direktoriumsmitglied Fabio Panetta in einem Blogeintrag die Vorteile eines digitalen Euro hervor: "Wir stehen am Beginn der Ära des digitalen Geldes", erklärte er angesichts der immer rasanter voranschreitenden Digitalisierung. Diese dringe "in alle Bereiche unseres Lebens vor"; Einkäufe würden zunehmend digital und online erledigt, die Bedeutung von Bargeld als Zahlungsmittel lasse nach.

Private Lösungen für digitale und Online-Zahlungen böten zwar wichtige Vorteile wie Komfort und Geschwindigkeit - zugleich seien sie aber auch mit Risiken verbunden, was Datenschutz, Sicherheit und Zugänglichkeit betreffe. "Und für manche Nutzer sind sie unter Umständen teuer", fügte Panetta hinzu. Noch immer würden digitale Zahlungen eher von Verbrauchern mit höherem Einkommen vorgenommen.

Für die Verbraucherinnen und Verbraucher würden mit einem digitalen Euro geringere Transaktionskosten anfallen, erklärte die EZB. Zudem würde er für Sicherheit sorgen: "Genau wie Bargeld wäre ein digitaler Euro Zentralbankgeld und daher mit keinerlei Risiken verbunden - es gäbe kein Liquiditätsrisiko, kein Kreditrisiko, kein Marktrisiko". Außerdem würde der digitale Euro demnach "von der Zentralbank ausgegeben, die kein Interesse an der kommerziellen Verwertung von Nutzerdaten hat".

Darüber hinaus verwies die EZB darauf, dass Zentralbankgeld mit Einführung eines digitalen Euro "weiterhin das Herzstück des Zahlungssystems" wäre. Dies würde auch "die Autonomie Europas im Zeitalter des digitalen Geldes untermauern".

Zu Beginn des Projekts soll im Rahmen einer zweijährigen Untersuchung nun das Konzept für einen digitalen Euro entwickelt werden. "Nach Ablauf dieser zwei Jahre möchten wir bereit sein, mit der Entwicklung eines digitalen Euro zu beginnen", erklärte die Zentralbank. Dies könnte demnach rund drei Jahre dauern. Das heißt: Vor 2026 würde ein digitaler Euro wohl nicht kommen.

Der Bundesverband deutscher Banken begrüßte die EZB-Entscheidung, das Projekt nun voranzutreiben. "Europa darf beim digitalen Geld nicht den Anschluss an die USA oder China verlieren", erklärte Hauptgeschäftsführer Andreas Krautscheid. "Unsere Industriekunden brauchen neue digitale Bezahlverfahren, um international wettbewerbsfähig zu bleiben." Nach Angaben des Digitalverbands Bitkom wollen mehr als drei Viertel (78 Prozent) aller Unternehmen ab 50 Beschäftigten, dass die EZB einen digitalen Euro einführt.

Das globalisierungskritische Netzwerk Attac sprach sich dagegen aus, die Verfügung über digitale Euros auf eine bestimmte Summe zu begrenzen, wie es die EZB derzeit in Erwägung zieht. Damit wären Bürgerinnen und Bürger "weiterhin auf das unsichere Bankengeld angewiesen", erklärte Attac. Wie zuletzt aber unter anderem der Fall der Greensill Bank gezeigt habe, gerieten Banken immer wieder so in Schieflage, dass das Geld mit staatlichen Mitteln oder aus Sicherungsfonds ersetzt werden müsse. Letztere kämen "schnell an ihre Grenzen, sobald große oder mehrere Banken ins Straucheln geraten".

(N.Loginovsky--DTZ)

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