Deutsche Tageszeitung - Facebook stoppt Kampagne zur Verbreitung von Corona-Falschinformationen

Facebook stoppt Kampagne zur Verbreitung von Corona-Falschinformationen


Facebook stoppt Kampagne zur Verbreitung von Corona-Falschinformationen
Facebook stoppt Kampagne zur Verbreitung von Corona-Falschinformationen / Foto: ©

Facebook hat eine internationale Kampagne zur Verbreitung von Falschinformationen über Corona-Impfungen gestoppt. Wie das US-Unternehmen am Dienstag erklärte, versuchte eine russische Werbeagentur bekannten Persönlichkeiten auf verschiedenen Online-Plattformen Fake News unterzujubeln. Aufgefallen sei die Kampagne, nachdem Influencer in Deutschland und Frankreich Nachforschungen angestellt und Alarm geschlagen hätten.

Textgröße ändern:

Hinter der Kampagne steckte demnach die russische Firma Fazze. Diese habe eine "Falschinformations-Waschanlage" betrieben, erklärte Facebook. Ziel sei gewesen, dass vertrauenswürdige Personen mit großer Gefolgschaft im Netz Desinformationen teilen.

Dabei hatte es die Kampagne vor allem auf Indien und Lateinamerika, aber auch die USA abgesehen. Es ging darum, Corona-Impfstoffe in Verruf zu bringen, über deren Zulassung gerade debattiert wurde.

Die Hoffnung sei gewesen, dass die Influencer ihre "Hausaufgaben" nicht machen würden, sagte Ben Nimmo, der bei Facebook für das Aufspüren von Falschinformationen zuständig ist. Zwei der angeschriebenen Influencer hätten aber nachgeforscht. "Es ist wirklich eine Warnung", sagte Nimmo und appellierte an die Influencer: "Seid vorsichtig, wenn euch jemand eine Geschichte verkaufen will. Stellt eigene Nachforschungen an".

Facebook hatte laut eigenen Angaben im Juli 65 Konten von der gleichnamigen Online-Plattform und 243 Konten von der auf Bilder spezialisierten Tochter-Plattform Instagram entfernt, die mit der Kampagne in Verbindung standen. Zudem sei Fazze von den Plattformen verbannt worden.

Die Falschinformationskampagne hatte demnach mehrere Stufen: Ende vergangenen Jahres zielte sie vor allem auf den Impfstoff von Astrazeneca. Fake-Konten teilten ein Banner, das behauptete, dass der Impfstoff Menschen in Schimpansen verwandeln würde. Einige Monate später wurde dann auch der Impfstoff von Biontech und Pfizer angegriffen. Außerdem wurde versucht, ein angeblich bei einem Hacking-Angriff auf Astrazeneca geleaktes Dokument zu verbreiten.

Dabei nutzten die Organisatoren nicht nur Facebooks Plattformen, sondern erstellten auch auf Reddit, Medium und Change.org irreführende Artikel sowie Online-Petitionen. Hinweise auf diese Artikel wurden dann von Fazze per E-Mail an die Influencer geschickt, von denen einige wenige Alarm schlugen und so Journalisten auf die Spur der Kampagne brachten.

Medienberichten zufolge ist Fazze ein Tochterunternehmen von AdNow, einer in Großbritannien registrierten Werbefirma. Wer die Firma für die Falschinformationskampagne angeheuert hat, wisse Facebook nicht, sagte der für die Sicherheitsstrategie zuständige Nathaniel Gleicher. Facebook habe seine Erkenntnisse mit den zuständigen Behörden sowie anderen Plattformen geteilt.

Dem Unternehmen zufolge hatte die Kampagne insgesamt wenig Erfolg. Fotos auf Instagram erhielten kaum Zuspruch und Petitionen, die auf Englisch und Hindi erstellt worden waren, bekamen jeweils weniger als 1000 Unterschriften.

Laut Facebook nehmen Kampagnen, bei denen Influencer für die Verbreitung von Falschinformationen benutzt werden sollen, zu. Das Unternehmen streitet gerade mit der US-Regierung darüber, wie Fake News zur Corona-Pandemie eingedämmt werden können. Die Regierung setzt unterdessen selbst auf Influencer, um die Menschen von Corona-Impfungen zu überzeugen.

(W.Uljanov--DTZ)

Empfohlen

Missbrauchsbeauftragte fordert besseren Schutz von Kindern im Netz

Die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, Kerstin Claus, hat einen besseren Schutz Heranwachsender im Internet gefordert. "Die Risiken im digitalen Raum explodieren", sagte Claus bei der Vorstellung ihres ersten Berichts am Dienstag in Berlin. Tagtäglich würden Kinder und Jugendliche im Netz Opfer sexueller Gewalt und Ausbeutung. So habe schon jeder vierte junge Mensch zwischen 14 und 17 Jahren Cyber-Grooming erlebt. Diese gezielte Online-Kontaktaufnahme sei der Auftakt für sexualisierte Übergriffe.

Arbeitgeber fordern mehr Tempo bei Reformen - Merz wirbt für Zuversicht

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger hat die Bundesregierung zu raschen Reformen aufgefordert. Grundvoraussetzung für weiteres Wachstum in Deutschland seien "weniger Bürokratie, flexiblere Arbeit, niedrigere Belastungen und ein Staat, der schneller und digitaler wird", sagte Dulger am Dienstag beim Arbeitgebertag in Berlin, wo er Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) einen 20-Punkte-Plan der Arbeitgeber überreichte. Merz bekräftigte seinen Willen zu den "umfangreichsten Reformen seit Jahrzehnten" - und warb zugleich für mehr Zuversicht.

Beauftragte Ataman: Wechseljahre müssen raus aus der Tabuzone

Die Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman, hat mehr Sensibilität und Beachtung für das Thema Wechseljahre gefordert - und zwar im Gesundheitsbereich, am Arbeitsplatz und in der Forschung. "Das Thema Frauengesundheit wurde lange vernachlässigt. Im Mittelpunkt der medizinischen Forschung stand der Mann", erklärte Ataman am Dienstag. Wie wenig das Wohlbefinden von Frauen medizinisch beachtet werde, sei "gut am Beispiel der Wechseljahre erkennbar".

IWF erwartet mehr Wirtschaftswachstum für Deutschland - Warnung vor Abwärtsrisiken

Der Internationale Währungsfonds (IWF) setzt seine Wirtschaftsprognose für Deutschland und die Weltwirtschaft hoch. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) wächst im laufenden Jahr voraussichtlich um 1,3 Prozent, wie aus dem am Dienstag beim IWF-Jahrestreffen in Bangkok veröffentlichten Weltwirtschaftsausblick hervorging. Das sind 0,6 Prozentpunkte mehr als noch im Juli prognostiziert. Auch seine Erwartung für die globale Wirtschaftsleistung hob der IWF leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent an - warnte aber vor Abwärtsrisiken.

Textgröße ändern: