Deutsche Tageszeitung - Ehrenvorsitzender von Fahrgastverband gegen Eingreifen Merkels in Bahn-Tarifkonflikt

Ehrenvorsitzender von Fahrgastverband gegen Eingreifen Merkels in Bahn-Tarifkonflikt


Ehrenvorsitzender von Fahrgastverband gegen Eingreifen Merkels in Bahn-Tarifkonflikt
Ehrenvorsitzender von Fahrgastverband gegen Eingreifen Merkels in Bahn-Tarifkonflikt / Foto: ©

Die Lokführergewerkschaft GDL und die Deutsche Bahn sollen laut dem Ehrenvorsitzenden des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, ihren Tarifkonflikt ohne die Beteiligung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lösen. Bei einem solchen Eingriff "würde der gesamte DB-Vorstand ja sein Gesicht verlieren", sagte er der "Passauer Neuen Presse" (Mittwoch). Der Kanzlerkandidat der Linken, Dietmar Bartsch, hatte die Kanzlerin am Dienstag aufgefordert, "den Lokführerstreik zu beenden".

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Der Pro Bahn-Ehrenvorsitzende zeigte sich generell kritisch gegenüber einer politischen Einmischung in den Tarifkonflikt. "Wenn die Kanzlerin wirklich etwas tun wollte, könnte sie sich mit den Beteiligten zum Kaffee treffen, damit die Verhandlungen wieder in Gang kommen", sagte Naumann weiter. Ein direkter Eingriff "wäre sicherlich das Falscheste, was man tun kann". Die Tariffreiheit der beiden Parteien sei "ein hohes Gut".

Naumann appellierte jedoch an Bahn und GDL, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Beiden Tarifparteien müsse bewusst sein, "dass sich keiner zu 100 Prozent durchsetzen wird". Eine Verweigerungshaltung sei jedoch nicht vertretbar.

Aus Sicht der Fahrgäste sei die aktuelle Situation ein "Unding", Fahrgäste würden dadurch "in Geiselhaft genommen", sagte Naumann weiter. Die Auseinandersetzung zwischen Bahn und GDL sei "vielschichtig": So gehe es nicht nur um Löhne und Betriebsrenten, "sondern zugleich um einen Wettbewerb unter zwei Gewerkschaften und einen Streit um eine neue Bahnreform".

Einen erneuten Schlichtungsversuch hielt Naumann indes für wenig erfolgversprechend. Nötig sei ein "Moderator, der es schafft, die beiden Seiten auf den Boden der Tatsachen zurückzuführen". Es müsse gelingen, die Kommunikationsblockade zwischen den Tarifparteien aufzulösen, diese sei "wohl das größte Problem", sagte Naumann weiter.

Auch die GDL lehnte einen erneuten Schlichtungsversuch ab. "Die Bahn versucht nur Zeit zu gewinnen und mit Scheinangeboten die Öffentlichkeit und die Medienvertreter zu irritieren", sagte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky der "Augsburger Allgemeinen" (Mittwochsausgabe).

Am Montag hatte die GDL den dritten und bislang längsten Streik im Tarifstreit mit der Bahn angekündigt. Die Arbeitskampfmaßnahmen sollen am Mittwoch um 17.00 Uhr im Güterverkehr und am Donnerstag um 02.00 Uhr morgens im Personenverkehr beginnen. Enden sollen die Streiks am Dienstag kommender Woche um 02.00 Uhr früh.

(N.Loginovsky--DTZ)

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