Deutsche Tageszeitung - Arbeitgeber sollen verstärkt bei Impfkampagne helfen

Arbeitgeber sollen verstärkt bei Impfkampagne helfen


Arbeitgeber sollen verstärkt bei Impfkampagne helfen
Arbeitgeber sollen verstärkt bei Impfkampagne helfen / Foto: ©

Die Arbeitgeber sollen angesichts steigender Corona-Infektionszahlen künftig stärker in die Impfkampagne einbezogen werden. Die Betriebe müssten "ihre Anstrengungen ausweiten, noch ungeimpfte Beschäftigte zu einer Schutzimpfung zu motivieren", erklärte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) zur am Mittwoch vom Bundeskabinett verabschiedeten neuen Corona-Arbeitsschutzverordnung. Ein Auskunftsrecht für Arbeitgeber zum Impfstatus der Beschäftigten gibt es darin nicht - dies bleibt aber in der Diskussion.

Textgröße ändern:

Die Änderungen der Arbeitsschutzverordnung treten am 10. September in Kraft und gelten bis einschließlich 24. November dieses Jahres, wie das Arbeitsministerium erklärte. Neu in der Verordnung ist demnach die Verpflichtung für die Arbeitgeber, ihre Beschäftigten über Risiken einer Erkrankung an Covid-19 zu informieren - ebenso wie über Möglichkeiten einer Impfung. Außerdem müssen die Arbeitgeber die Betriebsärzte "bei betrieblichen Impfangeboten unterstützen sowie Beschäftigte zur Wahrnehmung von Impfangeboten freistellen".

Ansonsten gelten nach Ministeriumsangaben die bestehenden Arbeitsschutzregeln fort. Dazu gehören betriebliche Hygienepläne sowie die Testangebotspflicht.

Zur Abfrage des Corona-Impfstatus erklärte das Ministerium, der Arbeitgeber könne den Impf- oder Genesungsstatus der Beschäftigten bei der Festlegung der erforderlichen Schutzmaßnahmen zwar berücksichtigen - "eine entsprechende Auskunftspflicht der Beschäftigten besteht jedoch nicht".

Heil betonte im ARD-"Morgenmagazin", dass hierbei "rechtsstaatlich" gehandelt werden müsse. Das bedeute, dass der Arbeitgeber kein Recht habe, die Gesundheitsdaten des Arbeitnehmers einzusehen. Denn dies seien "sehr persönliche Daten", es gehe um das Grundrecht der "informationellen Selbstbestimmung", sagte der Minister.

Über eine mögliche Abfrage des Corona-Impfstatus von Beschäftigten war in Politik und Wirtschaft zuletzt ein Streit entbrannt. Während der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) entsprechende Forderungen als "No-go" bezeichnete, hatten Arbeitgebervertreter die Regierung aufgefordert, die Möglichkeit einer solchen Abfrage zu schaffen; Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigte sich dafür offen.

Heil verwies in der ARD darauf, dass er für "pragmatische Lösungen" sei und es durchaus Bereiche mit hohem Ansteckungsrisiko gebe - etwa Justizvollzugsanstalten oder Krankenhäuser. Ansatzpunkt sei hier dann allerdings nicht der Arbeitsschutz, sondern vielmehr das Infektionsschutzgesetz: Über dieses sei es möglich, "eingegrenzt so etwas wie die 3G-Regeln" einzuführen, wie das etwa in Restaurants der Fall sei, sagte Heil. Hier müsse Gesundheitsminister Spahn einen "rechtssicheren Vorschlag" machen, damit es keine Unsicherheiten gebe. 3G bezieht sich auf Geimpfte, Genesene und Getestete.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, die Bundesregierung prüfe in der Frage zu einem Rechtsanspruch auf Auskunft über den Impfstatus, "ob es an dieser Stelle gegebenenfalls Änderungsbedarf gibt". Es gebe "Argumente "dafür und dagegen".

Einer Änderung des Infektionsschutzgesetzes müsste der Bundestag zustimmen. Die Stiftung Patientenschutz mahnte, mit der letzten Bundestagssitzung der aktuellen Legislaturperiode am kommenden Dienstag schließe sich das Zeitfenster für die Einführung einer Auskunftspflicht bei Beschäftigten in besonders sensiblen Bereichen.

"Doch es braucht einen effizienten Schutz für Krankenhauspatienten und Pflegebedürftige", forderte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. Dafür müsse der Impf- und Genesenen-Status von medizinisch-pflegerischen Mitarbeitern abrufbar sein. Eine zeitlich begrenzte Lösung wäre hierbei "vollkommen ausreichend".

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sprach sich am Mittwoch dafür aus, dass es überall dort, wo der Gesundheitsschutz es in den betrieblichen Abläufe erfordere, ein Auskunftsrecht der Arbeitgeber geben solle. Die Gespräche innerhalb der Bundesregierung dazu seien allerdings "sehr schwierig", fügte er hinzu. "Ich gehe davon aus, dass wir bis zum Ende der Woche wissen, was möglich ist."

(W.Uljanov--DTZ)

Empfohlen

Uniper und Equinor schließen Vereinbarung über Gaslieferungen aus Norwegen

Der deutsche Energiekonzern Uniper hat eine langfristige Liefervereinbarung für Erdgas mit dem norwegischen Unternehmen Equinor geschlossen. Wie beide Unternehmen am Montag mitteilten, wird Equinor in den Jahren 2027 bis 2041 jährlich mehr als 30 Terawattstunden Erdgas liefern. Die Vereinbarung leiste einen Beitrag zur Versorgungssicherheit in Deutschland und trage zur weiteren Diversifizierung des Uniper-Portfolios bei, erklärte Uniper am Unternehmenssitz in Düsseldorf nach der Vertragsunterzeichnung im norwegischen Stavanger.

US-Journalistenvisa: Deutsche Medien bitten Merz erneut um diplomatische Hilfe

Mehrere große deutsche Medienunternehmen und Verbände haben Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundesaußenminister Johann Wadephul (beide CDU) erneut aufgefordert, bei der US-Regierung gegen die geplanten Visa-Regeln für ausländische Korrespondenten zu intervenieren. Die Bundesregierung solle alle "politischen und diplomatischen Mittel" ergreifen, um "die weitere ungehinderte, freie Berichterstattung aus den USA zu gewährleisten", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Medien vom Montag.

Porsche verkauft IT-Beratungstochter MHP an indischen Tata-Konzern

Der Sportwagenhersteller Porsche verkauft seine auf IT-Beratung spezialisierte Tochterfirma MHP an den indischen Tata-Konzern. Die Veräußerung sei Teil der Strategie von Porsche, sich stärker auf sein Kerngeschäft zu fokussieren, erklärte das Stuttgarter Unternehmen am Montag. Demnach will der Autobauer im Rahmen einer Vereinbarung weiterhin mit MHP und Tata im Bereich digitale Lösungen und Künstliche Intelligenz zuammenarbeiten.

Veganes Angebot in Hochschulmensen binnen zehn Jahren vervierfacht

Das vegane Angebot in deutschen Hochschulmensen hat sich binnen zehn Jahren fast vervierfacht. Der steigende Anteil rein pflanzlicher Kost ging dabei stärker mit einem Rückgang vegetarischer als fleischhaltiger Speisen einher, wie eine am Montag veröffentliche Analyse der Universität Konstanz und der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin zeigt.

Textgröße ändern: