Deutsche Tageszeitung - Greenpeace-Studie: CO2-Preis allein reicht beim Klimaschutz nicht aus

Greenpeace-Studie: CO2-Preis allein reicht beim Klimaschutz nicht aus


Greenpeace-Studie: CO2-Preis allein reicht beim Klimaschutz nicht aus
Greenpeace-Studie: CO2-Preis allein reicht beim Klimaschutz nicht aus / Foto: ©

Die Bepreisung des CO2-Ausstoßes gilt als wichtiges Instrument im Kampf gegen die Erderwärmung. Doch laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der Umweltschutzorganisation Greenpeace sind daneben weitere Maßnahmen nötig. Der CO2-Preis werde in der politischen Debatte "gefährlich überschätzt und als Ausrede für Nichtstun missbraucht", kritisierte Greenpeace-Chef Martin Kaiser am Donnerstag.

Textgröße ändern:

Die Studie konstatiert insbesondere mit Blick auf die Bereiche Energie und Verkehr, dass ein CO2-Preis allein kein "Allheilmittel" sei, wie es im Fazit der Untersuchung von DIW Econ heißt. Um eine Lenkungswirkung beim Konsum und Investitionsverhalten zu entfalten, müsste sich demnach etwa das künftige Preisniveau bei den Kraftstoffpreisen schätzungsweise um bis zu 35 Cent pro Liter verteuern. Dies werde sich dann allerdings "politisch zu einem Streitthema entwickeln", wie auch die aktuelle Debatte um eine Benzinpreiserhöhung von 15 Cent deutlich zeige.

In anderen Fällen rechneten sich Investitionen und Anschaffungen zwar schon heute, würden aber aufgrund "sektorspezifischer Barrieren" nicht getätigt, wie etwa "der Reichweitenangst bei Elektrofahrzeugen oder der fehlenden Planungssicherheit bei Investitionen in regenerative Energien".

Gerade im Energie- und Verkehrssektor sei eine Kombination verschiedener Instrumente notwendig, um gesellschaftliche Skepsis oder fehlende Investitionsanreize zu überwinden. Hierzu zählen laut der Studie neben dem CO2-Preis "die gezielte Förderung von klimafreundlichen Alternativen", ordnungsrechtliche Eingriffe und die Einführung eines Tempolimits. Auch die "regulatorisch geregelte Stilllegung der Kohleverstromung" sowie "akzeptanzfördernde Maßnahmen, um die Zustimmung der Bevölkerung für die notwendigen Infrastrukturanpassungen zu gewinnen", werden genannt.

Außerdem bietet der CO2-Preis demnach keine Antwort auf Herausforderungen im Klimaschutz wie fehlende Flächen für den Ausbau der Windkraft an Land, oder einem zu langsamen Ausbau von Ladesäulen. "Wer sich allein auf den CO2-Preis verlässt, wird die Klimaziele verfehlen", erklärte DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert. "Der CO2 Preis ist nur ein flankierender Baustein des Klimaschutzes neben einer Vielzahl von Maßnahmen im Energie- und Verkehrssektor."

Kaiser erklärte, um beim Klimaschutz schnell voranzukommen, Unternehmen Sicherheit zu bieten und Innovationen zu steuern, komme die nächste Bundesregierung "nicht vorbei an einem klaren politischen Rahmen".

(M.Dorokhin--DTZ)

Empfohlen

Uniper und Equinor schließen Vereinbarung über Gaslieferungen aus Norwegen

Der deutsche Energiekonzern Uniper hat eine langfristige Liefervereinbarung für Erdgas mit dem norwegischen Unternehmen Equinor geschlossen. Wie beide Unternehmen am Montag mitteilten, wird Equinor in den Jahren 2027 bis 2041 jährlich mehr als 30 Terawattstunden Erdgas liefern. Die Vereinbarung leiste einen Beitrag zur Versorgungssicherheit in Deutschland und trage zur weiteren Diversifizierung des Uniper-Portfolios bei, erklärte Uniper am Unternehmenssitz in Düsseldorf nach der Vertragsunterzeichnung im norwegischen Stavanger.

US-Journalistenvisa: Deutsche Medien bitten Merz erneut um diplomatische Hilfe

Mehrere große deutsche Medienunternehmen und Verbände haben Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundesaußenminister Johann Wadephul (beide CDU) erneut aufgefordert, bei der US-Regierung gegen die geplanten Visa-Regeln für ausländische Korrespondenten zu intervenieren. Die Bundesregierung solle alle "politischen und diplomatischen Mittel" ergreifen, um "die weitere ungehinderte, freie Berichterstattung aus den USA zu gewährleisten", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Medien vom Montag.

Porsche verkauft IT-Beratungstochter MHP an indischen Tata-Konzern

Der Sportwagenhersteller Porsche verkauft seine auf IT-Beratung spezialisierte Tochterfirma MHP an den indischen Tata-Konzern. Die Veräußerung sei Teil der Strategie von Porsche, sich stärker auf sein Kerngeschäft zu fokussieren, erklärte das Stuttgarter Unternehmen am Montag. Demnach will der Autobauer im Rahmen einer Vereinbarung weiterhin mit MHP und Tata im Bereich digitale Lösungen und Künstliche Intelligenz zuammenarbeiten.

Veganes Angebot in Hochschulmensen binnen zehn Jahren vervierfacht

Das vegane Angebot in deutschen Hochschulmensen hat sich binnen zehn Jahren fast vervierfacht. Der steigende Anteil rein pflanzlicher Kost ging dabei stärker mit einem Rückgang vegetarischer als fleischhaltiger Speisen einher, wie eine am Montag veröffentliche Analyse der Universität Konstanz und der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin zeigt.

Textgröße ändern: