Deutsche Tageszeitung - Zahl der Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr deutlich gesunken

Zahl der Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr deutlich gesunken


Zahl der Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr deutlich gesunken
Zahl der Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr deutlich gesunken / Foto: ©

Eine Insolvenzwelle bei Unternehmen infolge der Corona-Krise ist im ersten Halbjahr nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ausgeblieben. Stattdessen sei die Zahl gemeldeter Unternehmensinsolvenzen weiter gesunken, erklärte das Bundesamt am Freitag. Demnach wurden von den deutschen Amtsgerichte 7408 beantragte Unternehmensinsolvenzen gemeldet - 17,7 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2020 und 22,9 Prozent weniger als im von der Corona-Krise unbeeinflussten ersten Halbjahr 2019.

Textgröße ändern:

Allerdings fallen die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger mit 31,8 Milliarden Euro fast doppelt so hoch wie im ersten Halbjahr 2020 aus, wie das Bundesamt weiter ausführte. Damals hatten sich die Forderungen aus beantragten Unternehmensinsolvenzen auf 16,7 Milliarden Euro belaufen. Der Anstieg sei darauf zurückzuführen, "dass im ersten Halbjahr 2021 mehr wirtschaftlich bedeutende Unternehmen Insolvenz beantragt hatten als im Vorjahreszeitraum", erklärte das Bundesamt.

Geprägt war das Insolvenzgeschehen im ersten Halbjahr demnach weiterhin von Sonderregelungen: So war die Insolvenzantragspflicht für überschuldete Unternehmen im vergangenen Jahr ausgesetzt worden; für Unternehmen, bei denen die Auszahlung der staatlichen Corona-Hilfen noch ausstand, galt dies bis Ende April 2021 weiter. Es sei davon auszugehen, "dass die staatlichen Konjunkturhilfen für die Unternehmen sowie die erst ab Mai wieder durchweg geltende Insolvenzantragspflicht zu den niedrigen Insolvenzzahlen im ersten Halbjahr 2021 beigetragen haben", erklärte das Bundesamt.

Die meisten Unternehmensinsolvenzen gab es im ersten Halbjahr im Baugewerbe mit 1219 Fällen - 16,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Im Handel waren es 1120 Verfahren (minus 24,6 Prozent) und im Bereich der sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen, zu denen auch Reisebüros und Reiseveranstalter gehören, 805 (minus 14,5 Prozent).

Hinweise auf die künftige Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen gibt die Zahl der beantragten Regelinsolvenzverfahren. Im August 2021 sank diese Zahl laut vorläufigen Angaben um 19 Prozent gegenüber Juli 2021. Sie stieg allerdings um 14 Prozent gegenüber August 2020, als die Antragspflicht vollumfänglich ausgesetzt war und es zu einem starken Rückgang im Vergleich zum August 2019 (minus 35,4 Prozent) gekommen war.

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen legte im ersten Halbjahr unterdessen deutlich zu: 42.304 Verbraucherinnen und Verbraucher stellten einen Insolvenzantrag, das war ein Anstieg um mehr als die Hälfte (51,1 Prozent) gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der starke Anstieg sei dabei im Zusammenhang mit einem Gesetz zur schrittweisen Verkürzung von Restschuldbefreiungsverfahren von sechs auf drei Jahre zu sehen, erklärte das Bundesamt.

Die Neuregelung gilt für ab dem 1. Oktober 2020 beantragte Verbraucherinsolvenzverfahren und ermöglicht den Betroffenen einen schnelleren wirtschaftlichen Neuanfang im Anschluss an ein Insolvenzverfahren. Daher sei davon auszugehen, "dass viele überschuldete Privatpersonen ihren Insolvenzantrag zunächst zurückhielten, um von der Neuregelung zu profitieren", erläuterte das Bundesamt.

(Y.Ignatiev--DTZ)

Empfohlen

Hinweise auf Markteinführung von selbstfahrendem Taxi von Tesla verdichten sich

Beim E-Autobauer Tesla verdichten sich die Hinweise auf eine bevorstehende Markteinführung seines fahrerlosen Taxis Cybercab. Für den 3. September kündigte das US-Unternehmen am Samstag eine Veranstaltung im texanischen Austin an.

Handels-"Krieg": Kanada kontert US-Zölle

Handels-"Krieg" zwischen zwei wirtschaftlich eng verflochtenen Nachbarn: Kanadas Premierminister Mark Carney hat am Samstag kanadische Vergeltungszölle angekündigt, nachdem in den USA neue Aufschläge auf kanadische Produkte in Kraft getreten waren. "Man befindet sich im Krieg, wenn man angegriffen wird. Wir sind angegriffen worden", sagte Carney. Zuvor waren tagelange Verhandlungen gescheitert. Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer machte dafür Kanada verantwortlich.

Merz nennt vor Kabinettsklausur Wachstum und Beschäftigung "das wichtigste Thema"

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat vor der Kabinettsklausur in der kommenden Woche den Bereich Wirtschaftswachstum und Beschäftigung als "das wichtigste Thema" bezeichnet. "Also volle Konzentration darauf, die Augen auf dem Ball", sagte der Kanzler der "Bild am Sonntag".

VW-Chef ruft Mitarbeiter wegen Konzern-Krise zum Zusammenhalt auf

Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume hat die Belegschaft angesichts der Branchenkrise und der bei VW geplanten tiefgreifenden Einschnitte zu vollkommenem Zusammenhalt aufgerufen. "Auf die nächsten Wochen kommt es an: Alle müssen mitziehen", sagte Blume der "Bild am Sonntag". "Wir haben den größten Transformationsplan in der Geschichte des Volkswagen-Konzerns aufgesetzt."

Textgröße ändern: