Deutsche Tageszeitung - Forderungen in Großbritannien nach Bevorzugung systemrelevant Beschäftigter beim Tanken

Forderungen in Großbritannien nach Bevorzugung systemrelevant Beschäftigter beim Tanken


Forderungen in Großbritannien nach Bevorzugung systemrelevant Beschäftigter beim Tanken
Forderungen in Großbritannien nach Bevorzugung systemrelevant Beschäftigter beim Tanken / Foto: ©

In Großbritannien wird angesichts des Treibstoffmangels an den Tankstellen darüber diskutiert, bestimmte Berufsgruppen bei der Versorgung mit Benzin und Diesel zu bevorzugen. Der Vize-Vorsitzende des Ärzteverbandes, David Wrigley, sagte am Dienstag im Sender SkyNews: "Wir können nicht zwei oder drei Stunden in der Warteschlange stehen, wir müssen Patienten versorgen." Unison, die größte Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes, forderte, systemrelevante Beschäftigte müssten vorrangig tanken können.

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"Die Regierung könnte dieses Problem jetzt lösen, indem sie per Notfallbefugnis Tankstellen für die ausschließliche Nutzung durch systemrelevante Beschäftigte ausweist", sagte Unison-Generalsekretärin Christina McAnea. Sie nannte Ärzte, Lehrerinnen oder Polizeikräfte.

Die Zeitung "Mirror" forderte am Dienstag auf der ersten Seite, systemrelevante Beschäftigte müssten an den Zapfsäulen zuerst drankommen. Das Boulevardblatt "Sun" kritisierte die Regierung wegen des "Chaos".

In Großbritannien fehlen Schätzungen zufolge rund 100.000 Lkw-Fahrer. Tankstellenbetreiber wie Shell, BP und Esso betonen, es gebe "reichlich Treibstoff in den britischen Raffinerien" - es fehlten aber die Fahrer zum Ausliefern. Die Konzerne rechnen mit einer Normalisierung der Lage in den kommenden Tagen. Sie riefen ihre Kunden auf, "wie gewohnt" Kraftstoff zu kaufen - also nicht zu hamstern.

Gründe für den historischen Mangel an Lkw-Fahrern sind der Brexit und die Corona-Pandemie. Um diese Krise beizulegen, hatte die Regierung am Wochenende eine Lockerung der Visa-Bestimmungen für ausländische Lkw-Fahrer und Fachkräfte aus anderen Branchen beschlossen. Dies ist eine klare Abkehr von der restriktiven Einwanderungspolitik von Premierminister Boris Johnson, die er seit dem Austritt aus der EU verfolgt. Johnson hatte wiederholt erklärt, er wolle Großbritanniens Abhängigkeit von ausländischen Arbeitskräften beenden.

Schnelle Abhilfe könnte der Einsatz der Armee bringen; die Regierung hatte am Montagabend angeordnet, das Militär solle sich bereithalten.

Der Fahrermangel wirkt sich auch auf die Belieferung anderer Bereiche auf der Insel aus: In Supermärkten, Fastfood-Restaurants und Kneipen fehlt es an Lebensmittel und Getränken.

(Y.Ignatiev--DTZ)

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