Deutsche Tageszeitung - Einsatz des Militärs in britischer Benzin-Krise steht kurz bevor

Einsatz des Militärs in britischer Benzin-Krise steht kurz bevor


Einsatz des Militärs in britischer Benzin-Krise steht kurz bevor
Einsatz des Militärs in britischer Benzin-Krise steht kurz bevor / Foto: ©

In Großbritannien steht der Einsatz des Militärs zur Beilegung der Treibstoff-Engpässe kurz bevor. "Ich denke, in den nächsten Tagen werden die Menschen Soldaten sehen, die die Tankwagenflotte fahren", sagte Wirtschaftsminister Kwasi Kwarteng am Mittwoch. Die Regierung habe den Einsatz offiziell gebilligt. 150 Soldaten würden für die Benzin-Auslieferung geschult, 150 weitere hielten sich bei Bedarf bereit.

Textgröße ändern:

Bereits am Mittwochnachmittag sollten laut Kwarteng zudem Tankwagen der Regierung mit zivilen Fahrern auf den Straßen unterwegs sein. Die Regierung hatte am Montagabend wegen der Benzin-Krise den Einsatz des Militärs angeordnet. Seit vergangener Woche hatten sich vor britischen Tankstellen lange Schlangen gebildet. In der Folge wurden Forderungen an die britische Regierung laut, Menschen in systemrelevanten Berufen Vorrang beim Tanken zu gewähren.

Grund für das Chaos sind Lieferschwierigkeiten - dem Land fehlen laut Schätzungen rund 100.000 Lkw-Fahrer. Nach dem Brexit und während der Corona-Pandemie kam es in Großbritannien zu einem deutlichen Rückgang von Arbeitnehmern aus dem europäischen Ausland in der Logistikbranche. Dabei handelte es sich insbesondere um Jobs, die aufgrund schlechter Bezahlung und unangenehmer Arbeitszeiten von britischen Arbeitnehmern gemieden wurden.

Die Regierung machte für die Krise an den Tankstellen vor allem Hamsterkäufe verantwortlich. Wirtschaftsminister Kwarteng rief die Briten am Mittwoch erneut zur Vernunft auf: "Je schneller wir zu unserem normalen Konsumverhalten zurückkehren, desto schneller wird sich die Lage normalisieren."

Auch Florian Lucker von der Bayes Business School in London sieht Panikkäufe als Auslöser der Misere. "Durch Panikkäufe wird einfach die Menge an Treibstoff reduziert, welche denjenigen zur Verfügung steht, die ihn dringend brauchen: ein ähnliches Muster, wie wir es zu Beginn der Pandemie bei Toilettenpapier beobachtet haben."

Die Opposition warf der Regierung mangelnde Vorbereitung auf das sich seit Monaten abzeichnende Problem vor. "Reißen Sie sich zusammen oder überlassen Sie es uns, dieses Chaos zu beseitigen", sagte Labour-Chef Keir Starmer auf einer Parteiveranstaltung in Brighton an die Regierung gewandt.

Inzwischen zeichnet sich nach Angaben der Behörden und von Branchenverbänden eine Entspannung der Lage ab: Am Mittwoch hatten laut der britischen Tankstellenvereinigung PRA nur noch 27 Prozent der Tankstellen keinen Treibstoff, am Dienstag waren es noch 37 Prozent und am Sonntag zwei Drittel.

Der Lkw-Fahrermangel wirkt sich auch auf die Belieferung anderer Bereiche auf der Insel aus: In Supermärkten, Fastfood-Restaurants und Kneipen fehlt es an Lebensmittel und Getränken. Berichten zufolge könnte es auch bei Weihnachtsbäumen, Spielzeug und Truthähnen für die Weihnachtssaison zu Lieferschwierigkeiten kommen.

Um die Krise beizulegen, hatte die Regierung am Wochenende eine vorübergehende Lockerung der Visa-Bestimmungen unter anderem für ausländische Lkw-Fahrer beschlossen. Dies ist eine klare Abkehr von der restriktiven Einwanderungspolitik von Premierminister Boris Johnson, die er seit dem Austritt aus der EU verfolgt.

Vertreter von Gastgewerbe und Einzelhandel forderten ähnliche Regelungen auch für ihre Branchen. Die Regierung sollte "die Einwanderungsregeln vereinfachen, um den bürokratischen Aufwand für die Einreise von Mitarbeitern zu verringern", sagte die Geschäftsführerin des Gastgewerbeverbands UKHospitality, Kate Nicholls, dem Sender Sky News.

Auch das britische Bekleidungsunternehmen Next warnte angesichts des bevorstehenden Weihnachtsgeschäfts vor einem "saisonalen Fachkräftemangel" und forderte ein entschlosseneres Vorgehen der Regierung gegen den sich abzeichnenden Mangel in Lagerhäusern, Restaurants, Hotels und anderen saisonabhängigen Branchen.

(O.Tatarinov--DTZ)

Empfohlen

Zwölf Tote bei Busunfall in Ungarn - Fünf Menschen in Lebensgefahr

Bei dem schwersten Busunfall in Ungarn seit mehr als 20 Jahren sind in der Nacht zum Sonntag zwölf Menschen ums Leben gekommen. Mindestens zehn weitere Menschen seien schwer verletzt worden, teilte Ungarns Regierungschef Peter Magyar im Onlinedienst Facebook mit. Fünf der Verletzten schwebten nach Angaben der Einsatzkräfte in Lebensgefahr. Der polnische Bus mit Pilgern an Bord war auf der Autobahn in einen Graben gefahren und umgekippt.

Zwölf Menschen bei Busunglück in Ungarn gestorben

In Ungarn sind offiziellen Angaben zufolge in der Nacht zwölf Menschen bei einem Busunglück ums Leben gekommen. Mindestens zehn weitere Menschen seien schwer verletzt worden, teilte Regierungschef Peter Magyar am Sonntag im Onlinedienst Facebook mit, einer von ihnen schwebte nach Angaben der Einsatzkräfte in Lebensgefahr. Der Bus mit polnischem Kennzeichen war auf der Autobahn in einen Graben gefahren und umgekippt.

Flughafen auf Sizilien nach Ausbruch des Ätna wieder geöffnet

Nach einwöchiger Schließung wegen eines Ausbruchs des Vulkans Ätna ist der Flughafen von Catania auf Sizilien wieder geöffnet. Nachdem die vulkanische Aktivität zurückgegangen war, wurde der Flugbetrieb am frühen Samstagnachmittag wieder aufgenommen, wie die Flughafenbetreiber mitteilten. Tausende Urlauber hatten seit dem 8. August auf der italienischen Mittelmeerinsel festgesessen, nachdem alle Flüge von und nach Catania eingestellt worden waren.

Trump will Straße von Hormus zu US-Territorium erklären - Teheran widerspricht

US-Präsident Donald Trump hat mit der Äußerung, die Straße von Hormus zum US-Territorium erklären zu wollen, den Widerspruch Teherans ausgelöst. "Nachdem wir den Iran besiegt haben (...), werde ich die Straße von Hormus schon bald zum Territorium der Vereinigten Staaten erklären", sagte Trump am Freitag mit einem Schmunzeln bei einer politischen Veranstaltung an einer Polizeiakademie im Bundesstaat New York. Teheran wies Trumps Äußerungen zurück und betonte, die Meerenge "wird iranisch bleiben". Die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten derweil einen iranischen Angriff auf ein Schiff in der Straße von Hormus.

Textgröße ändern: