Deutsche Tageszeitung - Britisches Corona-Hilfsprogramm für Arbeitsplätze läuft aus

Britisches Corona-Hilfsprogramm für Arbeitsplätze läuft aus


Britisches Corona-Hilfsprogramm für Arbeitsplätze läuft aus
Britisches Corona-Hilfsprogramm für Arbeitsplätze läuft aus / Foto: ©

In Großbritannien sind am Donnerstag wichtige staatliche Corona-Hilfen zum Arbeitsplatzerhalt ausgelaufen - Experten befürchten nun einen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Das Programm, das dem deutschen Kurzarbeitergeld ähnelt, hatte sich die konservative Regierung unter Boris Johnson fast 70 Milliarden Pfund (82 Milliarden Euro) kosten lassen. Damit wurde ein Großteil der Löhne vieler freigestellter Arbeitnehmer übernommen und damit die offizielle Arbeitslosenquote niedrig gehalten.

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Insgesamt waren rund zwölf Millionen Menschen infolge der Corona-Krise in den Zwangsurlaub geschickt und staatlich unterstützt worden, zuletzt waren noch etwa eine Million Beschäftigte in dem nun beendeten Programm, davon mehr als 25 Prozent aus dem Baugewerbe und der verarbeitenden Industrie. In einem Bericht warnte das Wirtschaftsforschungsinstitut IFS am Donnerstag vor niedrigen Wiedereinstellungsquoten.

"Diese Menschen sind anfällig für einen anhaltend niedrigen Lebensstandard, sollten sie arbeitslos werden", mahnte das IFS. Viele der Unterstützten seien das einzige erwerbstätige Mitglied ihres Haushalts. Besonders Ältere und Bewohner der Hauptstadt London seien von dem Auslaufen der Regelung betroffen.

Finanzminister Rishi Sunak verteidigte das Ende der Zahlungen: "Da die (wirtschaftliche) Erholung in vollem Gange ist und mehr als eine Million Arbeitsplätze unbesetzt sind, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um diese Regelung auslaufen zu lassen", sagte er.

Zudem will die Regierung ab dem nächsten Monat das Arbeitslosengeld um 20 Pfund pro Woche kürzen. Gegner der Maßnahme warnen, dass dieser Schritt wegen der hohen Inflation den realen Wert des Arbeitslosengelds auf den niedrigsten Stand seit Anfang der 1990er Jahre bringe. Auch die oppositionelle Labour-Partei stellte sich gegen die Kürzung.

Großbritannien kämpft derzeit mit einer ganzen Reihe von wirtschaftlichen Problemen. Neben der hohen Inflation sind dies vor allem Lieferschwierigkeiten und Arbeitskräftemangel, weil infolge des Brexits viele Arbeitnehmer, darunter insbesondere Lkw-Fahrer, das Land verlassen hatten. In Supermärkten und an Tankstellen fehlt nun der Nachschub.

(N.Loginovsky--DTZ)

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