Deutsche Tageszeitung - Frankreich deckelt Gas- und Strompreise

Frankreich deckelt Gas- und Strompreise


Frankreich deckelt Gas- und Strompreise
Frankreich deckelt Gas- und Strompreise / Foto: ©

Die Strom- und Gaspreise in Deutschland sind in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Im ersten Halbjahr betrug der Anstieg knapp fünf Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte. Auch in Frankreich kletterten die Preise - die Regierung kündigte daher eine Deckelung bis April an. Die Bundesregierung erklärte, sie beobachte die Entwicklung der steigenden Preise "sehr genau".

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Von Januar bis Ende Juni stiegen die Strom- und Gaspreise laut Statistischem Bundesamt um jeweils 4,7 Prozent. Strom kostete für private Haushalte im Durchschnitt 32,62 Cent je Kilowattstunde, Erdgas 6,41 Cent je Kilowattstunde. Hauptgrund war demnach, dass die in der Corona-Krise gesenkte Mehrwertsteuer wieder auf 19 Prozent angehoben wurde. Beim Erdgas verteuerte der zu Jahresbeginn eingeführte CO2-Zertifikatehandel den Preis zusätzlich.

Auch in den Monaten seitdem stiegen die Preise weiter. Laut Vergleichsportal Check24 erreichte der Börsenpreis für Gas im September ein Allzeithoch von 44,03 Euro pro Megawattstunde - vor einem Jahr lag der Preis bei 7,99 Euro. Viele Grundversorger in Deutschland haben nach Angaben der Portale Check24 und Verivox bereits Preiserhöhungen für ihre Kunden bekanntgegeben. Sie erwarten eine Preiswelle im Herbst.

Der Börsenpreis für Strom bewegt sich laut Check24 ebenfalls auf Rekordniveau. Dafür sind die steigende Nachfrage nach der Lockerung vieler Corona-Beschränkungen, hohe Preise für Gas und Steinkohle sowie die CO2-Emissionszertifikate verantwortlich.

Die Energiepreise sind überall in Europa hoch und steigen weiter. Das EU-Statistikamt in Luxemburg teilte am Freitag mit, die Energiepreise hätten die Inflation im September auf den höchsten Stand seit 2008 getrieben. Demnach verteuerten sich die Energiepreise im Jahresvergleich um 17,4 Prozent, die Inflation stieg auf 3,4 Prozent.

Italien hatte bereits vergangene Woche Erleichterungen vor allem für ärmere Haushalte in Höhe von drei Milliarden Euro angekündigt. Der französische Premierminister Jean Castex sagte am Donnerstagabend, die Preise für Strom und Gas würden bis April gedeckelt. Die Anbieter, die das Gas unter dem Einkaufspreis abgeben müssten, bekämen staatliche Hilfen. Die Regierung hatte im September bereits einen "Energie-Scheck" in Höhe von 100 Euro angekündigt, von dem knapp sechs Millionen Haushalten profitieren sollten.

Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums sagte am Freitag in Berlin, das Ministerium beobachte die Entwicklung der Inflationsrate "sehr genau". Es müsse beachtet werden, dass sich ein Teil der aktuellen Inflation durch die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung im vergangenen Jahr ergebe. Als einen weiteren "Sondereffekt" bezeichnete die Sprecherin den aktuellen Anstieg bei den Import- und Rohstoffpreisen "im Zuge der wiederbelebten Weltkonjunktur nach der Corona-Krise".

Der Energiepreis-Anstieg wird in Europa demnächst zur Chefsache: Die Staats- und Regierungschefs der EU sollen bei ihrem Gipfel am 21. und 22. Oktober in Brüssel darüber beraten, wie ein Sprecher von EU-Ratspräsident Charles Michel mitgeteilt hatte. Griechenland schlägt laut EU-Diplomaten einen gemeinsamen Fonds zur Entlastung vor.

(W.Uljanov--DTZ)

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