Deutsche Tageszeitung - Gaspreise auf europäischen Märkten erreichen Rekordniveau

Gaspreise auf europäischen Märkten erreichen Rekordniveau


Gaspreise auf europäischen Märkten erreichen Rekordniveau
Gaspreise auf europäischen Märkten erreichen Rekordniveau / Foto: ©

Die Gaspreise auf den europäischen Märkten haben am Mittwoch kurzzeitig ein neues Rekordniveau erreicht und Sorgen vor einem Mangel im Winter geschürt. Zwischenzeitlich lagen die Preise achtmal über dem Niveau von vor einem halben Jahr. Der Kreml wies Spekulationen zurück, Russland drossele absichtlich Gaslieferungen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte dazu, nach ihrer Information halte sich Russland an vereinbarte Bestellungen.

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Grund für die deutlichen Preissteigerungen sind sowohl niedrige Lagerbestände als auch eine steigende Nachfrage angesichts des nahenden Winters, damit verbinden sich nach Einschätzung von Experten Panikkäufe. Auch ein eingeschränktes Angebot trägt zu den Preissteigerungen bei.

Die Handelspreise am TTF, einem virtuellen Handelspunkt im niederländischen Gasnetz, stiegen am Mittwoch zwischenzeitlich auf den Rekordwert von 162,12 Euro pro Megawattstunde. Der Preis für ein sogenanntes Therm, eine in Großbritannien verwendete Wärmeeinheit, stieg auf 407,82 Pence. Später erholten sich die Preise wieder - ein Anzeichen für einen derzeit extrem volatilen Markt.

Russlands Präsident Wladimir Putin machte die Europäer selbst für die stark steigenden Gaspreise verantwortlich. "Sie haben Fehler gemacht", sagte Putin bei einer im Fernsehen übertragenen Debatte mit Vertretern der russischen Energiebehörden. Zuletzt waren Anschuldigungen laut geworden, wonach Russland absichtlich Gaslieferungen zurückhalte, um Druck auf den Westen auszuüben. Für die Inbetriebnahme der umstrittenen Gaspipeline Nord Stream 2 fehlt noch die Zertifizierung deutscher Behörden.

Einer der Gründe, weshalb die Preise aktuell stark anstiegen, sei die Aufkündigung von "langfristigen Verträgen" seitens der Europäer zugunsten des Handels an Rohstoffbörsen, sagte Putin. "Es hat sich herausgestellt, und heute ist das ganz offensichtlich, dass dies eine falsche Politik ist." Ein Sprecher von Putin wies Vorwürfe einer künstlichen Verknappung zurück. "Russland hat all seine Verpflichtungen unter gültigen Verträgen erfüllt, erfüllt sie jetzt noch und wird sie auch weiter erfüllen."

Merkel sagte dazu am Rande eines Westbalkan-Gipfels in Slowenien, sie habe mit Putin über die Befüllung der Gasspeicher in Deutschland und der EU gesprochen. Ihren Erkenntnissen zufolge gebe es derzeit "keine Bestellungen, bei denen Russland sagt, das liefern wir euch nicht". Das Land könne nur "auf der Grundlage von vertraglichen Bindungen" Gas liefern. Daher stelle sich die Frage, ob genug bestellt werde, sagte Merkel.

Die Kanzlerin riet angesichts der Gaskrise dazu, "hier keine zu einfachen Lösungen zu suchen". Das Problem müsse angesichts der größeren Nachfrage "umfassend" betrachtet werden. Demnach soll sich der EU-Gipfel am 21. und 22. Oktober in Brüssel mit der Gaskrise beschäftigen.

Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte dazu in Luxemburg, die "klare Botschaft" sei angesichts der steigenden Energiepreise, dass erneuerbare Energien und Klimaschutz "die Lösung des Problems sind". So sinke auch die Abhängigkeit von Importen fossiler Energieträger. Die Atomenergie, wie jüngst von Frankreich ins Gespräch gebracht, sei hingegen "keine Lösung" - sie sei nicht nachhaltig und teuer.

Die Gaskrise beschäftigte am Mittwoch auch das EU-Parlament. Mehrere Abgeordnete forderten einen Schutz von ärmeren Haushalten sowie weniger Abhängigkeit von Brennstoffimporten. "Unmittelbare Priorität sollte es sein, soziale Auswirkungen zu mildern und gefährdete Haushalte zu schützen", sagte Energiekommissarin Kadri Simson.

(W.Budayev--DTZ)

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