Deutsche Tageszeitung - Biobauern kritisieren Verhandlungsergebnisse der Grünen als Rückschritt

Biobauern kritisieren Verhandlungsergebnisse der Grünen als Rückschritt


Biobauern kritisieren Verhandlungsergebnisse der Grünen als Rückschritt
Biobauern kritisieren Verhandlungsergebnisse der Grünen als Rückschritt / Foto: ©

Der größte Verband der deutschen Biobauern geht hart mit den Verhandlungsergebnissen der Grünen bei den Ampel-Gesprächen ins Gericht und wertet sie als Rückschritt gegenüber den Landwirtschaftszielen der EU. "Was in dem Sondierungspapier zu den Bereichen Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt aufgeschrieben wurde, fällt im Grunde genommen hinter das zurück, was bereits auf der realpolitischen Tagesagenda ist", sagte Bioland-Präsident Jan Plagge der "Augsburger Allgemeinen" vom Mittwoch.

Textgröße ändern:

"Mit diesen Vorfestlegungen werden die Vorgaben der EU von der neuen Regierung nicht erfüllt werden können", sagte Plagge, in dessen Verband über 8500 Biolandwirtschaftsbetriebe zusammengeschlossen sind. "Wir haben eine Agenda auf europäischer Ebene - vom Hof auf den Tisch -, die ganz klare Zielvorstellungen beispielsweise im Bereich Pflanzenschutz und Ökolandbau hat."

Die Aussagen von SPD, Grünen und FDP wirkten "im Vergleich dazu komplett unambitioniert", kritisierte der Bioland-Chef. "Offenbar haben sich bisher weder die Grünen noch die SPD inhaltlich mit einer konkreten Agenda für den Bereich Umwelt und Landwirtschaft auseinandergesetzt."

Die Agrarbranche sei zu viel mehr Veränderung bereit, wenn die Politik dafür einen Rahmen schaffe, betonte Plagge. "Deshalb ist das Sondierungspapier jetzt schon eine so große Enttäuschung." Die Grünen müssten mit ihren Zielen im Bereich Umwelt, Ernährung und Landwirtschaft eigentlich einen besonderen Anspruch auf das Landwirtschaftsministerium erheben, sagte er. Im Moment scheine es aber eher so zu sein, dass dieses Ressort bei den Grünen keine Priorität habe und sich keine der Führungskräfte dafür interessiere.

Auch der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Bernhard Krüsken, zeigte sich enttäuscht von den bisherigen Verhandlungsergebnissen der möglichen Koalitionsparteien. "Wir brauchen für die Zukunft als Landwirtschaft eine klare wirtschaftliche Perspektive, ohne geht es nicht", sagte er der "Augsburger Allgemeinen". Dazu gehörten im Bereich Tierhaltung notwendige Anpassungen beim Bau- und Umweltrecht. Krüsken kritisierte zudem den geplanten Mindestlohn von zwölf Euro. Dieser bringe eine "massive Belastung für unsere Bauern, gerade im Bereich Obst-, Gemüse- und Weinanbau".

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) forderte in den anstehenden Koalitionsverhandlungen unterdessen eine klare Abkehr vom Pestizideinsatz. Die DUH kritisierte, dass sich SPD, Grüne und FDP im Sondierungspapier bisher lediglich darauf einigten, Pestizide auf "das notwendige Maß" zu begrenzen.

"Der völlig überhöhte Pestizideinsatz in der Landwirtschaft ist ein entscheidender Grund dafür, dass das Sterben von Insekten, Singvögeln und anderen Arten weiter fortschreitet", erklärte Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner am Mittwoch in Berlin. "Das vielbeschworene ’notwendige Maß’, das schon die bisherigen Bundesregierungen einhalten wollten, ist völlig unbestimmt und hat die Pestizide kaum reduziert", kritisierte er. Das müsse sich mit der nächsten Bundesregierung ändern.

(W.Uljanov--DTZ)

Empfohlen

17 Cent weniger Steuern pro Liter: Neuer Tankrabatt kommt zum 1. Oktober

Tanken wird für spritpreisgebeutelte Autofahrer schon ab kommendem Donnerstag günstiger: Am Freitag gaben Bundestag und Bundesrat grünes Licht für den neuen Tankrabatt, der die Steuern auf Benzin und Diesel ab dem 1. Oktober um rund 17 Cent je Liter senkt. Die Regierungskoalition aus Union und SPD will Bürgerinnen und Bürgern so kurzfristig Entlastung verschaffen - doch an der Maßnahme gibt es auch viel Kritik.

Tankrabatt kommt zum 1. Oktober: Gesetz passiert Parlament

Der Tankrabatt zur Abfederung der hohen Spritpreise kann wie von der Bundesregierung geplant zum 1. Oktober kommen. Nach dem Bundestag passierte das Gesetz am Freitag auch den Bundesrat - die Länderkammer verzichtete darauf, den Vermittlungsausschuss anzurufen. Zum 1. Oktober sollen damit die Steuern auf Benzin und Diesel um rund 17 Cent je Liter sinken.

CDU-Politiker Reddig warnt vor verwässerter Rentenreform - und droht mit Nein

Im koalitionsinternen Ringen um die geplante Rentenreform hat der CDU-Bundestagsabgeordnete Pascal Reddig mit einer Ablehnung des Gesetzentwurfs gedroht, sollte dieser zu stark vom vereinbarten Kompromiss abweichen. Der CDU-Politiker warnte die Koalition am Freitag gegenüber der "Welt", aus Sorge vor unpopulären Entscheidungen von der Reform abzurücken: "Dass manche jetzt in eine Art kurzsichtigen Sozialpopulismus verfallen und aus Angst wieder keine Reform machen wollen, werden uns die Wähler nicht honorieren."

Nach US-Sanktionsdrohungen: Flughafen im irakischen Nadschaf stoppt alle Iran-Flüge

Infolge von US-Sanktionen hat der Flughafen der irakischen Pilgerstadt Nadschaf in der Nacht zu Freitag alle Flüge vom und in den Iran eingestellt. "Alle Flüge zwischen dem Iran und dem Flughafen in Nadschaf wurden gestoppt", sagte Flughafendirektor Hussein Muhanna der Nachrichtenagentur AFP am Freitag. Er verwies auf eine entsprechende Anweisung der irakischen Regierung an den Gouverneur von Nadschaf, die auf US-Betreiben hin erfolgte.

Textgröße ändern: