Deutsche Tageszeitung - Bundesbank-Präsident Weidmann gibt Posten vorzeitig zum Jahresende ab

Bundesbank-Präsident Weidmann gibt Posten vorzeitig zum Jahresende ab


Bundesbank-Präsident Weidmann gibt Posten vorzeitig zum Jahresende ab
Bundesbank-Präsident Weidmann gibt Posten vorzeitig zum Jahresende ab / Foto: ©

Er gilt als Gegner einer zu expansiven Geldpolitik und warnt vor hohen Inflationsraten - nun verlässt Bundesbank-Präsident Jens Weidmann vorzeitig den Chefposten bei der deutschen Zentralbank. Er gehe zum Jahresende "aus persönlichen Gründen", zitierte die Bundesbank den promovierten Volkswirt am Mittwoch. Weidmann hatte das Zepter bei der Bundesbank 2011 übernommen, eigentlich wäre sein Mandat bis 2027 gelaufen. Bei den Beschäftigten der Institution verabschiedete sich Weidmann mit warnenden Worten.

Textgröße ändern:

Weidmann bat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier um seine Entlassung zum 31. Dezember dieses Jahres, wie die Bundesbank mitteilte. Der Bundespräsident ernennt auf Vorschlag der Bundesregierung den Chef der Bundesbank und muss dem Rücktrittsgesuch zustimmen. Die Diskussion über einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin dürfte sich auf die Zeit nach der Regierungsbildung verlagern.

"Ich bin zur Überzeugung gelangt, dass mehr als zehn Jahre ein gutes Zeitmaß sind, um ein neues Kapitel aufzuschlagen - für die Bundesbank, aber auch für mich persönlich", schrieb Weidmann in einem Brief an die Beschäftigten. Er blicke auf eine "ereignisreiche" Zeit zurück, das Umfeld der Bundesbank habe sich "massiv verändert" und die Aufgaben der Bank seien gewachsen, fuhr Weidmann mit Blick auf die Finanz- und Schuldenkrise und zuletzt die Pandemie fort.

Weidmann sitzt als einer der Zentralbanker der 19 Euroländer auch im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB). Sein Rückzug kommt nun zu einer Zeit, in der es auch um die Zukunft der EZB und die Ausrichtung ihrer Geldpolitik geht. Der EZB kommt die Rolle zu, die derzeit steigende Inflation in den Griff zu bekommen und zu entscheiden, wann sie ihr in der Pandemie aufgelegtes Notfallankaufprogramm zurückfährt. Weidmann hatte eine allzu lockere Geldpolitik der EZB immer wieder kritisiert.

Im andauernden Krisenmodus sei "das Koordinatensystem der Geldpolitik verschoben" worden, schrieb Weidmann nun an seine Mitarbeiter. Eine stabilitätsorientierte Geldpolitik werde dauerhaft indes nur möglich sein, wenn diese "ihr enges Mandat" achte und nicht "ins Schlepptau der Fiskalpolitik oder der Finanzmärkte" gerate, warnte der scheidende Bundesbank-Chef. "Krisenmaßnahmen mit ihrer außergewöhnlichen Flexibilität sind nur in der Notsituation, für die sie geschaffen wurden, verhältnismäßig."

Künftig werde es nun entscheidend sein, "nicht einseitig auf Deflationsrisiken zu schauen, sondern auch perspektivische Inflationsgefahren nicht aus dem Blick zu verlieren", schrieb der 53-Jährige. Er bedankte sich bei der Belegschaft sowie bei EZB-Präsidentin Christine Lagarde und dem Rat für "die offene und konstruktive Atmosphäre in den zuweilen schwierigen Diskussionen der vergangenen Jahre".

Lagarde selbst erklärte, sie respektiere Weidmanns Entscheidung, zugleich "bedaure" sie diese aber "zutiefst". Sie lobte die Erfahrung und Loyalität des scheidenden Bundesbank-Präsidenten und dessen Willen, trotz fester Meinungen zur Geldpolitik einen Kompromiss in den Reihen der Währungsunion zu finden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nahm Weidmanns Entscheidung "mit Bedauern und mit großem Respekt zur Kenntnis". Weidmann habe die Bundesbank in währungspolitisch herausfordernden Jahren "national wie international herausragend vertreten", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die neue Regierung müsse nun eine Nachfolge finden, die das "stabilitätsorientierte Erbe der Bundesbank fortsetzt".

Bankenpräsident Christian Sewing, zugleich Chef der Deutschen Bank, lobte Weidmann als "starken Präsidenten der Bundesbank" und "international sehr geachtete Stimme in der Geldpolitik". Er habe auch in turbulenten Zeiten den geldpolitischen Stabilitätskurs verteidigt, zugleich aber die gesamtwirtschaftliche Situation im Blick behalten.

FDP-Chef Christian Lindner erklärte ebenfalls, seine Partei bedauere Weidmanns Rücktritt. "Er stand für eine stabilitätsorientierte Geldpolitik, deren Bedeutung angesichts von Inflationsrisiken wächst", schrieb Lindner auf Twitter. Die FDP empfehle Deutschland "Kontinuität". Liberale, Grüne und SPD wollen am Donnerstag ihre Koalitionsverhandlungen zur Bildung einer gemeinsamen Regierung beginnen.

(N.Loginovsky--DTZ)

Empfohlen

UN-Sicherheitsrat verurteilt Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien

Der UN-Sicherheitsrat hat die Angriffe der jemenitischen Huthi-Miliz auf Saudi-Arabien einstimmig verurteilt. Die Mitglieder des Sicherheitsrats verurteilten "aufs Schärfste die anhaltenden Angriffe (...), besonders jene, bei denen Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, verletzt wurden", hieß es am Freitag in einer Erklärung des mächtigsten Gremiums der Vereinten Nationen.

Selenskyj: USA erlauben Ukraine Herstellung von Patriot-Abwehrraketen

Die USA haben der Ukraine nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj grünes Licht für die Produktion von eigenen Patriot-Luftabwehrraketen gegeben. "Bei unserem letzten Treffen hat Präsident Trump mir gegenüber gesagt, dass er eine endgültige Entscheidung getroffen hat: Die Ukraine wird Lizenzen für die Herstellung von Patriot-Raketen erhalten", sagte Selenskyj am Freitag in einer Sprachnachricht an Journalisten. Bei russischen Drohnenangriffen auf Kiew wurden unterdessen fünf Menschen getötet.

17 Cent weniger Steuern pro Liter: Neuer Tankrabatt kommt zum 1. Oktober

Tanken wird für spritpreisgebeutelte Autofahrer schon ab kommendem Donnerstag günstiger: Am Freitag gaben Bundestag und Bundesrat grünes Licht für den neuen Tankrabatt, der die Steuern auf Benzin und Diesel ab dem 1. Oktober um rund 17 Cent je Liter senkt. Die Regierungskoalition aus Union und SPD will Bürgerinnen und Bürgern so kurzfristig Entlastung verschaffen - doch an der Maßnahme gibt es auch viel Kritik.

Tankrabatt kommt zum 1. Oktober: Gesetz passiert Parlament

Der Tankrabatt zur Abfederung der hohen Spritpreise kann wie von der Bundesregierung geplant zum 1. Oktober kommen. Nach dem Bundestag passierte das Gesetz am Freitag auch den Bundesrat - die Länderkammer verzichtete darauf, den Vermittlungsausschuss anzurufen. Zum 1. Oktober sollen damit die Steuern auf Benzin und Diesel um rund 17 Cent je Liter sinken.

Textgröße ändern: