Deutsche Tageszeitung - Foodwatch nominiert Kandidaten für die "dreisteste Werbelüge des Jahres"

Foodwatch nominiert Kandidaten für die "dreisteste Werbelüge des Jahres"


Foodwatch nominiert Kandidaten für die "dreisteste Werbelüge des Jahres"
Foodwatch nominiert Kandidaten für die "dreisteste Werbelüge des Jahres" / Foto: ©

Grüne Kaffeekapseln, klimaneutrales Mineralwasser, plastikfreier Proteinriegel: Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat in diesem Jahr für ihren Negativpreis Goldener Windbeutel vor allem Produkte nominiert, die mit Klima- und Umweltfreundlichkeit werben - diese Versprechen laut den Verbraucherschützern aber nicht einhalten. Ab sofort können Verbraucher aus fünf Kandidaten die "dreisteste Werbelüge des Jahres" wählen. Die Abstimmung läuft bis zum 12. Dezember.

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Foodwatch nominierte unter anderem das Volvic-Mineralwasser von Danone: Auf der Flasche stehe "klimaneutral zertifiziert" - allerdings würden die Flaschen größtenteils per Lkw aus Frankreich nach Deutschland transportiert. Einweg-Plastik-Flaschen schadeten der Umwelt zudem stärker als Mehrwegflaschen.

Danone erklärte, die Nominierung "nicht nachvollziehen" zu können. "Wir verwenden für Volvic die ökologisch sinnvollste Verpackung, eine zu 100 Prozent recycelbare PET-Einwegpfandflasche, die zu 100 Prozent aus Altplastik besteht", erklärte eine Sprecherin. Für den deutschen Markt werde Volvic mit dem Zug oder dem Lkw transportiert, "nie mit dem Schiff oder Flugzeug". Außerdem reduziere das Unternehmen kontinuierlich seine CO2-Emissionen und kompensiere Restemissionen.

Kandidat Nummer zwei sind die als "Green Caps" verkauften Mövenpick-Kaffeekapseln der Rösterei J.J. Darboven. Laut Werbung sind sie kompostierbar und biologisch abbaubar - das jedoch stimme nicht, kritisierte Foodwatch. Die meisten Abfallunternehmen könnten die Kapseln weder recyceln noch kompostieren, sondern müssten sie verbrennen.

Ebenfalls auf der Liste steht ein Proteinriegel der Fitness-Influencerin Pamela Reif, die mit einer plastikfreien und biologisch abbaubaren Verpackung wirbt. Jedoch sei der Riegel in eine Plastik-Folie gepackt, "die weder kompostiert noch recycelt wird, sondern als Plastikmüll in der Müllverbrennung landet", erklärte Foodwatch.

Den Goldenen Windbeutel erhalten könnte außerdem das Hähnchen-Brustfilet der Rewe-Marke Wilhelm Brandenburg, das ein "klimaneutral"-Logo trägt. Fleisch sei aber alles andere als ein klimafreundliches Lebensmittel. Rewe unterstützt zum Ausgleich Waldschutzprojekte in Peru, Recherchen hätten allerdings ergeben, dass der Wald dort gar nicht geschützt werde, monierte Foodwatch.

Nominiert sind schließlich die Wunderland Fruchtgummis von Katjes - hier kritisiert Foodwatch, dass sie einen Zuckeranteil von 60 Prozent hätten, dieser jedoch "verschleiert" werde. Durch zugesetzte Vitamine werde für "besseres Naschen" geworben, das komme einer Verleitung zum Süßigkeitenkonsum nahe.

Die Organisation forderte eine klare Regulierung von "nachhaltigen" Werbeversprechen. Mit dem Bedürfnis von Verbrauchern nach mehr Nachhaltigkeit wolle die Lebensmittelindustrie "Kasse machen". Klima- und Umweltwerbung auf unökologischen Produkten müsse gestoppt werden.

(Y.Ignatiev--DTZ)

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