Deutsche Tageszeitung - Heil: Am Arbeitsplatz darf es nur noch die 3G-Pflicht geben

Heil: Am Arbeitsplatz darf es nur noch die 3G-Pflicht geben


Heil: Am Arbeitsplatz darf es nur noch die 3G-Pflicht geben
Heil: Am Arbeitsplatz darf es nur noch die 3G-Pflicht geben / Foto: ©

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat angesichts der dramatisch steigenden Coronazahlen die Notwendigkeit schärferer Regeln am Arbeitsplatz betont. In der Arbeitswelt dürfe es jetzt nur noch die 3G-Pflicht geben, sagte Heil im ZDF-"Morgenmagazin". Homeoffice müsse es überall da geben, wo dies möglich sei. Der Bundestag beschloss die Regeln am Donnerstag - die Zustimmung des Bundesrates am Freitag war aber noch ungewiss.

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Es ist daher offen, ob die Regeln schon kommende Woche in Kraft treten können, wie die Ampel-Parteien das möchten. Laut Infektionsschutzgesetz sollen Arbeitsstätten dann nur noch von Arbeitgebern und Beschäftigten betreten werden dürfen, die geimpft, genesen oder getestet sind (3G). Das sollen die Beschäftigten nachweisen müssen. Antigen-Schnelltests dürften höchstens 24 Stunden alt sein. Die Arbeitgeber sollen verpflichtet werden, dies zu kontrollieren.

Die Wirtschaft begrüßt die geplante 3G-Pflicht am Arbeitsplatz zwar. Sie fürchtet aber einen erheblichen Aufwand und lehnt weitere Kostenübernahmen ab.

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer sagte der "Welt", die Kontrollen seien nicht praktikabel: "Bei den Betrieben etwa der Gebäudereinigung oder im Bauhandwerk, bei denen die meisten Beschäftigten direkt zu den Baustellen und dann oft noch zu täglich wechselnden Objekten und Arbeitsorten fahren, dürfte es extrem schwierig werden." Es sei noch völlig ungeklärt, wie diese verlangten täglichen Kontrollen "pragmatisch durchgeführt und nachgewiesen werden können", sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks.

Wollseifer forderte, die Frage der Kosten zu klären. Bislang sind die Betriebe verpflichtet, zwei Tests pro Woche anzubieten. Bei täglichen Tests würden die Beschäftigten drei der fünf Tests "über für sie kostenlose Bürgertests machen müssen", sagte der Handwerkspräsident.

Die Wiedereinführung der Ende Juni ausgelaufenen Homeoffice-Pflicht in dafür geeigneten Berufen findet laut einer Umfrage der "Augsburger Allgemeinen" eine deutliche Mehrheit der Deutschen (61 Prozent) gut. 28 Prozent lehnen eine solche staatliche Vorgabe ab, der Rest ist unentschlossen.

Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) bewertet die Wiedereinführung kritisch. "Die vergangenen Corona-Monate haben uns gezeigt, wie flexibel Arbeit auch ohne eine sogenannte Homeoffice-Pflicht gestaltet werden kann. Es wäre besser, wenn der Gesetzgeber die Unternehmen einfach machen ließe", erklärte Hauptgeschäftsführer Antonin Finkelnburg.

Auch Reinhold von Eben-Worlée, Präsident des Familienunternehmer-Verbands, sagte dem "Handelsblatt": "Ich empfände das als tiefes Misstrauenssignal der Regierung gegenüber der Verantwortungsfähigkeit der Unternehmen, ihre Mitarbeiter zu schützen." Betriebe seien wegen ausgeklügelter Schutzkonzepte nicht die Infektionstreiber der Pandemie und würden derzeit Homeoffice so gut wie möglich ausweiten.

Über die neuen Corona-Regeln hinaus wollen viele größere Unternehmen in Deutschland ihren Beschäftigten Drittimpfungen durch ihre Betriebsärzte anbieten. Das ergab eine Umfrage des "Handelsblatts" unter ausgewählten Dax-Konzernen und Familienunternehmen. Anette Wahl-Wachendorf vom Präsidium des Verbands der Betriebsärzte sagte der Zeitung: "Viele Kollegen stehen wieder in den Startlöchern und wollen Auffrischungsimpfungen verabreichen."

(W.Budayev--DTZ)

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