Deutsche Tageszeitung - Lohnzuwachs für Tarifbeschäftigte deutlich unter Inflation

Lohnzuwachs für Tarifbeschäftigte deutlich unter Inflation


Lohnzuwachs für Tarifbeschäftigte deutlich unter Inflation
Lohnzuwachs für Tarifbeschäftigte deutlich unter Inflation / Foto: ©

Die hohe Inflation frisst die Lohnerhöhungen für Tarifbeschäftigte: Im dritten Quartal von Juli bis September stiegen die Tarifverdienste um 0,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal - die Preise erhöhten sich in dem Zeitraum allerdings um 3,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mitteilte. Der Anstieg um 0,9 Prozent war demnach der geringste seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2010.

Textgröße ändern:

Noch unter dem Durchschnitt lagen den Angaben zufolge die Tarifverdienste für Beschäftigte in den Bereichen Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen - sie bekamen im dritten Quartal nur 0,5 Prozent mehr. Dies sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass die im zweiten Quartal ausgelaufenen Tarifverträge für den Einzelhandel sowie den Groß- und Außenhandel erst im Oktober neu abgeschlossen worden waren, so das Bundesamt. Die Erhöhungen wurden also noch nicht ausgezahlt.

Auch im Bereich "freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen" blieben die Tariferhöhungen mit 0,8 Prozent unter dem Durchschnitt. Wegen eines Sondereffekts verringerten sich die Tarifverdienste im Verarbeitenden Gewerbe sogar, und zwar um 0,9 Prozent, wie die Statistiker erläuterten. In der Metall- und Elektroindustrie war im dritten Quartal 2020 nämlich eine Pauschalleistung gezahlt worden, die in diesem Jahr erst für das vierte Quartal geplant ist. Ohne Berücksichtigung dieser Sonderzahlungen lagen die Tarifverdienste demnach um 0,6 Prozent über Vorjahresniveau.

Überdurchschnittlich stiegen dagegen die Tarifverdienste einschließlich Sonderzahlungen bei den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (plus 2,9 Prozent), im Baugewerbe (2,1 Prozent) und in der Energieversorgung (2,0 Prozent).

Im November stieg die Inflation auf den höchsten Stand seit 29 Jahren: auf 5,2 Prozent. Das kann zu einer sogenannten Lohn-Preis-Spirale führen. Weil die Verbraucherinnen und Verbraucher für ihr Geld weniger Ware bekommen, verlangen sie höhere Löhne, um ihren Lebensstandard halten zu können. Um die höheren Löhne zu bezahlen, werden Unternehmen wiederum die Preise für ihre Produkte weiter erhöhen.

Die Gewerkschaften verweisen in den Tarifverhandlungen bereits auf die hohe Inflation. Verdi-Chef Frank Werneke etwa lobte den Tarifabschluss für die Angestellten der Bundesländer am Montag unter anderem damit, dass es gelungen sei, für Beschäftigte der niedrigen Einkommensgruppen angesichts stark steigender Preise die Kaufkraft zu sichern. Die Chemiegewerkschaft IG BCE stellte vergangene Woche ihre Forderung für die bevorstehende Tarifrunde auf - die "rapide steigenden Preise" seien "starke Argumente" dafür, dass die Beschäftigten "deutlich mehr verdienen".

(M.Dorokhin--DTZ)

Empfohlen

Nach Feuerpausen-Einigung: Sofortige Preissenkungen an Tankstellen bleiben aus

Nach der Einigung auf eine Feuerpause im Iran-Krieg sind Hoffnungen auf sofortige Preissenkungen an den deutschen Tankstellen enttäuscht worden. Am Mittag stiegen die Diesel- und Benzinpreise am Mittwoch erneut um gut fünf und knapp sechs Cent, wie der ADAC mitteilte. Die Bundesregierung mahnte "Realismus" an: Die Lage auf den Weltmärkten für Energie sei weiterhin unsicher. Die Debatte um mögliche Entlastungen für Verbraucherinnen und Verbraucher lief weiter.

Allianz-Handelsexperten: Deutsche Exporteure vergleichsweise optimistisch

Außenhandelsexperten bescheinigen der Exportwirtschaft und besonders den deutschen Unternehmen vor dem Hintergrund anhaltender weltweiter Krisen eine gute Resilienz. "Die weltweiten und insbesondere die deutschen Exporteure bleiben trotz einem Jahr Handelskrieg, einer veränderten Risikolandschaft und Nahostkonflikt relativ widerstandsfähig", erklärte der Kreditversicherer Allianz Trade am Mittwoch. Die Experten verweisen auf Befragungen von rund 6000 Unternehmen weltweit.

Industrie mit leichtem Plus beim Auftragseingang - Autobranche legt zu

Die Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe haben im Februar etwas mehr Aufträge erhalten. Der Auftragseingang stieg im Vergleich zum Januar saison- und kalenderbereinigt um 0,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch mitteilte. Im Januar hatten die Unternehmen noch ein Minus von 11,1 Prozent bei den Aufträgen verzeichnet. Die "positive Entwicklung" im Februar führte das Bundesamt vor allem auf einen Anstieg von 3,8 Prozent in der Automobilindustrie zurück.

Airline-Verband: Erholung der Treibstoffversorgung und -preise wird Monate dauern

Der internationale Airline-Verband Iata geht davon aus, dass sich die Versorgungslage mit Flugzeugtreibstoff infolge der Waffenruhe in Nahost nur langsam entspannen wird. Es sei schwer zu sagen, wie lange es dauern werde, bis sich die Treibstoffversorgung wieder normalisiere, sagte Iata-Chef Willie Walsh am Mittwoch in Singapur. Aber schnell werde es nicht gehen: "Angesichts der Beeinträchtigungen der Raffineriekapazitäten im Nahen Osten wird es noch Monate dauern, bis die Versorgung wieder das erforderliche Niveau erreicht."

Textgröße ändern: