Deutsche Tageszeitung - Erdogan verteidigt seine Wirtschaftspolitik als "riskant aber richtig"

Erdogan verteidigt seine Wirtschaftspolitik als "riskant aber richtig"


Erdogan verteidigt seine Wirtschaftspolitik als "riskant aber richtig"
Erdogan verteidigt seine Wirtschaftspolitik als "riskant aber richtig" / Foto: ©

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat seine Niedrigzinspolitik als "riskant aber richtig" verteidigt. Die Welt wisse, dass ihm hohe Zinsen nicht geheuer seien, sagte der Staatschef am Mittwoch im Parlament in Ankara. "Ich war noch nie dafür. Ich war es gestern nicht und werde es morgen nicht sein", fuhr er fort. Die von ihm verfolgte Wirtschaftspolitik sei der richtige Weg.

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Die Türkei steckt derzeit in einer Währungskrise, in nur einem Monat verlor die Lira fast 30 Prozent an Wert gegenüber dem Dollar. Außerdem ist die Inflation immens hoch - zuletzt erreichte die Teuerung fast 20 Prozent im Jahresvergleich. Die schwache Lira und der Preisanstieg machen vielen Haushalten des Landes zu schaffen.

Nach herrschender Ökonomenlehre sind die Leitzinsen ein wichtiges Instrument im Kampf gegen eine zu hohe Inflation. Zentralbanken erhöhen in der Regel den Leitzins, den die Banken meist an ihre Kunden weitergeben. Die beabsichtigte Folge: Die Zahl der Kreditvergaben und damit die Geldmenge im Umlauf sinkt.

Erdogan ist allerdings der Meinung, hohe Leitzinsen würden die Inflation eher anheizen und lehnt sie zudem deshalb ab, weil sie das Wachstum bremsen. Er möchte über niedrige Zinsen Kredite und Investitionen ankurbeln und auf diese Weise letztlich die Wirtschaft. Die eigentlich offiziell unabhängige Zentralbank des Landes hatte in der Vergangenheit den Leitzins mehrfach gesenkt - offenbar auf Druck der Führung.

Erdogan betonte nun erneut, die Türkei konzentriere sich auf eine Wachstumsstrategie, die durch Investitionen, Beschäftigung, Produktion und Außenhandel angetrieben werde. Tatsächlich dürfte die türkische Wirtschaft in diesem Jahr um neun Prozent wachsen, für 2022 werden 3,5 Prozent erwartet. Im dritten Quartal dieses Jahres zog die Wirtschaftsleistung um 7,4 Prozent an. Experten warnen jedoch vor den negativen Folgen einer zu stark auf Wachstum ausgerichteten Wirtschaftspolitik für die Währung und die Devisenreserven des Landes.

Erdogan zeigte sich unbeeindruckt: Wechselkurse und Inflationsraten könnten "heute steigen und morgen fallen", sagte er. "Wir wissen, was wir tun. Das ist unser Job."

(W.Uljanov--DTZ)

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