Deutsche Tageszeitung - BGH verhandelt über Ansprüche von Erbin eines Porsche-Konstrukteurs

BGH verhandelt über Ansprüche von Erbin eines Porsche-Konstrukteurs


BGH verhandelt über Ansprüche von Erbin eines Porsche-Konstrukteurs
BGH verhandelt über Ansprüche von Erbin eines Porsche-Konstrukteurs / Foto: ©

Auch ein Auto kann ein Kunstwerk sein - zumindest rechtlich. Der Bundesgerichtshof (BGH) verhandelte am Donnerstag in Karlsruhe über die Frage, welche Ansprüche daraus erwachsen können. Geklagt hatte die Tochter eines früheren leitenden Konstrukteurs bei Porsche: Sie will von dem Autobauer einen Teil der Verkaufserlöse des Modells 911 Typ 991, nämlich 0,25 Prozent des Umsatzes seit 2014 und höchstens fünf Millionen Euro. (Az. I ZR 222/20)

Textgröße ändern:

Ihr verstorbener Vater war Leiter der Abteilung Karosserie-Konstruktion und entwickelte nach dem Zweiten Weltkrieg den Porsche 356 mit. Laut Klägerin war er auch an der Entwicklung des ursprünglichen 911 beteiligt, vor Gericht konnte sie das aber nicht beweisen. Sie findet, dass bei den neuen Fahrzeugen wesentliche Gestaltungselemente der alten Baureihen übernommen worden seien - was ihr Anwalt vor dem BGH unter anderem mit Spielzeugautos zu demonstrieren versuchte.

Die Richterinnen und Richter des dritten Zivilsenats mussten allerdings nicht selbst abwägen, wie ähnlich sich die jeweiligen Modelle sind. Ihre Aufgabe ist es, das vorangegangene Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart zu überprüfen. Dieses hatte den Porsche 356 als urheberrechtlich geschütztes Werk anerkannt und den verstorbenen Konstrukteur als dessen Schöpfer.

Trotzdem verneinte es Ansprüche der Erbin, da das alte Modell höchstens als Anregung gedient habe und in dem neuen nicht mehr zu erkennen sei. Dabei bezog sich das Gericht auf eine Vorschrift, die heute nicht mehr gilt, sie wurde durch neues Recht ersetzt. Vor dem BGH ging es nun vor allem darum, wie die das Urheberrecht betreffende Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs hier auszulegen ist und ob die Wertung des Stuttgarter Gerichts Bestand haben kann.

Die Klägerin hatte zudem gegen die Beweiswürdigung Revision beim BGH eingelegt. Sie wirft dem Oberlandesgericht unter anderem vor, dass es sich nicht ausreichend mit einer Aussage ihres Ehemanns auseinandergesetzt habe. Er habe seinen Schwiegervater einst am Arbeitsplatz besucht, wobei dieser gesagt haben soll, bei einem der strittigen Modelle handle es sich um seinen Entwurf.

Der Rechtsstreit zieht sich seit Jahren und wurde vom BGH auch am Donnerstag nicht beendet. Der Vorsitzende Richter Thomas Koch kündigte an, einen extra Termin für die Verkündung einer Entscheidung ansetzen zu wollen.

(W.Uljanov--DTZ)

Empfohlen

Motto "Haltung ist hot": Hunderttausende ziehen bei CSD-Kundgebung durch Berlin

Hunderttausende Menschen haben am Samstag in Berlin an der diesjährigen Großkundgebung zum Christopher Street Day (CSD) teilgenommen. Unter dem Motto "Haltung ist hot" zogen die Teilnehmenden bei hochsommerlichem Wetter durch das Zentrum der Bundeshauptstadt. Eine Polizeisprecherin berichtete am Nachmittag von einem friedlichen Verlauf. Später erklärte die Polizei allerdings, Teilnehmende und zwei Einsatzkräfte seien aus einer Wohnung heraus mit einer Softairwaffe beschossen worden.

Tödlicher Unfall: Kleinflugzeug stürzt auf Wohnhaus in Niedersachsen

Der Flug eines Kleinflugzeugs in Niedersachsen hat am Samstag ein tödliches Ende genommen: Die Maschine stürzte am Vormittag auf das Dach eines Wohnhauses in der Ortschaft Ganderkesee im Landkreis Oldenburg, wie die Polizei bekannt gab. Eine erste Erkundung habe ergeben, dass ein Mensch gestorben und ein weiterer vermisst sei. Das Kleinflugzeug habe "aus bislang ungeklärter Ursache" an Höhe verloren und sei auf die Wohnsiedlung gestürzt.

Motto "Haltung ist hot": CSD-Kundgebung startet in Berlin

In Berlin hat die diesjährige Großkundgebung zum Christopher Street Day (CSD) begonnen. Der Umzug setzte sich am Samstagmittag zum Marsch durch das Zentrum der Bundeshauptstadt in Bewegung. Die Polizei war nach eigenen Angaben mit 2200 Einsatzkräften im Einsatz, um für ein "sicheres, buntes und friedliches Fest" zu sorgen. Die Organisatoren rechneten mit mehreren hunderttausend Teilnehmenden. Ihren Angaben zufolge handelt es sich um eine der größten Versammlungen für Vielfalt und Menschenrechte in Europa.

Südkoreanische Chipkonzerne planen US-Lieferungen für 950 Milliarden Dollar

Die südkoreanischen Chipkonzerne Samsung Electronics und SK Hynix wollen US-Technologieunternehmen Halbleiter und Dienstleistungen im Wert von insgesamt 950 Milliarden Dollar (rund 835 Milliarden Euro) liefern. Entsprechende Vereinbarungen seien mit Unternehmen wie Nvidia und Broadcom geplant, sagte der südkoreanische Präsidentenberater Kim Yong Beom am Samstag in San Francisco.

Textgröße ändern: