Deutsche Tageszeitung - Österreichs Kanzler wirbt für "strategische Partnerschaft" mit Deutschland

Österreichs Kanzler wirbt für "strategische Partnerschaft" mit Deutschland


Österreichs Kanzler wirbt für "strategische Partnerschaft" mit Deutschland
Österreichs Kanzler wirbt für "strategische Partnerschaft" mit Deutschland / Foto: ©

Österreich bietet Deutschland eine engere Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Union an. "Ich denke, eine strategische Partnerschaft zwischen Deutschland und Österreich innerhalb der EU ist von großer Bedeutung", sagte Österreichs Kanzler Karl Nehammer (ÖVP) der "Welt" (Freitagsausgabe). "Wir sollten sie ausbauen." Er denke beispielsweise an die Wirtschafts- und Finanzpolitik. "Die Regierungen in Berlin und Wien sollten in Brüssel klar machen, dass wir keine permanente Schuldenunion wollen."

Textgröße ändern:

Beide Staaten sollten sich Nehammer zufolge "mit ganzer Kraft dafür einsetzen, dass die Aufnahme von Schulden durch die EU-Kommission als Antwort auf eine außergewöhnliche Krise durch die Corona-Pandemie einmalig bleiben muss und nicht zum Einfallstor für noch mehr gemeinsame Schulden und noch mehr gemeinsame Haftung wird". Dies wäre eine schwere Belastung für die Steuerzahler in Deutschland und Österreich. "Es braucht starke Partner, um das zu verhindern", sagte Nehammer, der auch Parteichef der konservativen ÖVP in seinem Land ist, der "Welt".

Zur Finanzierung der EU-Coronahilfen in Höhe von rund 750 Milliarden Euro verschuldet sich die EU-Kommission in diesem Jahr erstmalig am Kapitalmarkt. Sollten ein Land oder mehrere Länder ihre Schulden nicht zurückzahlen können, so müssen die restlichen Mitglieder der Währungsunion dafür geradestehen.

Die Verhinderung einer "Schuldenunion" ist seit langem eine Kernforderung der österreichischen Regierung. Hintergrund ist ein EU-weiter Streit um die Reform der gemeinsamen Regeln zu den Staatsfinanzen. Frankreich hält den sogenannten Stabilitäts- und Wachstumspakt, der die nationale Staatsverschuldung eindämmen soll, für "obsolet" und dringt gemeinsam mit Italien und anderen Staaten auf eine Lockerung.

Dagegen stemmt sich eine Gruppe "sparsamer" Staaten um Österreich, die Niederlande und Schweden. Sie fürchten, für die deutlich höheren Schulden der sogenannten Südländer zur Kasse gebeten zu werden. Der neue deutsche Finanzminister Christian Lindner (FDP) hatte in der Vergangenheit immer wieder vor einer "Schuldenunion" in Europa gewarnt. Auch der neue Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte im Wahlkampf einer Lockerung der europäischen Schuldenregeln eine Absage erteilt.

Nehammer war erst Anfang des Monats Kanzler in Wien geworden, nachdem sein Vorgänger Alexander Schallenberg nach nur zwei Monaten zurückgetreten war. Nehammer ist bereits der fünfte österreichische Kanzler seit 2016. Er war unter Schallenberg sowie dessen Vorgänger Sebastian Kurz Innenminister. Kurz war wegen einer Korruptionsaffäre zurückgetreten. Später kündigte er seinen kompletten Rückzug aus der Politik an, woraufhin auch Schallenberg zurücktrat.

(L.Møller--DTZ)

Empfohlen

SPD-Generalsekretär Klüssendorf bringt zusätzliche Schuldenaufnahme ins Spiel

Wegen der angespannten Haushaltslage und der erneuten Eskalation im Iran-Krieg hat SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf eine zusätzliche Schuldenaufnahme ins Spiel gebracht. "Wir müssen angesichts der Kriege um uns herum zumindest in Erwägung ziehen, höhere Haushaltsspielräume nutzen zu können", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwochsausgabe). "Das ist eine Frage von Verantwortungsbewusstsein, wenn wir sonst Gefahr laufen, dass es unsere Gesellschaft zerreißt."

Trump will in zwei Jahren Generika-Medikamente mit 100 Prozent Zoll belegen

US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, in zwei Jahren Generika-Medikamente aus dem Ausland mit 100 Prozent Zoll belegen zu wollen. Zunächst sollten Generika noch zollfrei in die USA kommen können, erklärte Trump am Dienstag in seinem Onlinedienst Truth Social. Ab August 2028 aber sollten sie für ein Jahr mit 100 Prozent Zoll belegt werden - und danach sogar mit 200 Prozent.

Drogenbeauftragter Streeck begrüßt Alkoholverbot an Bahnhöfen

Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck, begrüßt das geplante Alkoholverbot an Bahnhöfen. "Der Vorstoß der Deutschen Bahn ist richtig", sagte er der "Rheinischen Post" (Mittwochsausgabe). Bahnhöfe müssten Orte sein, an denen "sich Menschen sicher bewegen können und Eltern nicht überlegen müssen, welchen Bereichen sie mit ihren Kindern besser ausweichen".

Frankreich beschließt als erstes EU-Land Social-Media-Verbot für unter 15-Jährige

Als erstes EU-Land hat Frankreich ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren beschlossen. Der französische Senat und die Nationalversammlung in Paris stimmten am Dienstag mit breiter Mehrheit für ein entsprechendes Gesetz. Auf Wunsch von Präsident Emmanuel Macron soll das neue Verbot bereits nach den Sommerferien in Kraft treten.

Textgröße ändern: