Deutsche Tageszeitung - EU untersagt geplante Mega-Fusion südkoreanischer Schiffbauer

EU untersagt geplante Mega-Fusion südkoreanischer Schiffbauer


EU untersagt geplante Mega-Fusion südkoreanischer Schiffbauer
EU untersagt geplante Mega-Fusion südkoreanischer Schiffbauer / Foto: ©

Wegen der Befürchtung von Wettbewerbseinschränkungen bei der Lieferung großer Flüssigerdgas-Tanker hat die EU-Kommission ihr Veto gegen die geplante Fusion zweier Schiffbau-Schwergewichte in Südkorea eingelegt. Wie die Brüsseler Behörde am Donnerstag mitteilte, untersagte die Kommission die Übernahme des Unternehmens Daewoo Shipbuilding & Marine Engineering durch den Rivalen Hyundai Heavy Industries Holdings. Ein Zusammenschluss würde demnach dazu führen, dass das fusionierte Unternehmen fast zwei Drittel des weltweiten Marktes für Tanker für Flüssigerdgas (LNG) kontrolliert.

Textgröße ändern:

"Große Flüssigerdgas-Tanker sind ein wesentlicher Bestandteil der Lieferkette für Flüssigerdgas", erklärte die für Wettbewerb zuständige EU-Kommissionsvizepräsidentin Margrethe Vestager. "Denn mit ihnen kann dieser Energieträger weltweit transportiert werden", führte sie weiter aus. Zugleich trage Flüssigerdgas "zur Diversifizierung der europäischen Energieversorgung bei und erhöht somit die Versorgungssicherheit".

Der Zusammenschluss der beiden südkoreanischen Schiffsbauer hätte demnach "zu einer beherrschenden Stellung auf dem Weltmarkt für den Bau großer Flüssigerdgastanker geführt, auf die europäische Transportunternehmen angewiesen sind". Da von den Unternehmen keine Abhilfe-Maßnahmen vorgelegt worden seien, "hätte der Zusammenschluss zu einer Verringerung der Zahl der Lieferanten und zu höheren Preisen für große Flüssigerdgas-Tanker geführt", erklärte Vestager. "Deshalb haben wir den Zusammenschluss untersagt."

Die EU kann im Rahmen der Fusionskontrollverordnung auch gegen den Zusammenschluss von nichteuropäischen Unternehmen ihr Veto einlegen, wenn diese einen entscheidenden Einfluss auf den rund 450 Millionen Menschen umfassenden gemeinsamen EU-Markt haben. In der Vergangenheit hatte die Brüsseler Behörde beispielsweise im Jahr 2019 die Fusion des indischen Konzerns Tata Steel mit Thyssenkrupp untersagt.

Hyundai reagierte nach Angaben der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap enttäuscht auf die Entscheidung und bezeichnete diese als unvernünftig. Die Kommission habe sich lediglich auf die Betrachtung des Marktanteils bei LNG-Schiffen beschränkt, argumentierte das Unternehmen und behielt sich vor, das EU-Veto vor der europäischen Justiz anzufechten.

Nach Angaben der EU-Kommission sind Daewoo Shipbuilding & Marine Engineering (DSME) und Hyundai Heavy Industries Holdings (HHIH) "zwei der drei größten Akteure auf dem sehr konzentrierten weltweiten Markt für den Bau großer Flüssigerdgas-Tanker". Bei diesen hochentwickelten Schiffe, die große Mengen Flüssigerdgas bei einer Temperatur von minus 162 Grad Celsius befördern können, erreichte der weltweite Markt in den vergangene fünf Jahren demnach ein Volumen von bis zu 40 Milliarden Euro - wobei "fast 50 Prozent der Bestellungen" von europäischen Unternehmen aufgegeben worden seien.

Die 2019 bekannt gewordenen Pläne für die Fusion von DSME und HHIH wurden von den Wettbewerbsbehörden in China und Singapur bereits gebilligt; in Japan und auch in Südkorea selbst steht eine Entscheidung noch aus.

(Y.Ignatiev--DTZ)

Empfohlen

Übernahme von Warner Bros durch Paramount vollzogen

Die Übernahme des Film- und Medienkonzerns Warner Bros. Discovery (WBD) durch den Konkurrenten Paramount Skydance ist vollzogen. Das dadurch neu entstandene Unternehmen Skydance vereint nun die Filmstudios Paramount Pictures und Warner Bros. Pictures, die Medienunternehmen CBS News und CNN sowie die Streaming- und Fernsehmarken HBO und CBS television. Viele Mitarbeiter in den Unternehmen fürchten nun um ihre Jobs, zudem besteht Sorge um die politische Unabhängigkeit der Medien.

Neue Strategie: Porsche will weniger Autos verkaufen - aber dafür teurer

Der kriselnde Sportwagenbauer Porsche will mit einer neuen Strategie wieder auf die Überholspur kommen. Ziel sei es, die Autos "noch exklusiver und begehrenswerter zu machen", teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Wie Porsche im baden-württembergischen Weissach bei der Vorstellung seiner neuen Strategie 2035 ausführte, soll die Gewinnschwelle künftig bereits bei weniger als 200.000 Fahrzeugen erreicht werden.

Aufschwung im Baugewerbe - auch Industrieproduktion im August leicht im Plus

Die Produktion im Baugewerbe hat im August stark angezogen. Im Vergleich zum Vormonat legte sie nach vorläufigen Zahlen um 9,3 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch mitteilte. Auch die Industrieproduktion entwickelte sich demnach leicht positiv, während die Energieproduktion zurückging. Das gesamte Produzierende Gewerbe steigerte seinen Output so um 2,0 Prozent.

Einsatz von Tränengasgranate: Polizist wegen Gewaltanwendung bei Schülerprotesten angeklagt

Weil er während der Schülerproteste in Frankreich aus nächster Nähe eine Tränengasgranate auf einen 14-Jährigen abgefeuert hat, ist ein Polizist wegen Gewaltanwendung angeklagt worden. Der Beamte sei nach dem Vorfall in Saint-Ouen-l'Aumône nordwestlich von Paris nicht in Untersuchungshaft genommen sondern unter richterliche Aufsicht gestellt worden, teilte ein örtlicher Staatsanwalt am Dienstag mit.

Textgröße ändern: