Deutsche Tageszeitung - BGH: Im Abgasskandal ist Behalten des Autos und Ersatz für Wertminderung möglich

BGH: Im Abgasskandal ist Behalten des Autos und Ersatz für Wertminderung möglich


BGH: Im Abgasskandal ist Behalten des Autos und Ersatz für Wertminderung möglich
BGH: Im Abgasskandal ist Behalten des Autos und Ersatz für Wertminderung möglich / Foto: ©

Wer ein vom Dieselskandal betroffenes Auto gekauft hat, hat die Wahl: Er kann gegen Rückgabe des Wagens den kompletten Kaufpreis zurückverlangen oder das Auto behalten und nur den Ausgleich der Wertminderung fordern. Das bekräftigte der Bundesgerichtshof (BGH) am Montag in Karlsruhe und gab der Revision eines Seat-Käufers überwiegend statt. Der Mann will Ersatz für den Betrag, um den er das Auto womöglich zu teuer kaufte - weil er zu dem Zeitpunkt noch nicht vom Abgasskandal wusste. (Az. VIa ZR 100/21)

Textgröße ändern:

In dem Seat war ein von VW gebauter, manipulierter Dieselmotor verbaut. Nach Bekanntwerden des Skandals klagte der Käufer gegen die Volkswagen AG auf den sogenannten kleinen Schadenersatz, also den Ausgleich der Wertminderung. Der BGH hatte bereits am 6. Juli vergangenen Jahres entschieden, dass dieser Käufern manipulierter Autos grundsätzlich zusteht.

Davon wusste das Landgericht Bonn aber noch nicht, als es - ebenfalls am 6. Juli - gegen den Kläger entschied. Es muss nun neu über den Fall verhandeln, wie der BGH erklärte. Die Klage habe nicht ohne weitere Prüfung der Höhe des Anspruchs abgewiesen werden dürfen.

Es gibt im konkreten Fall nämlich eine Besonderheit: Das Auto wurde Ende 2013 gebraucht gekauft und hatte damals schon einen Kilometerstand von mehr als 60.000, sechs Jahre später waren es 275.000 gefahrene Kilometer. Damit stehe im Raum, dass der Käufer sich die Nutzung des Autos auf den kleinen Schadenersatz anrechnen lassen müsse, erklärte der BGH.

Die Frage ist, ob der Wert dieser Nutzung den Wert des Wagens beim Vertragsabschluss übersteigt. Da das Landgericht bislang weder den Wert des Autos noch den Wert der Nutzung festgestellt habe, müsse es die Sache nun weiter aufklären.

(P.Vasilyevsky--DTZ)

Empfohlen

Tankrabatt kommt größtenteils bei Autofahrern an - Spritpreise deutlich gesunken

Der seit dem 1. Oktober geltende Tankrabatt kommt nach Einschätzung von Experten des Ifo-Instituts sowie des ADAC nicht komplett, aber größtenteils bei den Autofahrern an. "Beim Diesel haben die Tankstellen in den ersten fünf Tagen von den 17 Cent Steuersenkung je Liter durchschnittlich 15 Cent weitergegeben", erklärte Florian Neumeier, stellvertretender Leiter des Ifo-Zentrums für Finanzwissenschaft, am Mittwoch. Beim Superbenzin E5 seien es durchschnittlich gut 16 Cent und bei Super E10 15 Cent gewesen.

Kabinett: Autobahn GmbH soll künftig Kredite aufnehmen können

Die staatliche Autobahn GmbH soll künftig Kredite aufnehmen können. Einen entsprechenden Entwurf von Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) für eine neue Finanzierungsstruktur segnete das Bundeskabinett am Mittwoch ab. Damit würden "notwendige Sanierungen und wichtige Neubauprojekte verlässlicher und schneller umgesetzt", erklärte Bilger. "Ab 2027 wird die Autobahn GmbH begrenzt kreditfähig, ab 2028 erhält sie einen Anteil aus der Lkw-Maut." Auch soll künftig verstärkt privates Kapital zum Einsatz kommen können.

Rubio: Iran kontrolliert Straße von Hormus nicht mehr vollständig

Der Transport von Öl durch die seit Monaten vom Iran blockierte Straße von Hormus hat sich nach Angaben von US-Außenminister Marco Rubio wieder weitgehend normalisiert. "Es wird derzeit fast genauso viel Öl durch sie hindurch geschleust wie vor Beginn dieses Konflikts. Sie haben also die vollständige Kontrolle über die Meerenge verloren", sagte Rubio am Mittwoch bei einem Besuch in der griechischen Hauptstadt Athen.

Mehr Schutz für Opfer digitaler Gewalt: Kabinett beschließt Gesetz

Die Herstellung pornografischer Deepfakes und andere Formen digitaler Gewalt sollen künftig geahndet werden können. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch einen Gesetzentwurf, mit dem entsprechende Strafbarkeitslücken geschlossen werden sollen. Dabei geht es vor allem um bildbasierte sexualisierte Gewalt wie das Herstellen und Verbreiten von sexualisierten Deepfakes oder das heimliche Herstellen intimer Bildaufnahmen, zum Beispiel in der Sauna.

Textgröße ändern: