Deutsche Tageszeitung - Studie: Nur eine Minderheit in Deutschland sieht kein Rassismus-Problem

Studie: Nur eine Minderheit in Deutschland sieht kein Rassismus-Problem


Studie: Nur eine Minderheit in Deutschland sieht kein Rassismus-Problem
Studie: Nur eine Minderheit in Deutschland sieht kein Rassismus-Problem / Foto: © AFP

Nur eine Minderheit der Menschen in Deutschland leugnet, dass es hierzulande Rassismus gibt. In einer am Donnerstag in Berlin vorgestellten Studie zum Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitor (Nadira) sagten 90 Prozent, es gebe dieses Phänomen in der Bundesrepublik. Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) rief zu ein stärkerem Engagement gegen Rassismus auf und kündigte die Unterstützung entsprechender Initiativen an.

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Der Studie zufolge sind 70 Prozent der Menschen bereit, sich etwa an einer Demonstration oder einer Unterschriftenaktion zu beteiligen. 47 Prozent der Befragten gaben an, in den vergangenen fünf Jahren schon einmal einer rassistischen Aussage im Alltag widersprochen zu haben.

Die große Mehrheit in Deutschland erkennt an, dass es Rassismus in Deutschland gibt", sagte Paus bei der Vorstellung der Studie. Die Menschen seien auch bereit, sich dagegen zu engagieren. "Wir sind auf einem guten Weg."

"Deutschland weiß um sein Rassismusproblem", erklärte auch die Rassismus-Beauftragte der Bundesregierung, Reem Alabali-Radovan. Das Studienergebnis sei "eine gute Nachricht, denn sie ist ein wichtiger Schritt für Veränderung".

Der Studie zufolge meinen 65 Prozent, dass es in Behörden rassistische Diskriminierung gibt. Allerdings sagten auch 45 Prozent der Befragten, Rassismus-Kritik sei übertrieben und stelle eine Einschränkung der Meinungsfreiheit im Sinne "politischer Korrektheit" dar.

Manche, die sich über Rassismus beschwerten, seien "überempfindlich", sagten 33 Prozent. 52 Prozent vertraten sogar die Auffassung, dass die Betroffenen zu "ängstlich" seien.

Dabei stellt Rassismus in Deutschland offenbar kein Minderheitenproblem dar. Nur 35 Prozent der Befragten gaben an, noch nie mit Rassismus in Berührung gekommen zu sein, sagte der Direktor des Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM), Frank Kalter.

Damit waren rund zwei Drittel schon einmal Erfahrungen mit Rassismus konfrontiert, sei es direkt oder indirekt - etwa als Zeugin oder Zeuge. Selbst schon einmal Rassismus erfahren zu haben, gaben 22 Prozent der Bevölkerung an. "Es gibt ein großes Problembewusstsein", sagte DeZIM-Ko-Direktorin Naika Foroutan.

Rassismus müsse frühzeitig entgegen getreten werden, verlangte Paus. Sonst entstehe der Eindruck, dass er nur eine von vielen vertretbaren Meinungen sei. Mit dem geplanten Demokratiefördergesetz werde der Bund gesetzlich verpflichtet, "die Strukturen für das zivilgesellschaftliche Engagement gegen Extremismus und Rassismus dauerhafter zu machen".

"Rassismus ist Realität in unserer Gesellschaft und tief verwurzelt in ihren Strukturen", schrieb Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann auf Twitter. "Es braucht strukturelle Maßnahmen, ihn zu überwinden."

Der Bundestag hatte 2020 ein bundesweites Diskriminierungs- und Rassismusmonitoring beschlossen, mit dem das DeZIM beauftragt wurde. Ziel ist es, den Grundstein für ein dauerhaftes Monitoring von Rassismus in Deutschland zu legen. Der Nadira soll verlässliche Aussagen über Ursachen, Ausmaß und Folgen von Rassismus treffen, um darauf aufbauend Maßnahmen gegen Rassismus entwickeln zu können.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) unterstützt sechs ausgewählte Kommunen bei der Bekämpfung von Extremismus und dem gezielten Aufbau lokaler Deradikalisierungsarbeit. Gefördert würden Projekte aus Augsburg, Bamberg, Berlin, Essen, Heidelberg und Wolfsburg, hieß es in einer Erklärung. Sie richteten sich insbesondere gegen Islamismus und Rechtsextremismus. Die sechs Städte seien neue Wege gegangen, um Menschen für die Demokratie zurückzugewinnen.

(A.Nikiforov--DTZ)

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