Deutsche Tageszeitung - EU-Kommission legt Plan für Unabhängigkeit von russischer Energie vor

EU-Kommission legt Plan für Unabhängigkeit von russischer Energie vor


EU-Kommission legt Plan für Unabhängigkeit von russischer Energie vor
EU-Kommission legt Plan für Unabhängigkeit von russischer Energie vor / Foto: © AFP

Die EU-Kommission will die Europäische Union möglichst schnell unabhängig von Öl und Gas aus Russland machen - unter anderem durch Einsparungen und gemeinsame Einkäufe auf dem Weltmarkt. Zudem setzt Brüssel stark auf den Ausbau erneuerbarer Energien. Für diese Energiewende will Brüssel bis 2030 "bis zu 300 Milliarden Euro" mobilisieren, wie Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Mittwoch sagte.

Textgröße ändern:

Bis spätestens 2030 soll die EU unabhängig von fossilen Brennstoffen aus Russland sein. Um die Union dennoch mit ausreichend Energie zu versorgen, schlägt die Kommission vor, dass Industrie und Haushalte Energie einsparen sollen. So könnten "kurzfristig" fünf Prozent des Bedarfs an Öl und Gas weniger nötig sein, rechnete die Kommission vor.

Sie setzt zudem auf alternative Lieferanten wie die USA, Norwegen, Algerien, Nigeria, Senegal und Golfstaaten wie Katar. Die Grünen-Europaabgeordnete Hannah Neumann mahnte, eine engere Zusammenarbeit mit den Golfstaaten dürfe die EU nicht davon abhalten, "Fragen der regionalen Sicherheit und der Menschenrechte weiter offen anzusprechen".

Gemeinsame Einkäufe der Mitgliedstaaten schlägt die Kommission bei Flüssiggas (LNG) und Wasserstoff vor. Auf solche freiwilligen gemeinsamen Einkäufe am Markt hatten sich die 27 Mitgliedstaaten bereits beim EU-Gipfel im März geeinigt. Zudem soll die Infrastruktur für Wasserstoff und Biogas in Europa ausgebaut werden, wie Brüssel am Mittwoch vorschlug.

Anlagen zur Gewinnung von Solar- und Windkraft sollen demnach stark ausgebaut werden: Solaranlagen auf öffentlichen und kommerziell genutzten Gebäuden sollen laut Vorschlag der Kommission ab 2026 Pflicht werden. Für privat genutzte Neubauten soll das ab 2029 gelten. Die Genehmigungsverfahren sollen beschleunigt werden.

In der Mitteilung der Behörde wird eine Summe von 210 Milliarden Euro genannt, die nötig für die Energiewende sei. Von der Leyen nannte bis zu 300 Milliarden Euro. Ein Teil der Gelder könnte laut Kommission aus dem Kohäsionsfonds und aus Erlösen des europäischen Emissionshandels kommen. Aus dem Kohäsionsfonds werden Projekte zur aus den Bereichen Umwelt und Verkehrsinfrastruktur gefördert. Die Organisation Germanwatch kritisierte, es fehle "ein seriöser Plan, wie die Mittel mobilisiert werden können".

Brüssel schlug auch vor, Atom- und Kohlekraftwerke zur Stromgewinnung länger laufen zu lassen. Die Ziele aus dem Klimapaket "Fit for 55" will die Kommission jedoch nicht aufkündigen. Sie erhöhte vielmehr das Ziel, 40 Prozent der Energie aus Erneuerbaren bis 2030 zu gewinnen, auf 45 Prozent.

Mit den Vorschlägen der Kommission müssen sich nun die EU-Mitgliedstaaten beschäftigen.

(U.Beriyev--DTZ)

Empfohlen

Aufschwung im Baugewerbe - auch Industrieproduktion im August leicht im Plus

Die Produktion im Baugewerbe hat im August stark angezogen. Im Vergleich zum Vormonat legte sie nach vorläufigen Zahlen um 9,3 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch mitteilte. Auch die Industrieproduktion entwickelte sich demnach leicht positiv, während die Energieproduktion zurückging. Das gesamte Produzierende Gewerbe steigerte seinen Output so um 2,0 Prozent.

Einsatz von Tränengasgranate: Polizist wegen Gewaltanwendung bei Schülerprotesten angeklagt

Weil er während der Schülerproteste in Frankreich aus nächster Nähe eine Tränengasgranate auf einen 14-Jährigen abgefeuert hat, ist ein Polizist wegen Gewaltanwendung angeklagt worden. Der Beamte sei nach dem Vorfall in Saint-Ouen-l'Aumône nordwestlich von Paris nicht in Untersuchungshaft genommen sondern unter richterliche Aufsicht gestellt worden, teilte ein örtlicher Staatsanwalt am Dienstag mit.

Verfahren gegen russische Kinderhospizleiterin eingestellt

Die russische Justiz hat ein Verfahren gegen die Leiterin eines Kinderhospizes eingestellt, der die Verbreitung von Falschinformationen über die russische Armee vorgeworfen worden war. Die Ermittlungen gegen Lida Moniawa seien "mangels strafrechtlich relevanter Tatbestände" beendet worden, sagte ihr Anwalt Michail Birjukow am Dienstag. Ihre Organisation bestätigte die Einstellung des Verfahrens und erklärte: "Es grenzt an ein Wunder!"

Souveräne KI: Französisches Unternehmen Mistral stellt neues Modell vor

Das auf Künstliche Intelligenz (KI) spezialisierte französische Startup Mistral hat die Einführung eines neuen Modells angekündigt, mit dem das Unternehmen im KI-Wettrennen Boden gutmachen will. Das neue Modell ML4 werde es Nutzern erlauben, die Parameter der KI anzupassen, teilte Mistral am Dienstag mit. Dies soll demnach nicht nur eine bessere Leistung ermöglichen - sondern auch mehr Sicherheit für Kunden, die ihre Daten privat halten wollen.

Textgröße ändern: