Deutsche Tageszeitung - Weniger als die Hälfte der Beschäftigten bekommt Urlaubsgeld

Weniger als die Hälfte der Beschäftigten bekommt Urlaubsgeld


Weniger als die Hälfte der Beschäftigten bekommt Urlaubsgeld
Weniger als die Hälfte der Beschäftigten bekommt Urlaubsgeld / Foto: © AFP

In Deutschland erhält weniger als die Hälfte (46 Prozent) aller Beschäftigten in der Privatwirtschaft Urlaubsgeld. Bei Beschäftigten mit Tarifvertrag beträgt der Anteil dagegen 74 Prozent, wie eine am Freitag veröffentlichte Studie der Hans-Böckler-Stiftung ergab. Die Höhe des Urlaubsgeldes liegt demnach zwischen 180 und 2627 Euro.

Textgröße ändern:

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Stiftung wertete die Angaben von mehr als 66.000 Beschäftigten von Anfang Mai 2021 bis Ende April 2022 aus. "Angesichts der hohen Inflationsraten ist das Urlaubsgeld für viele Beschäftigte in diesem Jahr ein Segen", sagte der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Thorsten Schulten.

Faktoren für die Zahlung von Urlaubsgeld sind neben der Tarifbindung die Größe des Unternehmens und die Höhe des Einkommens, wie die Studie ergab. In Firmen ohne Tarifvertrag erhalten der Analyse zufolge nur 36 Prozent der Beschäftigten Urlaubsgeld.

In Ostdeutschland ist die Tarifbindung deutlich geringer als in Westdeutschland - daher bekommen in Ostdeutschland 32 Prozent der Beschäftigten ein Urlaubsgeld, im Westen sind es 48 Prozent. Das WSI verwies auf Ergebnisse des Betriebspanels des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg, wonach im vergangenen Jahr 54 Prozent der westdeutschen und 45 Prozent der ostdeutschen Beschäftigten in Betrieben mit Tarifvertrag arbeiteten.

Weil große Unternehmen eher einen Tarifvertrag anwenden, steigt die Wahrscheinlichkeit, Urlaubsgeld zu erhalten, zudem mit zunehmender Beschäftigtenzahl. Auch bei den Geschlechtern zeigen sich deutliche Unterschiede: So arbeiten Männer mit 49 Prozent häufiger in Betrieben, die ein Urlaubsgeld zahlen, als Frauen, von denen nur 41 Prozent eine entsprechende Sonderzahlung bekommen.

Geringverdienerinnen und Geringverdiener mit einem Bruttomonatslohn von unter 2300 Euro erhalten nur zu 36 Prozent ein Urlaubsgeld, wie die Analyse weiter ergab. In den darüberliegenden Entgeltgruppen sind es demnach 48 beziehungsweise 49 Prozent. "Auch in dieser Hinsicht dürfte ein enger Zusammenhang mit der Tarifbindung bestehen, da diese im Niedriglohnsektor deutlich geringer ausfällt", erklärte das WSI.

Die Branche bestimmt außerdem die Höhe des Urlaubsgelds, wie die Auswertung für 22 Tarifbranchen ergab. Am wenigsten Urlaubsgeld bekommen demnach Beschäftigte in der Landwirtschaft und im Hotel- und Gaststättengewerbe. Die höchsten Zahlungen erhalten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unter anderem in der Holz- und Kunststoffverarbeitung, in der Papier verarbeitenden Industrie, in der Metallindustrie, in der Druckindustrie, im Kfz-Gewerbe, im Versicherungsgewerbe, im Einzelhandel, im Bauhauptgewerbe und in der chemischen Industrie.

In elf der 22 Branchen erhöhte sich das Urlaubsgeld zum Vorjahr - nämlich dort, wo die Sonderzahlung als Prozentsatz des Tariflohns festgelegt wird. Die Erhöhungen lagen laut WSI zwischen 1,5 und 3,0 Prozent.

Die Daten beruhen auf einer kontinuierlichen Online-Umfrage unter Erwerbstätigen in Deutschland. Die Umfrage ist nicht repräsentativ, wie das WSI betonte. Sie erlaube aber aufgrund der hohen Fallzahlen detaillierte Einblicke in die tatsächlich gezahlten Vergütungen und die Häufigkeit von Sonderzahlungen. Beschäftigte des öffentlichen Dienstes wurden in der Analyse nicht berücksichtigt; bei ihnen wird das Urlaubs- und Weihnachtsgeld seit der Tarifreform 2005 in einer einzigen Jahressonderzahlung zusammengefasst.

(O.Zhukova--DTZ)

Empfohlen

Einsatz von Tränengasgranate: Polizist wegen Gewaltanwendung bei Schülerprotesten angeklagt

Weil er während der Schülerproteste in Frankreich aus nächster Nähe eine Tränengasgranate auf einen 14-Jährigen abgefeuert hat, ist ein Polizist wegen Gewaltanwendung angeklagt worden. Der Beamte sei nach dem Vorfall in Saint-Ouen-l'Aumône nordwestlich von Paris nicht in Untersuchungshaft genommen sondern unter richterliche Aufsicht gestellt worden, teilte ein örtlicher Staatsanwalt am Dienstag mit.

Verfahren gegen russische Kinderhospizleiterin eingestellt

Die russische Justiz hat ein Verfahren gegen die Leiterin eines Kinderhospizes eingestellt, der die Verbreitung von Falschinformationen über die russische Armee vorgeworfen worden war. Die Ermittlungen gegen Lida Moniawa seien "mangels strafrechtlich relevanter Tatbestände" beendet worden, sagte ihr Anwalt Michail Birjukow am Dienstag. Ihre Organisation bestätigte die Einstellung des Verfahrens und erklärte: "Es grenzt an ein Wunder!"

Souveräne KI: Französisches Unternehmen Mistral stellt neues Modell vor

Das auf Künstliche Intelligenz (KI) spezialisierte französische Startup Mistral hat die Einführung eines neuen Modells angekündigt, mit dem das Unternehmen im KI-Wettrennen Boden gutmachen will. Das neue Modell ML4 werde es Nutzern erlauben, die Parameter der KI anzupassen, teilte Mistral am Dienstag mit. Dies soll demnach nicht nur eine bessere Leistung ermöglichen - sondern auch mehr Sicherheit für Kunden, die ihre Daten privat halten wollen.

Internationaler Währungsfonds: Anhaltender Preisschock wegen Kriegen und Krisen

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht anhaltende Auswirkungen von Kriegen und Krisen weltweit auf das Preisniveau von Lebensmitteln und Energie. Die Preise für lebensnotwendige Güter seien im Vergleich zu anderen Gütern inzwischen seit Jahren deutlich erhöht, erklärte der IWF am Dienstag. Die Menschen seien "mit einer anhaltenden Verschlechterung der Erschwinglichkeit von Gütern des täglichen Bedarfs" konfrontiert.

Textgröße ändern: