Deutsche Tageszeitung - Mieterbund lehnt Absenkung der Mindesttemperatur ab

Mieterbund lehnt Absenkung der Mindesttemperatur ab


Mieterbund lehnt Absenkung der Mindesttemperatur ab
Mieterbund lehnt Absenkung der Mindesttemperatur ab / Foto: © AFP/Archiv

In der Debatte über Energieeinsparungen hat sich der Deutsche Mieterbund gegen den Vorschlag ausgesprochen, die für Vermieter vorgeschriebene Mindesttemperatur in Wohnräumen zeitlich befristet abzusenken. Er halte den Vorschlag für "zu undifferenziert", sagte der Präsident des Mieterbundes, Lukas Siebenkotten, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitagsausgaben).

Textgröße ändern:

"Ältere Menschen etwa frieren häufig schneller als jüngere. Ihnen jetzt pauschal zu sagen, sie sollen sich eine Wolldecke mehr nehmen, kann nicht die Lösung sein", argumentierte Siebenkotten. Wer in einer schlecht sanierten Wohnung lebe, müsse mit weiteren Kosten rechnen, wolle er die Mindesttemperatur halten, warnte er zudem.

Der Mieterbund setzt stattdessen auf Freiwilligkeit. "Mit freiwilligen Maßnahmen werden wir dabei mehr Erfolg erzielen, als es sich mancher vorzustellen vermag", sagte Siebenkotten. Viele Mieter würden bereits Energie sparen, der Deutsche Mieterbund wolle in den kommenden Wochen und Monaten weiter für Einsparungen werben. Zugleich verwies Siebenkotten darauf, dass das Bewusstsein für einen sparsamen Umgang mit Energie bei allen Menschen geschärft werden müsse - "auch bei denen, die im Eigentum wohnen".

Vor dem Hintergrund gedrosselter russischer Gaslieferungen hatte sich der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, zuvor dafür ausgesprochen, die Heiz-Vorgaben für Vermieter zu senken, um Gas zu sparen. "Im Mietrecht gibt es Vorgaben, wonach der Vermieter die Heizungsanlage während der Heizperiode so einstellen muss, dass eine Mindesttemperatur zwischen 20 und 22 Grad Celsius erreicht wird. Der Staat könnte die Heiz-Vorgaben für Vermieter zeitweise senken", sagte er der "Rheinischen Post".

Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen GdW sprach sich dafür aus, eine deutliche Absenkung der Mindesttemperatur zu ermöglichen, falls die Gaslieferungen nach Deutschland künftig weiter eingeschränkt werden und es zu einer Mangelsituation kommt. In diesem Falle solle "der Rechtsrahmen so angepasst werden, dass weitere Absenkungen der Mindesttemperatur auf eine maximale Untergrenze von 18 Grad tagsüber und 16 Grad nachts möglich werden", sagte GdW-Präsident Axel Gedaschko den Funke-Zeitungen.

"Nur auf diese Weise, wenn alle Menschen und Wirtschaftsbereiche ihren konsequenten Beitrag zum Energiesparen leisten, werden kritische Versorgungsengpässe als gemeinsame gesellschaftliche Leistung gemeistert werden können", sagte Gedaschko.

Der unternehmernahe CDU-Wirtschaftsrat stellte sich hinter die Forderung nach einer geringeren Mindesttemperatur beim Heizen. "Auch bei 18 Grad Innentemperatur kann man mit etwas warmer Kleidung problemlos leben", sagte der Generalsekretär des Rates, Wolfgang Steiger, der Funke Mediengruppe.

Deutschland müsse im kommenden Winter große Mengen an Gas sparen, um über die Runden zu kommen, sagte Steiger. 20 bis 22 Grad seien im Winter "ein Luxusgut". Der Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrates warnte zudem vor "verheerenden Konsequenzen" für den Arbeitsmarkt, wenn im Notfall zuerst die Industrie kein Gas mehr erhalte.

(O.Zhukova--DTZ)

Empfohlen

Einsatz von Tränengasgranate: Polizist wegen Gewaltanwendung bei Schülerprotesten angeklagt

Weil er während der Schülerproteste in Frankreich aus nächster Nähe eine Tränengasgranate auf einen 14-Jährigen abgefeuert hat, ist ein Polizist wegen Gewaltanwendung angeklagt worden. Der Beamte sei nach dem Vorfall in Saint-Ouen-l'Aumône nordwestlich von Paris nicht in Untersuchungshaft genommen sondern unter richterliche Aufsicht gestellt worden, teilte ein örtlicher Staatsanwalt am Dienstag mit.

Verfahren gegen russische Kinderhospizleiterin eingestellt

Die russische Justiz hat ein Verfahren gegen die Leiterin eines Kinderhospizes eingestellt, der die Verbreitung von Falschinformationen über die russische Armee vorgeworfen worden war. Die Ermittlungen gegen Lida Moniawa seien "mangels strafrechtlich relevanter Tatbestände" beendet worden, sagte ihr Anwalt Michail Birjukow am Dienstag. Ihre Organisation bestätigte die Einstellung des Verfahrens und erklärte: "Es grenzt an ein Wunder!"

Souveräne KI: Französisches Unternehmen Mistral stellt neues Modell vor

Das auf Künstliche Intelligenz (KI) spezialisierte französische Startup Mistral hat die Einführung eines neuen Modells angekündigt, mit dem das Unternehmen im KI-Wettrennen Boden gutmachen will. Das neue Modell ML4 werde es Nutzern erlauben, die Parameter der KI anzupassen, teilte Mistral am Dienstag mit. Dies soll demnach nicht nur eine bessere Leistung ermöglichen - sondern auch mehr Sicherheit für Kunden, die ihre Daten privat halten wollen.

Internationaler Währungsfonds: Anhaltender Preisschock wegen Kriegen und Krisen

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht anhaltende Auswirkungen von Kriegen und Krisen weltweit auf das Preisniveau von Lebensmitteln und Energie. Die Preise für lebensnotwendige Güter seien im Vergleich zu anderen Gütern inzwischen seit Jahren deutlich erhöht, erklärte der IWF am Dienstag. Die Menschen seien "mit einer anhaltenden Verschlechterung der Erschwinglichkeit von Gütern des täglichen Bedarfs" konfrontiert.

Textgröße ändern: