Deutsche Tageszeitung - Industrieverband fordert stärkere Standardisierung in deutscher Bauwirtschaft

Industrieverband fordert stärkere Standardisierung in deutscher Bauwirtschaft


Industrieverband fordert stärkere Standardisierung in deutscher Bauwirtschaft
Industrieverband fordert stärkere Standardisierung in deutscher Bauwirtschaft / Foto: © AFP/Archiv

Ohne eine stärkere Standardisierung und Industrialisierung in der Bauwirtschaft sind zentrale Infrastrukturziele wie der Neubau von jährlich 400.000 Wohnungen nach Einschätzung des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI) nicht zu erreichen. Bauen und Sanieren müssten "deutlich effizienter und produktiver werden", forderte der Dachverband in einem am Freitag in Berlin veröffentlichten Positionspapier. "Dazu muss die bisher vorherrschende Kleinteiligkeit beim Bauen überwunden werden."

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Der BDI verwies dabei unter anderem auf das von der Berliner Ampelkoalition ausgegebene Ziel des Neubaus von 400.000 Wohnungen pro Jahr, um die Lage auf den Wohnungsmarkt zu entspannen. Dazu kämen weitere Herausforderungen für die Bau- und Immobilienwirtschaft im Rahmen der Verkehrs- und Energiewende, etwa die energetische Sanierung des Wohnungsbestands oder der Aus- und Umbau der Verkehrsinfrastruktur. Ein weiterer Kapazitätsausbau der Bauwirtschaft allein werde vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen alleine nicht ausreichen.

Nötig sei deshalb zudem eine "Industrialisierung und Digitalisierung", hieß es in dem Papier. Dieses erfordere neben "seriellen, modularen und typisierten Methoden" vor allem "eine neue partnerschaftliche Zusammenarbeit innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette Bau", die letztlich von den Architekturbüros über das Baugewerbe und die Zulieferindustrie bis zur Immobilienwirtschaft reiche. Zentral sei außer der Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren auch eine Digitalisierung von Verwaltungs- sowie Projektmanagementprozessen.

Der Gesamtverband der deutschen Wohnungswirtschaft (GdW) stufte das Ziel des Neubaus von 400.000 Wohnungen pro Jahr bereits als unrealistisch ein. In den nächsten drei bis vier Jahren sei dies "illusorisch", sagte GdW-Präsident Axel Gedaschko der "Bild"-Zeitung vom Freitag. So würden in diesem Jahr bundesweit lediglich rund 250.000 Wohnungen neu entstehen. Probleme bereiteten steigende Baukosten und lange Genehmigungsverfahren. Außerdem müsse das Förderwesen der staatlichen Förderbank KfW reformiert werden, forderte der Verbandspräsident.

Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) sagte der "Bild"-Zeitung, sie halte an dem Neubauziel von 400.000 Wohnungen pro Jahr fest. Eine Abkehr davon wäre "grundverkehrt". Derzeit seien auch im Bausektor die Folgen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zu spüren. Knapp 850.000 Wohnungen seien in der Warteschleife, weil Material und Arbeitskräfte fehlten, fügte sie an. Auch die Ministerin sprach sich für Beschleunigungen durch "serielles Bauen" aus.

Laut einer Ifo-Umfrage werden derzeit ungewöhnlich viele Bauprojekte in Deutschland storniert. Beim Hochbau betrug der Anteil der betroffenen Unternehmen im Juni 11,5 Prozent, im Tiefbau waren es 9,0 Prozent, wie das Institut in München mitteilte. Die Größenordnung sei vergleichbar mit dem Schock im Frühjahr 2020 durch den Ausbruch der weltweiten Coronapandemie.

Die Auftragsbücher seien im Mittel zwar weiterhin "prall gefüllt", erklärte das Ifo. Doch es fehle vielerorts an Material: 47,1 Prozent der Hochbauunternehmen meldeten im Juni Lieferengpässe, im Tiefbau waren es 39,7 Prozent. Im Mai seien die Anteile zwar noch deutlich höher gewesen, die Engpässe bildeten sich aber nur langsam zurück. Dabei komme es infolge der Knappheit zu rasanten Preisanstiegen, auch die hohen Energiepreise belasteten.

(M.Travkina--DTZ)

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