Deutsche Tageszeitung - Gazprom drosselt Lieferungen durch Nord Stream 1 auf nur noch 20 Prozent

Gazprom drosselt Lieferungen durch Nord Stream 1 auf nur noch 20 Prozent


Gazprom drosselt Lieferungen durch Nord Stream 1 auf nur noch 20 Prozent
Gazprom drosselt Lieferungen durch Nord Stream 1 auf nur noch 20 Prozent / Foto: © AFP

Der russische Energieriese Gazprom hat seine Lieferung durch die Pipeline Nord Stream 1 weiter reduziert. Seit Mittwoch kommen nur noch 20 Prozent der Kapazität durch die Leitung. Damit kann Deutschland jetzt im Sommer immer noch Gas einspeichern, wie der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, im Deutschlandfunk sagte. Im Herbst ändere sich die Lage aber - deswegen seien schon jetzt "alle Sparanstrengungen notwendig".

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Müller sagte im Deutschlandfunk, "zur Zeit sehen wir die nominierte Drosselung". Gazprom hatte am Montagabend angekündigt, die Gaslieferungen durch Nord Stream 1 ab Mittwochmorgen von 40 Prozent auf nur noch 20 Prozent der Kapazität zu drosseln, rund 33 Millionen Kubikmeter am Tag.

Der für Nord Stream 1 zuständige Netzwerkbetreiber Gascade bestätigte, seit acht Uhr am Mittwochmorgen würden stündlich 1,28 Millionen Kubikmeter Gas ankommen, das seien etwa 20 Prozent der maximalen Kapazität.

Russland hatte als Grund für die Drosselung die Wartung einer Turbine angegeben. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wiederholte dies am Mittwoch und kritisierte, die Sanktionen des Westens erschwerten die Wartung. Die Bundesregierung weist diese Argumentation zurück. Auch Netzagentur-Chef Müller kritisierte, Gas sei inzwischen Teil der russischen Außenpolitik, der russischen Kriegsstrategie.

Ein Lichtblick waren am Mittwoch zusätzliche Nominierungen, also Ankündigungen von Gaslieferungen, bei der slowakischen Transgas-Leitung. Nach Angaben des Netzbetreibers Eugas stiegen die Nominierungen am Startpunkt der Leitung, dem slowakischen Ort Velke Kapusany, von rund 36,7 Millionen Kubikmeter am Mittwoch auf über 56 Millionen Kubikmeter am Donnerstag.

Wann in Deutschland eine Gasmangellage ausgerufen werden müsse, "kann ich schlicht nicht vorhersagen", sagte Netzagentur-Chef Müller im Deutschlandfunk. Das hänge unter anderem von der Temperatur im Herbst, von den Einsparerfolgen der Industrie, den Lieferungen der Nachbarländer und der Inbetriebnahme der Flüssiggas-Terminals ab. Müller lobte erste "Einsparerfolge": Private Haushalte und die Industrie verbrauchten "auch temperaturbereinigt fünf, sechs, sieben Prozent weniger Gas".

Die Bundesregierung will in diesem Winter mehr Gas einsparen als die 15 Prozent, auf die sich die EU-Staaten in ihrem Gas-Notfallplan am Dienstag verständigt hatten. Vielleicht seien je nach Härte des Winters auch "16 oder 20 Prozent" zu schaffen, sagte Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne).

Der Verband der Elektrotechnik und der Verein des Gas- und Wasserfaches rieten ab von mobilen elektrischen Direktheizgeräten wie Heizlüfter, Radiatoren oder Heizstrahlern. Diese Geräte seien relativ preisgünstig, die Nachfrage habe entsprechend stark zugenommen und dürfte weiter steigen. Jedoch: "Unsere Stromversorgung ist für eine derartige gleichzeitige Zusatzbelastung nicht ausgelegt", erklärten die Verbände.

Da die Heizgeräte einfach an eine Haushaltssteckdose angeschlossen werden, könnten sie – im Gegensatz zu elektrischen Wärmepumpen oder Nachtspeicher-Heizungen – im Falle von drohenden Netzüberlastungen nicht vom Netzbetreiber abgeschaltet werden. Diese Art zu heizen sei zudem sehr teuer.

Auch in einer Gasmangellage bleibe Gas in den Verteilnetzen, mit dem die Kundinnen und Kunden versorgt würden, versicherten die Verbände. Allein aus technischen Gründen könne ein lokales Gasnetz, wie etwa ein Straßenzug oder ein Quartier, nicht so einfach abgeschaltet werden. Sicherheitseinrichtungen in den Gebäuden würden beim Unterschreiten eines Mindestdrucks des Gases oder beim Leerlaufen der Gasnetze aktiviert. Jedes einzelne Sicherheitsventil müsste dann durch Fachpersonal wieder entriegelt werden.

(O.Zhukova--DTZ)

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