Deutsche Tageszeitung - Ukrainischer Energieversorger schaltet zeitweise Strom in Kiew ab

Ukrainischer Energieversorger schaltet zeitweise Strom in Kiew ab


Ukrainischer Energieversorger schaltet zeitweise Strom in Kiew ab
Ukrainischer Energieversorger schaltet zeitweise Strom in Kiew ab / Foto: © Vitaliy Koval Telegram Channel/AFP

Nach wiederholten russischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur der Ukraine hat das staatliche Energieunternehmen Ukrenergo am Sonntag in der Hauptstadt Kiew zeitweise den Strom abgeschaltet. Wie der Stromversorger DTEK mitteilte, begann Ukrenergo mit geplanten "Stabilisierungs-Abschaltungen" ab 11.13 Uhr (Ortszeit, 10.13 Uhr MESZ). Das russische Verteidigungsministerium meldete am selben Tag die Zerstörung eines ukrainischen Treibstofflagers. Verteidigungsminister Sergej Schoigu telefonierte derweil mit den Verteidigungsministern in Paris, London und Ankara.

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Die Stromabschaltungen in Kiew sollten nach Angaben von DTEK nicht länger als vier Stunden dauern, der Versorger schloss Verlängerungen aber nicht ganz aus. Die Stromsperren würden eingeführt, "um Unfälle zu verhindern", erklärte DTEK.

Russland hatte die Ukraine in der Nacht zum Samstag nach Angaben des ukrainischen Präsidenten erneut mit "massiven" Raketenangriffen überzogen. "Der Aggressor terrorisiert unser Land weiter", erklärte Wolodymyr Selenskyj in den Online-Netzwerken. Russland habe 35 Raketen abgefeuert. Mehr als eine Million Haushalte hatten laut Präsididalamt keinen Strom mehr.

Wie das russische Verteidigungsministerium am Sonntag mitteilte, zerstörte die russische Armee zudem ein Treibstofflager in der Region Tscherkassy in der Zentralukraine, "das mehr als 100.000 Tonnen Flugzeugbenzin für die ukrainischen Luftstreitkräfte beherbergte". Demnach wurden überdies mehrere Munitionslager sowie ein Benzin-Reservoir für ukrainische Militärfahrzeuge beschädigt.

Der russische Verteidigungsminister Schoigu telefonierte derweil am Sonntag mit den Verteidigungsministern Frankreichs, der Türkei und Großbritanniens über die Lage in der Ukraine. Wie sein Ministerium mitteilte, sprach Schoigu zunächst mit dem französischen Minister Sébastien Lecornu über die Situation, "welche die ständige Tendenz hin zu einer weiteren, unkontrollierten Eskalation" habe.

Später habe Schoigu mit dem türkischen Verteidigungsminister Hulusi Akar telefoniert. In beiden Telefonaten habe er seine Sorge zum Ausdruck gebracht, dass die Ukraine eine sogenannte "dreckige Bombe" einsetzen könnte - also einen konventionellen Sprengkörper, der bei seiner Explosion radioaktives Material in der Umgebung verteilt. Dies habe er schließlich auch im Gespräch mit dem britischen Verteidigungsminister Ben Wallace zur Sprache gebracht, hieß es in einer weiteren Mitteilung des russischen Verteidigungsministeriums.

Am Vortag hatten die pro-russischen Behörden angesichts des Vormarschs von Kiews Streitkräften im Süden der Ukraine alle Zivilisten aufgefordert, die südukrainische Stadt Cherson "sofort" zu verlassen. Auch im russischen Grenzgebiet zur Ukraine bereiten sich örtliche Behörden nach eigenen Angaben auf Angriffe vor. In der Region Kursk seien in dieser Woche zwei "verstärkte Abwehrlinien" fertiggestellt worden, erklärte der örtliche Gouverneur Roman Starowoit am Sonntag in Onlinedienst Telegram.

Diese Verteidigungsstrukturen scheinen aus einer Reihe von Bunkern zu bestehen, in denen Soldaten Munition lagern und aus schmalen Schlitzen schießen können, wie aus von Starowoit veröffentlichten Fotos hervorgeht. "Wir sind bereit, jeden Eingriff in unser Territorium abzuwehren", erklärte der Gouverneur.

Auch der Gouverneur der benachbarten Region Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, hatte am Samstag auf Telegram mitgeteilt, dass in der Region der Bau von Abwehrstrukturen begonnen habe. In der Stadt Schebekino in Belgorod waren am Samstag nach Angaben der örtlichen Behörden bei ukrainischen Angriffen zwei Menschen getötet worden. Russland hatte in diesem Monat vermehrten ukrainischen Beschuss auf Gebiete an der Grenze gemeldet.

(T.W.Lukyanenko--DTZ)

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