Deutsche Tageszeitung - Dezember-Hilfe und sinkende Spritpreise drücken Inflation unter zehn Prozent

Dezember-Hilfe und sinkende Spritpreise drücken Inflation unter zehn Prozent


Dezember-Hilfe und sinkende Spritpreise drücken Inflation unter zehn Prozent
Dezember-Hilfe und sinkende Spritpreise drücken Inflation unter zehn Prozent / Foto: © AFP/Archiv

Die Soforthilfe des Bundes und sinkende Benzinpreise haben die Inflation im Dezember wieder in den einstelligen Bereich gedrückt: Die Teuerung betrug voraussichtlich 8,6 Prozent im Jahresvergleich, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Im November hatte die Inflation noch 10,0 Prozent betragen, im Oktober 10,4 Prozent. Im Jahresdurchschnitt war die Rate allerdings 2022 mit 7,9 Prozent so hoch wie noch nie.

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Verglichen mit November dieses Jahres sanken die Preise sogar - und zwar um 0,8 Prozent. Grund für die niedriger ausfallende Inflation war unter anderem die Dezember-Soforthilfe - der Bund übernahm für diesen Monat die Abschläge für Gas und Wärme. Das Bundesamt wies aber darauf hin, dass der konkrete Effekt noch unklar sei, Details dazu sollen mit der Veröffentlichung der endgültigen Inflationsergebnisse am 17. Januar vorliegen.

Trotz der Soforthilfe waren Energie sowie auch Lebensmittel auch im Dezember wieder die Preistreiber. Energie wurde 24,4 Prozent teurer, bei Nahrungsmitteln stand im Jahresvergleich ein Plus von 20,7 Prozent. Dienstleistungen lagen mit 3,9 Prozent deutlich unter der Inflation, bei der Wohnungsmiete stand lediglich ein Plus von 1,9 Prozent.

Im Jahresdurchschnitt betrug die Teuerungsrate den Statistikern zufolge voraussichtlich 7,9 Prozent - das wäre der höchste jemals gemessene Wert für die Bundesrepublik. Die bislang höchste Jahresinflation war demnach 1951 mit 7,6 Prozent gemessen worden.

Der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Sebastian Dullien, führte das Abflauen ebenfalls auf die Dezember-Abschlagshilfe sowie die zuletzt gesunkenen Benzinpreise zurück. Er schätzt, dass mit dem deutlichen Rückgang nun die "Kehrtwende bei der Inflation geschafft" sein dürfte. "Solange es keinen neuen, heftigen Energiepreisschock gibt, dürften wir auf absehbare Zeit in Deutschland nun keine zweistelligen Inflationsraten mehr sehen", erklärte Dullien.

Für das kommende Jahr rechnet das IMK mit einer Inflation von nur noch rund fünf Prozent. Dämpfend dürften sich in den kommenden Monaten die dann greifenden Preisbremsen für Strom und Gas auswirken. Eine Entspannung deute sich auch bei den Lebensmittelpreisen an. Auf dem Weltmarkt und im Großhandel seien die Nahrungsmittelpreise bereits gefallen. Das könnte bald bei den Endverbrauchern ankommen.

Die KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib erklärte, die Entwicklung dürfte auch die Konjunktur stützen. Es wäre jedoch "ein Fehler, wenn die EZB sich dadurch verleiten ließe, die Straffung der Geldpolitik vorzeitig zu beenden", erklärte sie mit Blick auf die Europäische Zentralbank.

Der ING-Ökonom Carsten Brzeski erklärte, trotz der Verlangsamung zum Jahresende bleibe die Inflation eine der größten wirtschaftlichen Sorgen des neuen Jahres. Es werde ein "langer und schwieriger" Weg, sie dauerhaft nach unten zu drücken. Gleichwohl dürften zweistellige Raten zunächst der Vergangenheit angehören. Für 2023 rechne das Institut mit einer Rate von sechs Prozent. Die EZB strebt zwei Prozent Inflation an.

(A.Stefanowych--DTZ)

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