Deutsche Tageszeitung - EU vereinbart milliardenschweres Munitionspaket für die Ukraine

EU vereinbart milliardenschweres Munitionspaket für die Ukraine


EU vereinbart milliardenschweres Munitionspaket für die Ukraine
EU vereinbart milliardenschweres Munitionspaket für die Ukraine / Foto: © AFP

Die Europäische Union hat ein Munitionspaket für die Ukraine im Umfang von zwei Milliarden Euro auf den Weg gebracht. Die Außen- und Verteidigungsminister vereinbarten am Montag in Brüssel, in den nächsten zwölf Monaten eine Million Geschosse an die Ukraine zu liefern und dafür erstmals gemeinsame Bestellungen bei der Rüstungsindustrie aufzugeben. Damit betrete die EU "Neuland", sagte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Ziel müsse es sein, "noch in diesem Jahr eine nennenswerte Zahl" von Artillerie-Munition an die Ukraine zu liefern.

Textgröße ändern:

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba, der per Videoschalte an den Beratungen teilnahm, begrüßte die "wichtigen Entscheidungen, die die Fähigkeiten der Ukraine auf dem Schlachtfeld stärken werden". Er drängte die Europäer, die Munition "so schnell wie möglich" zu liefern".

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hatte den Mitgliedsländern das "außerordentliche Hilfspaket" für die Ukraine vorgeschlagen. Wichtig seien nun drei Dinge, sagte der Spanier: die Munition "schnell, günstig und im nötigen Umfang" zu liefern.

Auf Vorschlag Borrells sollen die Mitgliedsländer zunächst ihre Armeebestände nach Munition durchforsten und diese an die Ukraine weitergeben. Zur Entschädigung steht insgesamt eine Milliarde Euro bereit. Mit der zweiten Milliarde soll in einem zweiten Schritt eine gemeinsame europäische Beschaffung neuer Artillerie-Munition vom Nato-Kaliber 155 Millimeter für die Ukraine finanziert werden.

Pistorius sagte, solch ein Vorgehen habe es in der EU bisher noch nicht gegeben. "Wir beschreiten hier einen neuen Weg bei der kooperativen Beschaffung in Europa, wir bündeln damit Europas Marktmacht", betonte er.

Die Bundesregierung will allerdings "zweigleisig fahren", wie der SPD-Politiker betonte. Zum einen trägt Deutschland nach seinen Angaben die europäische Beschaffung mit. Zum anderen will die Bundesregierung deutsche Rahmenverträge mit der Rüstungsindustrie für andere Partner öffnen, weil die Lieferungen dann schneller gehen könnten. Dänemark und die Niederlande haben nach Pistorius' Angaben bereits Interesse signalisiert.

Um eine Einigung zu ermöglichen war der EU-Außenbeauftragte Borrell der Bundesregierung zuvor in einem zentralen Punkt entgegengekommen: Die Munitionsbestellungen müssten nicht zwingend wie von ihm vorgeschlagen zentral über die Europäische Verteidigungsagentur (EDA) gebündelt werden, stellte er klar. Dazu sind nach seinen Angaben bisher 15 Länder in Europa bereit. Eine Initiative unter Federführung eines Mitgliedslandes sei aber ebenso möglich, betonte Borrell: "Wenn Deutschland eine Möglichkeit hat, dies zu organisieren, ist es nicht ausgeschlossen."

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte vergangene Woche bei seiner Regierungserklärung im Bundestag anklingen lassen, dass er eine eigene Initiative bevorzugt. Deutschland sei bereit, "Beschaffungsvorhaben auch für andere Mitgliedsstaaten zu öffnen", sagte er. Scholz wird ab Donnerstag zum EU-Gipfel in Brüssel erwartet, der das Munitionspaket abschließend billigen soll.

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) sagte in Brüssel, Deutschland gehe in Europa "voran mit der Gepard-Munition". Sie spielte damit auf 300.000 Geschosse für den Flugabwehrpanzer an, die das Verteidigungsministerium im Februar bestellt hatte. Sie sollen vom Rüstungskonzern Rheinmetall ab dem Sommer an die Ukraine geliefert werden. Insgesamt hat Deutschland Kiew 37 dieser Panzer zugesagt.

EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton besuchte derweil die französische Rüstungsschmieden Nexter und MBDA und drängte die EU-Staaten, "europäisch zu kaufen". Die Idee hinter dem EU-Rüstungsplan sei es nicht, nationale Bestände in den USA oder Israel wieder aufzufüllen. Die Niederlande wollen laut Diplomaten Verträge mit den USA schließen.

Der dritte Teil des Munitions-Plans ist auch deshalb weiter umstritten, wie Breton einräumte. Er sieht vor, die Rüstungsproduktion in Europa infolge des russischen Angriffskriegs massiv anzukurbeln. Die Unternehmen hatten ihre Kapazitäten seit Ende des Kalten Krieges deutlich heruntergefahren.

(L.Barsayjeva--DTZ)

Empfohlen

Trump: Tech-Chefs verpflichten sich zur KI-Selbstkontrolle

Die USA setzen bei Künstlicher Intelligenz (KI) auf freiwillige Selbstkontrolle statt gesetzliche Vorschriften: Die Chefs der wichtigsten US-Tech-Unternehmen unterzeichneten nach Angaben von Präsident Donald Trump am Dienstag bei einem Treffen im Weißen Haus ein Abkommen zur Selbstregulierung. Der Text sei "moralisch bindend", sagte Trump.

Künstliche Intelligenz: Tech-Chefs zu Gespräch mit Trump eingetroffen

Die Chefs der großen US-Tech-Konzerne sind zu einem Gespräch mit Präsident Donald Trump am Weißen Haus eingetroffen. Bei dem Arbeitsessen sollte es am Dienstag um eine mögliche Regulierung von Künstlicher Intelligenz (KI) gehen, wie der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, mitteilte.

Französische Gewerkschaften: Mehr als 300.000 Menschen demonstrieren für höhere Löhne

Bei einem Protesttag für Lohnerhöhungen im öffentlichen Dienst sind in Frankreich nach Gewerkschaftsangaben am Dienstag landesweit mehr als 300.000 Menschen auf die Straße gegangen. Dem Gewerkschaftsbund CGT zufolge demonstrierten in der Hauptstadt Paris 70.000 Menschen für höhere Löhne; in Marseille waren es 30.000. 11.000 protestierten demnach in Toulouse und 10.000 in Lille und Bordeaux.

Pistorius will 16 neue Airbus-Transportmaschinen vom Typ A400M kaufen

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) plant den milliardenschweren Kauf von 16 neuen Maschinen des Transportflugzeugs A400M. Dazu führe sein Ministerium bereits sehr gute Gespräche mit dem Hersteller Airbus, sagte Pistorius am Dienstag in Bremen. Demnach verfügt die Bundeswehr bisher über 53 solche Maschinen. 16 von ihnen seien aber nur für logistische Einsätze ausgelegt und nicht für taktische Einsätze im Gefecht. Ihnen fehle etwa die nötige Raketenabwehr zum Selbstschutz.

Textgröße ändern: