Deutsche Tageszeitung - Wirtschaftsweise heben Wachstumsprognose leicht an - Warnungen vor Risiken

Wirtschaftsweise heben Wachstumsprognose leicht an - Warnungen vor Risiken


Wirtschaftsweise heben Wachstumsprognose leicht an - Warnungen vor Risiken
Wirtschaftsweise heben Wachstumsprognose leicht an - Warnungen vor Risiken / Foto: © AFP

Das wirtschaftliche Beratungsgremium der Bundesregierung, die sogenannten Wirtschaftsweisen, haben ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr leicht angehoben. Statt von einem Rückgang um 0,2 Prozent werde nun mit einem Wachstum von 0,2 Prozent gerechnet, heißt es im aktualisierten Gutachten des Gremiums, das am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Auch die Inflation dürfte demnach geringer ausfallen. Die Finanzmarktstabilität sehen die Experten aktuell trotz der derzeitigen Bankenkrise "nicht gefährdet", sie weisen jedoch auf weitere erhebliche Risiken und Unsicherheiten hin.

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"Die deutsche Wirtschaft wird zwar weiterhin durch die hohen Energiepreise belastet, sie hat sich jedoch im Winterhalbjahr gegenüber der Energiekrise recht widerstandsfähig gezeigt", resümierte die Vorsitzende des Gremiums, Monika Schnitzer. Hintergrund seien eine vorerst stabilisierte Energieversorgungslage sowie gesunkene Großhandelspreise. Damit hätten die kurzfristigen Abwärtsrisiken für die deutsche Wirtschaft abgenommen. Für 2024 prognostieren die Experten 1,3 Prozent Wachstum.

Dem aktualisierten Gutachten zufolge ist im laufenden Jahr von einer Inflation von 6,6 Prozent auszugehen, im kommenden Jahr dann von 3,0 Prozent. Im Herbst hatten die Wirtschaftsweisen für 2023 noch einen Preisanstieg um 7,4 Prozent prognostiziert. Dieses weiterhin hohe Niveau sowie die Anti-Inflationspolitik der Europäischen Zentralbank mit ihren Leitzinserhöhungen dämpften jedoch das Wachstum, sagte Schnitzer. "Insgesamt erholt sich die Konjunktur langsam."

Besonders betroffen ist demnach der Bausektor. "Vor allem die Bauinvestitionen werden in diesem Jahr ein deutliches Minus verzeichnen", sagte Schnitzer. Außerdem werde die Inflation weiterhin die Lohnsteigerungen übersteigen, fügte ihr Kollege Martin Werding hinzu. "Das heißt, es wird weiterhin Reallohnverluste geben."

Der Sachverständigenrat äußerte sich auch zur aktuellen Bankenkrise, die vor knapp zwei Wochen in den USA ihren Lauf genommen hatte und auch europäische Banken belastet: "Wir möchten festhalten, dass wir im Augenblick keine Gefährdung der Finanzmarktstabilität sehen", sagte die Wirtschaftsweise Ulrike Malmendier dazu. Die Situation sei "wirklich eine ganz andere" als in der Finanzkrise 2008. Der Internetbankenmarkt funktioniere weiterhin "sehr gut" und die Versorgung der Realwirtschaft mit Krediten sei gesichert.

Die Unruhe im Bankensektor geht maßgeblich auf die Zinspolitik der Zentralbanken zurück. Malmendier sieht dennoch "gute Gründe" für die Zentralbanker, an ihrem Kurs festzuhalten, denn "das Inflationsproblem ist noch nicht gelöst". Die Nervosität am Finanzmarkt setze die Geldpolitik aber durchaus unter Druck. Die US-Notenbank Fed sollte später am Mittwoch ihre nächste Leitzinsentscheidung bekanntgeben.

Erhebliche Risiken sehen die Wirtschaftsweisen in erneuten Preissprüngen am Energiemarkt im kommenden Winter. "Die Energiekrise ist noch längst nicht vorbei", sagte Gremiumsmitglied Veronika Grimm. Der aktualisierten Prognose liege die Annahme zugrunde, dass es nicht zu einer Mangellage kommt - was keinesfalls gesichert sei.

Grimm verwies insbesondere auf die Bedeutung Chinas. Die deutsche Exportwirtschaft werde zwar merklich von der Abkehr des Landes von seiner Null-Covid-Politik profitieren. "Gleichzeitig besteht jedoch das Risiko, dass zunehmende geopolitische Spannungen zum Beispiel zwischen den USA und China den Welthandel belasten." Sanktionen gegen China würden das deutsche Wirtschaftswachstum "erheblich" beeinträchtigen, sagte Grimm weiter. Von dem Land sei die deutsche Wirtschaft noch stärker abhängig als von Russland.

(L.Møller--DTZ)

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