Deutsche Tageszeitung - Brüssel will Kleinanleger besser schützen

Brüssel will Kleinanleger besser schützen


Brüssel will Kleinanleger besser schützen
Brüssel will Kleinanleger besser schützen / Foto: © AFP

Kleinanleger sollen in Europa einen besseren Schutz genießen. Das sehen am Mittwoch in Brüssel vorgestellte Pläne der EU-Kommission vor. Danach sollen Finanzfirmen künftig alle Kosten und Risiken ihrer Produkte offenlegen. Für Anlageberater sind höhere Auflagen vorgesehen, damit sie im Interesse der Kundinnen und Kunden handeln. Provisionen können sie für den Verkauf von Finanzprodukten allerdings weiterhin erhalten. Verbraucherschützer hatten ein Verbot gefordert.

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"Nicht jeder Anlagetipp ist ein guter Tipp", sagte die EU-Kommissarin für Finanzdienstleistungen, Mairead McGuinness. Die neuen Vorgaben sehen eine Reihe von Verbesserungen vor: Kleinanleger sollen vor dem Kauf eines Produkts über alle Kosten informiert werden, auch über versteckte Gebühren. Auch "Risikowarnungen" soll es geben, damit Kleinsparer nicht die falsche Entscheidung treffen. Strengere Regeln sollen auch für "Finfluencers" gelten, die im Auftrag von Banken oder Fondsgesellschaften gezielt junge Leute über Online-Netzwerke ansprechen.

Grundsätzlich will die EU-Kommission mit ihrer Strategie dazu beitragen, dass mehr Bürgerinnen und Bürger ihr Geld in Aktien oder Fonds anlegen als es auf Sparkonten mit niedrigem Ertrag zu parken. Brüssel begründet dies unter anderem mit der steigenden Notwendigkeit zur privaten Altersvorsorge. Derzeit mangele es vielen Menschen schlicht an "Vertrauen" in die Kapitalmärkte, sagte EU-Vizekommissionspräsident Valdis Dombrovskis.

In Deutschland hatten vor allem die ursprünglichen Pläne für ein allgemeines Provisionsverbot für Widerstand in der Finanzbranche gesorgt, denn Berater fürchteten Einbußen. Provisionen sollen nun zunächst nur für sogenannte Ausführungsgeschäfte tabu sein, bei denen sich Verbraucher ohne jede Beratung für ein Anlageprodukt entscheiden. Innerhalb von drei Jahren soll dies überprüft werden. Zum 1. April 2023 waren nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) gut 40.000 Finanzanlagenvermittler in der Bundesrepublik registriert.

Die Vorlage geht nun zur Beratung an das Europaparlament und die Mitgliedsländer. Der Europaabgeordnete Markus Ferber (CSU) nannte die Strategie eine "verpasste Chance für Bürokratieabbau". Das größte Problem für Kleinanleger sei der Papierkram beim Erwerb eines Finanzprodukts, erklärte er in Brüssel. Anstatt dies zu vereinfachen, sattele die Kommission "an vielen Stellen noch drauf".

(Y.Ignatiev--DTZ)

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