Deutsche Tageszeitung - Nach zwei Bootsunglücken nahe Italien werden mindestens 30 Migranten vermisst

Nach zwei Bootsunglücken nahe Italien werden mindestens 30 Migranten vermisst


Nach zwei Bootsunglücken nahe Italien werden mindestens 30 Migranten vermisst
Nach zwei Bootsunglücken nahe Italien werden mindestens 30 Migranten vermisst / Foto: © GUARDIA COSTIERA/AFP

Mindestens 30 Menschen werden nach zwei Bootsunglücken vor der italienischen Insel Lampedusa vermisst. Nach Angaben Überlebender handelt es sich dabei um etwa 28 Migranten von einem Flüchtlingsboot und drei Vermisste von einem weiteren, teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Sonntag mit. Beide Boote waren demnach am Samstag bei stürmischem Wetter untergegangen. Die seeuntüchtigen Metallboote waren vermutlich am Donnerstag von der Hafenstadt Sfax in Tunesien aufgebrochen.

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IOM-Mitarbeiter würden nach Gesprächen mit den Überlebenden von "mindestens 30 vermissten Menschen" ausgehen, sagte Pressesprecher Flavio Di Giacomo der Nachrichtenagentur AFP. Die italienische Küstenwache erklärte, 57 Überlebende der beiden Schiffsbrüche gerettet und die Leichen einer Frau und eines Minderjährigen geborgen zu haben.

Die Küstenwache veröffentlichte am Sonntag dramatische Aufnahmen von den Rettungsaktionen. Darauf war zu sehen, wie die Menschen von enormen Wellen hoch- und runtergetragen wurden, während ein Schiff der Küstenwache ebenfalls von den Meeresbewegungen auf und ab geschaukelt wurde. Einige versuchten, auf das schwankende Boot zu klettern, während andere sich verzweifelt aneinander festhielten und so eine menschliche Kette bildeten.

In Agrigent auf der nahegelegenen italienischen Insel Sizilien wurde eine Untersuchung eingeleitet. Der Polizeichef von Agrigent, Emanuele Ricifari, erklärte, die Schlepper hätten vermutlich gewusst, dass raue See vorhergesagt worden war. Wer auch immer es den Menschen auf den Booten erlaubt oder sie gezwungen habe, bei diesen Bedingungen in See zu stechen, "ist ein skrupelloser krimineller Wahnsinniger", sagte Ricifari italienischen Medien.

"Wie viele müssen noch sterben, bevor die EU endlich ein Such- und Rettungsprogramm beschließt?", fragte die Seenotrettungsorganisation Sea-Watch im Online-Dienst Twitter, der inzwischen in X umbenannt wurde.

Während das stürmische Wetter am Sonntag anhielt, brachten Rettungsdienste in einem weiteren Einsatz eine Gruppe von 34 Flüchtlingen in Sicherheit, die seit Freitagabend in einem felsigen Gebiet an der Küste von Lampedusa festsaßen. Starker Wind hatte sie den Rettern zufolge dorthin getrieben. Unter den Migranten waren demnach auch zwei Schwangere.

Aufgrund der hohen Wellen hatte die Küstenwache die Menschen zuvor nicht über das Meer retten können. Nun wurden die Flüchtlinge teils mithilfe von Flugzeugen der Luftstreitkräfte aus ihrer Lage befreit.

Die Fluchtroute von Nordafrika nach Europa über das zentrale Mittelmeer ist die tödlichste weltweit. Mehr als 1800 Menschen seien dabei bereits in diesem Jahr ums Leben gekommen, sagte IOM-Sprecher Di Giacomo. Das sind fast 900 mehr als im vergangenen Jahr. "In Wahrheit ist diese Zahl wahrscheinlich viel höher. Viele Leichen werden im Meer gefunden, was darauf hinweist, dass es viele Schiffsbrüche gibt, von denen wir nie erfahren", fuhr er fort.

Vor allem auf der Route von Tunesien aus habe sich die Anzahl der gefundenen Toten erhöht, sagte Di Giacomo weiter. Der Fluchtweg sei gefährlicher worden, weil sich der bei der Überfahrt benutzte Bootstyp geändert habe.

Die Schleuser setzten die Menschen aus dem Afrika südlich der Sahara in Eisenboote, "die weniger kosten als die üblichen Holzboote, aber völlig seeuntüchtig sind, sie zerbrechen leicht und sinken", fuhr Di Giacomo fort. Einmal auf See, würden die Schleuser oft die Motoren der Boote stehlen, um diese wiederzuverwenden.

Dem italienischen Innenministerium zufolge sind in diesem Jahr bereits 92.000 Migranten an den Küsten Italiens angekommen - fast doppelt soviele wie im selben Zeitraum des vergangenen Jahres.

(V.Sørensen--DTZ)

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