Deutsche Tageszeitung - Britischer Gesundheitsminister: Ärztestreik in England schadet Patienten

Britischer Gesundheitsminister: Ärztestreik in England schadet Patienten


Britischer Gesundheitsminister: Ärztestreik in England schadet Patienten
Britischer Gesundheitsminister: Ärztestreik in England schadet Patienten / Foto: © AFP

Die britische Regierung hat einen erneuten viertägigen Streik von Krankenhausärzten in England scharf verurteilt. Der Streik würde lediglich "Patienten schaden und die eigenen Kollegen noch weiter unter Druck setzen", schrieb Gesundheitsminister Steve Barclay in einem am Freitag veröffentlichten Gastbeitrag für die Boulevardzeitung "Daily Mail". Er nannte die Arbeitsniederlegungen "fahrlässig".

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Der Streit zwischen Nachwuchsärzten und der Regierung dauert bereits seit acht Monaten an. Die Gehälter der "junior doctors", die aber durchaus viele Jahre Erfahrung mitbringen können, halten nach Angaben der Gewerkschaft British Medical Association (BMA) seit langem nicht mit der Inflation mit. Diese Ärzte mussten demnach in den vergangenen 15 Jahren einen Reallohnverlust von 26 Prozent hinnehmen.

Dafür verlangen sie nun einen vollen Lohnausgleich, welcher die Kaufkraft von 2008 wiederherstellen soll. Das aber lehnt die Regierung als zu kostspielig ab, weil es einem Lohnplus von 35 Prozent entspräche. Die Regierung verweist auf den Kampf gegen die immer noch sehr hohe Inflation im Land. Ihr Angebot beläuft sich auf eine Gehaltserhöhung von fünf Prozent.

"Wir sind chronisch unterbesetzt, und alle stehen kurz vor dem Zusammenbruch", sagte der Nachwuchsarzt und Streikaktivist Sumi Manirajan am Freitag.

Es gehe "vornehmlich ums Gehalt, weil wir wissen, dass viele unserer Kollegen das Land oder die Branche wechseln, einfach weil das Gehalt zu niedrig ist, um Ärzte zu halten", erklärte der ebenfalls streikende Nachwuchsarzt Robert Laurenson vor der Uniklinik im Zentrum Londons. Die "junior doctors" stellen etwa die Hälfte der Krankenhausärzte in England.

Die viertägige Arbeitsniederlegung ist bereits die fünfte Streikwelle der englischen Mediziner. Berechnungen des Verbands NHS Providers zufolge hat der Arbeitskampf den nationalen Gesundheitsdienst NHS umgerechnet bereits rund 1,1 Milliarden Euro gekostet.

Ähnliche Streiks führten im April und Juni zu massiven Störungen, hunderttausende Termine und Operationen in Krankenhäusern mussten verschoben werden. Auch Pflege-, Dienstleistungs- und Fachpersonal sowie die als "consultants" bezeichneten erfahreneren Ärzte in Krankenhäusern schlossen sich in den vergangenen Monaten den Protestaktionen für bessere Arbeitsbedingungen an.

Schon jetzt hat der NHS nach der Corona-Pandemie einen gigantischen Rückstand aufzuarbeiten. Rund drei Millionen Menschen warten nach BMA-Angaben bereits länger als 18 Monate auf einen Behandlungstermin. Nach jüngsten Zahlen wartete eine Rekordzahl von 7,6 Millionen Patienten im Juni auf Routinebehandlungen in englischen Krankenhäusern.

Bei seiner Gründung 1948 war der staatlich finanzierte NHS der erste umfassende, allen Einwohnern offen stehende Gesundheitsdienst der Welt. Er ist jedoch seit Jahren unterfinanziert, überlastet und hoch verschuldet. Ende Juni kündigte der britische Premierminister Rishi Sunak an, zur Bewältigung der Gesundheitskrise in den kommenden 15 Jahren mehr als 300.000 Fachkräfte einstellen zu wollen.

(W.Uljanov--DTZ)

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