Deutsche Tageszeitung - Lügen oder guter Glaube? Einstiges Krypto-Wunderkind Bankman-Fried vor Gericht

Lügen oder guter Glaube? Einstiges Krypto-Wunderkind Bankman-Fried vor Gericht


Lügen oder guter Glaube? Einstiges Krypto-Wunderkind Bankman-Fried vor Gericht
Lügen oder guter Glaube? Einstiges Krypto-Wunderkind Bankman-Fried vor Gericht / Foto: © AFP

Die Anklage wirft ihm "Lügen" und "Betrug" vor, die Verteidigung spricht von Geschäften "in gutem Glauben": Beim Prozess gegen den Gründer der insolventen Kryptowährungsplattform FTX, Sam Bankman-Fried, wird dessen Verhalten höchst unterschiedlich bewertet. Der heute 31-Jährige habe "massiven Betrug" begangen, indem er Geld der FTX-Kunden für eigene Zwecke missbrauchte, sagte Staatsanwalt Thane Rehn am Mittwoch beim zweiten Verfahrenstag vor einem New Yorker Bundesgericht. "Sam hat niemanden betrogen", erwiderte einer seiner Anwälte.

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Bankman-Fried "verfügte über Reichtum und Macht", doch sein gesamtes Geschäft war "auf Lügen gebaut", führte Rehn aus. Er habe Milliarden von Dollar veruntreut und die Investoren in die Irre geführt. Bei einer Verurteilung droht Bankman-Fried eine lange Gefängnisstrafe von - zumindest theoretisch - mehr als 100 Jahren.

"Es gab keinen Diebstahl", sagte Bankman-Frieds Anwalt Mark Cohen. Die FTX-Gelder seien investiert, nicht veruntreut worden. Als Startup-Unternehmer habe sein Mandant "hunderte Entscheidungen pro Tag" treffen müssen - da seien "ein paar Dinge übersehen worden". Aber Bankman-Fried habe stets "in gutem Glauben" gehandelt, unterstrich Cohen mehrfach.

Die damals weltweit zweitgrößte Kryptobörse FTX war im vergangenen November Pleite gegangen, was ein Erdbeben in der Krypto-Welt auslöste. Bankman-Fried - Spitzname "SBF" - hatte zuvor wie kein anderer den Aufstieg von Kryptowährungen hin zu einer vermeintlich seriösen Investition verkörpert.

Das Geschäftskonstrukt brach jedoch zusammen, als bekannt wurde, dass FTX Kundengelder teilweise nutzte, um den ebenfalls von Bankman-Fried gegründeten Krypto-Investmentfonds Alameda Research zu stützen, der teils hoch riskante Investitionen tätigte. Anleger zogen in Panik ihre Fonds ab, was zur Pleite von FTX führte. Am Ende fehlten rund 8,7 Milliarden Dollar.

Die Verteidigung beschuldigt vor allem Bankman-Frieds Ex-Freundin Caroline Ellison, die er zur Chefin von Alameda Research ernannt hatte. Auf diesem Posten habe sie entgegen Bankman-Frieds Empfehlung die FTX-Mittel nicht gegen einen möglichen Abfall der Werte von Krypto-Titeln abgesichert. Die Anklage bestreitet diese Darstellung: "Ellison war nur eine Fassade", sagte Rehn. SBF habe stets die Kontrolle über Alameda gehabt.

Ellison hatte sich im Zuge der Ermittlungen schuldig bekannt und ist jetzt eine wichtige Zeugin für die Staatsanwaltschaft. Rehn kündigte am Mittwoch an, dass sie vor Gericht aussagen werde. Der Prozess war am Dienstag mit der Auswahl der Geschworenen angelaufen. Er soll sechs Wochen dauern. Unklar ist, ob der Angeklagte selbst das Wort ergreifen wird.

(M.Dylatov--DTZ)

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