Deutsche Tageszeitung - Diskussion um Namensänderung von Kita "Anne Frank" in Tangerhütte

Diskussion um Namensänderung von Kita "Anne Frank" in Tangerhütte


Diskussion um Namensänderung von Kita "Anne Frank" in Tangerhütte
Diskussion um Namensänderung von Kita "Anne Frank" in Tangerhütte / Foto: © AFP/Archiv

Pläne für eine Umbenennung der Kindertagesstätte "Anne Frank" in Tangerhütte in Sachsen-Anhalt sorgen für Diskussionen. Wie die Stadtverwaltung am Montag mitteilte, steht aktuell keine Entscheidung zu einer Namensänderung an. Darüber werde aber im Zusammenhang mit der Umstrukturierung der Kita schon länger diskutiert.

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Zuvor hatte die "Magdeburger Volksstimme" berichtet, das Kuratorium der städtischen Einrichtung habe sich für einen neuen Namen ausgesprochen. Die Kita soll demnach künftig nicht mehr nach dem jüdischen Mädchen, sondern "Weltentdecker" heißen. Die Leiterin der Kita sagte der Zeitung, die Geschichte des jüdischen Mädchens sei für kleine Kinder schwer zu fassen. Auch wüssten Eltern mit einem Migrationshintergrund mit dem Namen Anne Frank nichts anzufangen.

Bürgermeister Andreas Brohm (parteilos) erklärte am Montag, die Kita habe in den vergangen 14 Monaten "einen Erneuerungsprozess durchlaufen" und solle den Fokus künftig auf "offene Arbeit" legen. Mitarbeiter und Kuratorium hätten diesen Prozess maßgeblich mitgestaltet. Dabei sei bereits Anfang des Jahres auch die Diskussion aufgekommen, die grundlegende Änderung des Kitakonzepts durch einen anderen Namen für die Einrichtung "auch nach außen hin sichtbar zu machen".

Brohm zufolge gingen dazu "viele konstruktive Anregungen und Vorschläge" ein, die "dem Abwägungsprozess eine neue Dynamik verleihen". Dies begrüße er. "Diese Diskussionen laufen immer noch, ohne dass aktuell eine Entscheidung darüber anstünde", fügte er hinzu.

Der Bürgermeister will den Prozess nach eigenen Angaben "moderierend und gleichzeitig fest verankert auf dem Fundament unserer freiheitlichen Grundordnung begleiten". Zugleich betonte Brohm, Tangerhütte stehe "für ein weltoffenes Deutschland, das sich gleichzeitig seiner historischen Verantwortung genauso bewusst ist wie seinem Bildungsauftrag".

Die Pläne zur Umbenennung der Kita hatten Kritik ausgelöst. Das Internationale Auschwitz Komitee sprach von "törichten Argumenten". "Wenn man die eigene Geschichte gerade in diesen Zeiten von neuem Antisemitismus und Rechtsextremismus so leichtfertig abzuräumen bereit ist und der Name von Anne Frank im öffentlichen Raum als ungeeignet wahrgenommen wird, kann einem im Blick auf die Erinnerungskultur in unserem Lande nur angst und bange werden", erklärte Vizepräsident Christoph Heubner am Sonntag.

Der Verein Miteinander, der in Sachsen-Anhalt seit Jahren gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus kämpft, nannte die geplante Namensänderung in einer Zeit des erstarkenden Antisemitismus "ein falsches Signal". Gerade jetzt brauche es "ein historisches Bewusstsein", erklärte der Verein am Wochenende.

Anne Frank, deren Tagebuch weltberühmt wurde, gilt als Symbol der Menschlichkeit inmitten des Holocausts. Zwischen 1942 und 1944 versteckte sich die jüdische Familie Frank in einem Hinterhaus an der Amsterdamer Prinsengracht vor den Nazis. Sie wurde jedoch verraten und von der Gestapo festgenommen.

Die 15-jährige Anne und ihre 19 Jahre alte Schwester Margot starben 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen an Typhus, ihre Mutter in Auschwitz. Nur Annes Vater Otto Frank überlebte. Er veröffentlichte das Tagebuch seiner Tochter und wandelte das Haus in ein Museum um.

(W.Novokshonov--DTZ)

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