Deutsche Tageszeitung - Bitkom-Präsident mahnt die "digitale Zeitenwende" an

Bitkom-Präsident mahnt die "digitale Zeitenwende" an


Bitkom-Präsident mahnt die "digitale Zeitenwende" an
Bitkom-Präsident mahnt die "digitale Zeitenwende" an / Foto: © AFP/Archiv

Vor dem am Montag beginnenden Digitalgipfel der Bundesregierung mahnt der Präsident des Digitalverbands Bitkom mehr Tempo bei der Digitalisierung an. "Leider gibt es kaum Fortschritte bei einigen wirklich großen Themen wie der Digitalisierung der Verwaltung und dem Digitalpakt 2.0 für die Digitalisierung der Schulen, also bei zwei Säulen, die für ein digitaleres Deutschland unerlässlich sind", sagte Ralf Wintergerst der "Wirtschaftswoche".

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Bund, Länder und Kommunen müssten in den Bereichen schnellere Fortschritte erreichen. In den vergangenen zwei Jahren sei Deutschland in den internationalen Rankings für digitale Verwaltungsdienstleistungen weiter zurückgefallen. "Das können wir uns nicht weiter leisten, wenn wir ein attraktiver Standort bleiben wollen", kritisierte Wintergerst. "Die digitale Zeitenwende muss jetzt dringend kommen."

Von den 334 digitalpolitischen Vorhaben, die im Koalitionsvertrag und in der Digitalstrategie aufgeführt sind, seien zur Halbzeit der Legislaturperiode erst 43 Vorhaben abgeschlossen worden. Schlusslicht sei das Familienministerium, das bisher kein einziges digitalpolitisches Vorhaben abgeschlossen und das fünf seiner zwölf Vorhaben nicht einmal angefangen habe. Das Entwicklungshilfeministerium habe erst gar kein Digitalprojekt ins Programm genommen.

Wintergerst warnte vor einer wachsenden digitalen Abhängigkeit Deutschlands. "Viele der digitalen Lösungen, die hier genutzt werden, kommen aus den USA, aus China oder anderen asiatischen Ländern. Deutschland droht zur digitalen Kolonie zu werden", sagte der Bitkom-Präsident der "Wirtschaftswoche" weiter. Die Wirtschaft müsse ihren Kunden selbst digitale Produkte anbieten, sonst bleibe am Ende nur die Hardware bei den Autos oder im Maschinenbau. "Damit wird künftig niemand lange wettbewerbsfähig bleiben. Die deutsche Wirtschaft muss da mutiger sein und mehr investieren", forderte Wintergerst.

Besonders groß sei der Aufholbedarf im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). "Bisher nutzen nur 15 Prozent der deutschen Unternehmen KI, das ist ein dramatischer Rückstand", sagte der Verbandspräsident. Deutschland müsse eigene KI-Anwendungen anbieten können.

Am Montag und Dienstag findet im thüringischen Jena der 16. Digitalgipfel der Bundesregierung statt. Mehr als tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen nach Angaben des Bundesdigitalministeriums zusammen, das Motto lautet "Digitale Transformation in der Zeitenwende. Nachhaltig. Resilient. Zukunftsorientiert". Am Dienstag wird auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) erwartet.

(A.Stefanowych--DTZ)

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