Deutsche Tageszeitung - Flughäfen wie leergefegt - Neue Streikankündigung in Hamburg

Flughäfen wie leergefegt - Neue Streikankündigung in Hamburg


Flughäfen wie leergefegt - Neue Streikankündigung in Hamburg
Flughäfen wie leergefegt - Neue Streikankündigung in Hamburg / Foto: © AFP/Archiv

Die Streiks des Sicherheitspersonals an insgesamt elf Flughäfen in Deutschland haben zu massiven Einschränkungen geführt. In Berlin, Hannover, Leipzig/Halle und Stuttgart hob überhaupt kein Flieger ab, wie die Flughäfen mitteilten. Auch in Hamburg gab es keine Abflüge, hier kündigte Verdi zudem Streiks des Bodenpersonals für Freitag an.

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Der Flughafenverband ADV rechnete damit, dass bundesweit mindestens 1100 Verbindungen ausfallen. Davon wären rund 200.000 Passagiere betroffen. Allein am Flughafen Berlin Brandenburg wurden 170 Starts annulliert, in Köln 48 Starts und 44 Landungen.

Am Airport Hamburg, wo bereits am Donnerstag 126 Flüge annulliert werden mussten, könnte es zudem auch einen Tag später zu Einschränkungen kommen. Während der Flughafen ursprünglich davon ausgegangen war, am Freitag besonders viele Passagiere abfertigen zu müssen, hat Verdi Hamburg nun zu einem Streik des Bodenpersonals aufgerufen. Von 3 Uhr bis 23.59 Uhr sind unter anderem die Mitarbeitenden der Gepäckabfertigung, der Passagierbeförderung und der Flugorganisation zum Ausstand aufgerufen.

Welche Auswirkungen das auf den Flugverkehr hat, konnte der Airport nach eigenen Angaben am Donnerstagmittag noch nicht absehen.

Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main wurden 310 von 1120 Verbindungen gestrichen. Wer nur umsteigt, könnte Glück haben, einige Anschlussflüge sollten abheben. Ein Reisebeginn ab Frankfurt war indes am Donnerstag nicht möglich.

An den Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden ging überhaupt nichts. Hier streikten neben den Beschäftigten der Luftsicherheit auch die Angestellten der Mitteldeutschen Flughafen AG. In Leipzig wurden deshalb alle 30 Starts und Landungen abgesagt, in Dresden 16.

Vom Flughafen Hannover sollten ursprünglich 8500 Menschen starten und landen. Alle 35 Starts seien gestrichen worden, von den 34 geplanten Landungen kämen vereinzelt Flieger an, erfuhr AFP von Seiten des Flughafens. Etwas mehr Verkehr gab es am Flughafen Düsseldorf. Zwar blieben auch dort 63 Flugzeuge am Boden, 81 konnten aber trotz des Streiks losfliegen.

Verdi will mit dem Ausstand den Druck bei den Tarifverhandlungen erhöhen. Die Gewerkschaft verhandelt derzeit mit dem Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) über höhere Löhne für die bundesweit rund 25.000 Beschäftigten der Branche. Verdi fordert 2,80 Euro mehr pro Stunde, höhere Funktionszulagen und Mehrarbeitszuschläge ab der ersten Überstunde.

Der BDLS kritisierte den Streik scharf. "Nach drei Verhandlungsrunden und einem verhandlungsfähigen Angebot unsererseits zu einem bundesweiten, ganztägigen Streik aufzurufen, zeigt deutlich, wie sich die Streikkultur der Gewerkschaften entwickelt hat", erklärte Frank Haindl. Die Arbeitgeber hatten vier Prozent mehr Lohn für 2024 und weitere drei Prozent für 2025 angeboten. Verdi bezeichnete dies als "völlig unzureichend".

Auch dem Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) fehlt "jedes Verständnis". Er forderte Verdi auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und die Gespräche "mit Augenmaß" fortzusetzen. "Wir hoffen nicht, dass Verdi wie vor zwei Jahren wieder mit einer Streikwelle die Reisenden im Luftverkehr in Geiselhaft nimmt", mahnte BDF-Geschäftsführer Michael Engel.

Verdi-Chef Frank Werneke indes verteidigte den Streik des Sicherheitspersonals am Donnerstag und den des Personennahverkehrs am Freitag: "Die Arbeitsbedingungen in diesen Bereichen sind so katastrophal, dass die Menschen Entlastung haben wollen", sagte Werneke im ARD-"Morgenmagazin".

Dass die Streiks kurz nach dem Ende des Lokführerstreiks stattfinden, sei ein "Zufall des Kalenders", sagte Werneke. Generell habe die Bereitschaft, sich in Tarifrunden, bei Diskussionen über Forderungen oder bei Streiks einzubringen, zugenommen. Gleichzeitig wies Werneke darauf hin, dass Verdi die meisten seiner Tarifverträge ohne Arbeitskämpfe abschließe. Die Tarifgespräche sollen am Dienstag in Berlin fortgesetzt werden.

(O.Zhukova--DTZ)

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