Deutsche Tageszeitung - Bundesregierung setzt trotz Kritik EU-Zugeständnisse an Landwirte um

Bundesregierung setzt trotz Kritik EU-Zugeständnisse an Landwirte um


Bundesregierung setzt trotz Kritik EU-Zugeständnisse an Landwirte um
Bundesregierung setzt trotz Kritik EU-Zugeständnisse an Landwirte um / Foto: © AFP/Archiv

Die Bundesregierung hat angekündigt, die EU-Zugeständnisse an Landwirtinnen und Landwirte beim verpflichtenden Brachlandanteil wie von der EU-Kommission vorgeschlagen umzusetzen. Die Betriebe erhielten so "mehr Flexibilität bei ihrer Bewirtschaftung und zusätzliches Einkommen", erklärte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) am Donnerstag. Er hatte das Vorgehen der Kommission zuvor allerdings scharf kritisiert.

Textgröße ändern:

Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU sieht vor, dass Landwirte vier Prozent ihrer Nutzflächen brach liegen lassen. Dadurch sollen Flächen für wild lebende Arten geschaffen werden. Die Kommission hatte die Regelung infolge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine ausgesetzt, ursprünglich um die Lebensmittelversorgung abzusichern.

Die Ausnahme wird nun bis Ende des Jahres verlängert. Allerdings müssen die Landwirte stattdessen "einen Mindestanteil von vier Prozent ihrer Anbauflächen für nichtproduktive Flächen und Merkmale" nutzen. Dazu gehören neben brachliegenden Flächen auch der Anbau von stickstoffbindenden Pflanzen wie Linsen, Erbsen und Bohnen oder Zwischenfrüchten.

Ursprünglich hatte Brüssel für die stickstoffbindenden Pflanzen einen Mindestanteil von sieben Prozent der Ackerflächen vorgeschlagen, was Özdemir begrüßte. Schließlich senkte die Kommission den Anteil aber auf vier Prozent ab. Weil sich Deutschland und andere Länder deshalb bei der Abstimmung enthielten, fand der Kommissionsvorschlag unter den Mitgliedstaaten keine Mehrheit. Die Brüsseler Behörde entschied dann im Alleingang.

Die Umsetzung der Zugeständnisse an die Landwirte "hat auch einen Preis", erklärte Özdemir nun. "Ich hätte mir gewünscht, dass wir den Schutz der Artenvielfalt gleichzeitig angehen."

Der Deutsche Bauernverband (DBV) lobte die Entscheidung zum Wohle der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirte. "Die Bundesregierung hat verstanden, dass wir Bauern keine weitere Benachteiligung und damit Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit akzeptieren werden", erklärte DBV-Präsident Joachim Rukwied. Schärfere Vorgaben als die der EU - wie sie Özdemir befürwortet hatte - wären durchaus möglich gewesen.

Umweltschützer warfen der Bundesregierung deshalb vor, "vor der Agrarlobby einzuknicken". "Der Verzicht auf Brachen und Stilllegungsflächen ist ein fundamentaler Rückschritt für den gemeinsam mit der Landwirtschaft errungenen notwendigen Schutz der Artenvielfalt in unseren Agrarlandschaften", erklärte der Vorsitzende des BUND, Olaf Bandt. Die Bundesregierung hätte wenigstens mit der Erhöhung des Budgets für finanzielle Anreize für mehr Umweltschutz einen Ausgleich schaffen können, kritisierte er.

(P.Vasilyevsky--DTZ)

Empfohlen

KI-Assistent für vernetzte Mobilität: Akkodis und der Hamburger Verkehrsverbund präsentieren hvv mia auf der InnoTrans 2026

Basierend auf dem Synergeticon AI Conversational Service Hub von Akkodis bündelt die gemeinsam mit dem Hamburger Verkehrsverbund entwickelte Lösung hvv mia Reiseinformationen, Routenplanung, Ticketauskünfte und weitere Mobilitätsservices in einer zentralen, dialogbasierten Anwendung.

Heizkosten 2025 wieder gestiegen - fossile Heizungen "langfristig immer teurer"

Die Heizkosten sind 2025 nach einer Entspannung in den beiden Vorjahren wieder gestiegen - und auch für 2026 rechnet die Beratungsgesellschaft co2online mit weiteren Kostensteigerungen. Langfristig werden fossile Heizungen "immer teurer", erklärte co2online am Dienstag. Laut dem jährlich zusammen mit dem Deutschen Mieterbund erhobenen Heizspiegel können 90 Prozent aller Haushalte ihre Heizkosten heute senken.

Düngemittel-Deal: Trump will Kalisalz aus Belarus statt aus Kanada kaufen

US-Präsident Donald Trump bereitet nach eigenen Angaben ein "umfassendes" Abkommen mit Belarus über den Kauf von Kalisalz vor. "Der Preis wäre deutlich niedriger als das, was wir heute an Kanada zahlen", erklärte Trump am Montag in seinem Onlinedienst Truth Social. Dies sei eine "sehr gute Nachricht für unsere Bauern und Viehzüchter".

Zehntausende Beschäftigte protestieren gegen "Kahlschlag" in der Autoindustrie

Mit Betriebsversammlungen, Kundgebungen und Demonstrationen haben bundesweit zehntausende Beschäftigte der Automobilindustrie gegen einen "Kahlschlag" in ihrer Branche demonstriert. Die IG Metall erklärte am Montag, an dem von ihr ausgerufenen Aktionstag Autoindustrie beteiligten sich rund 175.000 Beschäftigte. IG-Metall-Chefin Christiane Benner erklärte: "Beschäftigte sind nicht länger bereit, für eine Krise zu zahlen, die sie nicht verschuldet haben."

Textgröße ändern: